Trauerfeier für ermordete Politikerin Haschimi
USA wollen Irakern Frist für neue Verfassung setzen

Der provisorische irakische Regierungsrat soll zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung für das Land eine Frist gesetzt bekommen. Im Gespräch sind sechs Monate. Das kündigte Außenminister Colin Powell in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit US-Medien an. Beobachter werteten dies als Zugeständnis an die US-Kritiker wie Deutschland und Frankreich.

HB BAGDAD/WASHINGTON. Die Kritiker hatten von den USA immer wieder einen konkreten Zeitplan gefordert. Am Freitag schlossen sich in Bagdad Hunderte von Menschen dem Trauerzug für die am Vortag an den Folgen eines Anschlags gestorbene irakische Politikerin Akila el Haschimi an.

„Wir würden ihnen (den Irakern) gerne eine Frist setzen“, sagte Powell zur Frage einer Verfassung. „Sie haben sechs Monate. Es wird schwierig sein, diese Frist einzuhalten, aber wir müssen sie in Schwung bringen.“ Powell erklärte, erst wenn die Verfassung ausgearbeitet und eine neue Regierung im kommenden Jahr gewählt worden sei, würden die USA die Macht an die Iraker übergeben. Der Präsident des irakischen Regierungsrates, Ahmed Chalabi, hatte vor kurzem erklärt, es sei möglich bis Mai 2004 eine Verfassung zu entwerfen. Sowie dieser Entwurf durch einen Volksentscheid angenommen sei, könnten Vorbereitungen für freie Wahlen beginnen.

Der britische Außenminister Jack Straw warb am Donnerstag bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York für eine geordnete Übertragung der Machtbefugnisse. Zuerst müsse jedoch die Sicherheit im Irak gewährleistet werden, sagte Straw.

Einen Tag nach der Ankündigung von UN-Generalsekretär Kofi Annan, wegen des Risikos neuer Terroranschläge weitere internationale Mitarbeiter aus dem Irak abzuziehen, brach am Freitag ein Konvoi mit UN-Mitarbeitern von Bagdad nach Jordanien auf. Die Fahrzeuge sollen 19 ausländische UN-Mitarbeiter außer Landes bringen.

In Bagdad war der Trauerzug für die ermordete schiitische Politikerin el Haschimi, eine von drei Frauen im provisorischen Regierungsrat, von einem starken Sicherheitsaufgebot begleitet. Vor der Imam-Mussa-el-Kazhim-Moschee in Bagdad postierten sich US- Soldaten und Wächter der schiitischen Religionsschule Hauza Islamija. Der Sarg wurde im Anschluss an das Gebet zum Großfriedhof der für die Schiiten heiligen Stadt Nadschaf gebracht.

Unterdessen gingen die Angriffe auf US-Soldaten im Irak weiter. Zwei US-Soldaten wurden in der Nacht zum Freitag bei einem Panzerfaust-Angriff auf ihren Konvoi in der nordirakischen Ölstadt Kirkuk getötet. Nach Armeeangaben wurden zwei weitere US-Soldaten dabei verletzt. Wenige Stunden zuvor sei ein weiterer Soldat bei einem Brand in der Stadt Tikrit ums Leben gekommen, hieß es. In Mosul wurden acht Soldaten bei einem Angriff verletzt. Auch im Westirak gerieten die Amerikaner am Freitag erneut unter Beschuss.

Die US-Armee will mit kostenlosem Heimaturlaub gegen die sinkende Moral amerikanischer Soldaten im Irak angehen. Das US-Militär berichtete am Donnerstagabend, wer für ein Jahr in den Irak berufen sei, könne sich ab sofort für einen zweitwöchigen Jahresurlaub in Europa oder den USA anmelden. 80 US-Soldaten aus dem Irak trafen in der Nacht zum Freitag bereits auf der Rhein-Main-Airbase in Frankfurt ein. Wie die US-Streitkräfte mitteilten, war dies die erste Soldatengruppe, die das Urlaubsangebot nutzt. An Bord der Maschine seien weitere 190 Soldaten gewesen, die in die USA weiterreisten.

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