Trauerfeier für Fidel Castro
„Kein Personenkult“ – Castros letzter Wille überrascht

Zehntausende haben Fidel Castro die letzte Ehre erwiesen. Sein Bruder und Nachfolger Raúl überraschte die Kubaner mit dessen letztem Wunsch: Es sollen keine Denkmäler für den Revolutionsführer errichtet werden.
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Santiago de CubaDer kubanische Präsident Raúl Castro will nach dem Tod seines Bruders Fidel das Land auf Kurs halten. „Im Angesicht der Überreste von Fidel, in der Heldenstadt Santiago de Cuba, schwören wir, das Vaterland und den Sozialismus zu verteidigen“, sagte er bei der finalen Trauerfeier am Samstagabend (Ortszeit).

Zehntausende Menschen nahmen Abschied vom gestorbenen kubanischen Revolutionsführer. Sie schwenkten bei einer Massenkundgebung auf dem Platz Antonio Maceo kubanische Flaggen und skandierten „Ich bin Fidel, ich bin Fidel“.

„Trotz des Schmerzes dieser Tage sind wir stolz, weil die Kinder Kubas den Ideen Fidels folgen werden“, sagte Castros Nachfolger Rául. „Er hat uns gezeigt, dass wir mit unserer Entschlossenheit, in Kuba den Sozialismus aufzubauen, jedes Hindernis überwinden können.“ Die Menschen feierten den wenig charismatischen Präsidenten mit Sprechchören: „Raúl - Freund - das Volk ist bei dir.“

Während bei der Trauerfeier in Havanna am Dienstag die ausländischen Staats- und Regierungschefs Castro in Ansprachen die letzte Ehre erwiesen hatten, zollten in Santiago de Cuba vor allem die Vertreter von Verbänden, Gewerkschaften und Studenten dem Revolutionsführer Respekt.

„Ruhe in Frieden, Kommandeur. Wir werden dein Erbe niemals verraten“, sagte General José Antonio Carrillo vom Verband der Revolutionskämpfer. Gewerkschaftsführer Ulises Guilarte de Nacimiento sagte: „Fidel war ein politischer Gigant des 20. Jahrhunderts. Von ihm haben wir gelernt: Nur wer kämpft, kann siegen.“

Die Studentenführerin Jennifer Bello Martínez versprach: „Wir werden nicht das Schwert und die Fahne sinken lassen. Die Studenten werden Fidel nicht enttäuschen.“ Die Chefin des Kommunistischen Jugendverbandes, Susely Morfa, sagte: „Millionen Kubaner sind mit den Lehren des Chefkommandeurs aufgewachsen. Wir haben gelernt, dass Aufgeben keine Option ist, dass die Solidarität und der Internationalismus uns als Menschen wachsen lassen.“

Auch wenn sie diesmal nicht das Wort ergriffen, kamen die engsten Verbündeten Kubas wie der venezolanische Präsident Nicolás Maduro, der bolivianische Staatschef Evo Morales und der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega nach der offiziellen Trauerfeier in Havanna auch wieder nach Santiago de Cuba. Die brasilianischen Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva und Dilma Rousseff sowie die Fußballlegende Diego Maradona erwiesen Castro ebenfalls die letzte Ehre.

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