Trauer und Wut nach Anschlägen
Erdogan-Gegner werfen Regierung Mitschuld vor

Nach dem Terroranschlag auf einen Friedensmarsch in Ankara regieren in der Türkei Trauer und Wut. Regierungsgegner werfen Präsident Erdogan vor, die Gewalt mitverschuldet zu haben. Auch in Deutschland wächst die Angst vor Anschlägen.

AnkaraNach dem verheerenden Terroranschlag auf einen Friedensmarsch in Ankara regiert im der Türkei Trauer und Wut. Bei Kundgebungen im ganzen Land gaben Oppositionelle der Regierung eine Mitschuld an den Bombenexplosionen vom Samstag mit mindestens 95 Toten. „Der Staat, dem kein Flügelschlag eines Vogels entgeht, war nicht in der Lage, ein Massaker im Herzen von Ankara zu verhindern“, sagte der Parteiführer der prokurdischen HDP, Selahattin Demirtas, vor Hunderten Trauernden.

Wer hinter dem Anschlag auf die Demonstration von Oppositionellen steckte, war auch am Sonntag noch unklar. Die Regierung hatte erklärt, einiges deute auf kurdische Rebellen oder die Terrormiliz Islamischer Staat hin. 14 mutmaßliche IS-Mitglieder wurden am Sonntag in der Stadt Konya festgenommen. Ob es einen Zusammenhang zu dem Anschlag gab, war aber unklar.

Die Türkei geht seit mehreren Monaten verstärkt gegen den IS vor, auch mit vereinzelten Luftangriffen in Syrien. Vor allem richtete sich der Militäreinsatz aber gegen die kurdischen Rebellen der PKK. Diese verkündeten nach dem Anschlag eine einseitige Waffenruhe bis zur Parlamentswahl am 1. November. Das türkische Militär griff aber am Sonntag weiter PKK-Stellungen im Nordirak an.

Oppositionelle warfen Präsident Recep Tayyip Erdogan vor, den Konflikt mit den Kurden forciert zu haben, damit seine AKP bei der vorgezogenen Neuwahl wieder mehr Stimmen bekommt. Bei der Wahl im Juni hatte sie die absolute Mehrheit verloren, vor allem auch weil die HDP drittstärkste Kraft wurde.

Am Ort des Anschlags gab es am Sonntag ein Handgemenge zwischen Polizisten und Trauernden, die angeführt von Demirtas und der HDP-Kovorsitzenden Figen Yüksekdag der Opfer gedenken wollten. Einige in der Menge skandierten „Mörder Erdogan“. Die Polizei setzte Tränengas ein. 70 Demonstranten wurde es schließlich gestattet, den abgeriegelten Platz vor dem Hauptbahnhof zu betreten, um Blumen niederzulegen.

In der mehrheitlich kurdischen Stadt Diyarbakir versammelten sich 10 000 Menschen und hielten eine Schweigeminute für die Opfer ab. In Istanbul demonstrierten Tausende gegen die Regierung.

Der Vorsitzende der oppositionellen CHP, Kemal Kilicdaroglu, machte die türkische Unterstützung für die Opposition in Syrien für den Anschlag verantwortlich. „Diese Politik hat Terror in unser Land gebracht“, sagte er. „Die Türkei muss rasch aus dem Morast des Nahen Ostens heraus.“ Er sagte, zwei männliche Selbstmordattentäter hätten den Anschlag verübt.

Die Regierung teilte mit, sie habe eine Untersuchungskommission zur Aufklärung der Tat eingerichtet. Der Anschlag ähnelte einem weiteren in der Stadt Suruc im Juli, bei dem 33 türkische und kurdische Friedensaktivisten getötet wurden, angeblich von einem IS-Selbstmordattentäter. Die PKK warf der Regierung in Ankara bereits damals vor, die jungen Aktivisten nicht ausreichend geschützt zu haben, und kündigte den Waffenstillstand auf. Seitdem gab es Hunderte von Toten bei Anschlägen und Gefechten.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
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