Trauermarsch für Boris Nemzow Zehntausende trauern um Oppositionsführer

Boris Nemzow wird mitten in Moskau erschossen und spaltet Russland: Putin spricht von einem Unglück, Kritiker von einem Auftragsmord. Ein Trauermarsch mit bis zu 70.000 Teilnehmern verspricht Konfliktpotenzial.
Update: 01.03.2015 - 16:49 Uhr Kommentieren
Demonstranten mit Portraits des getöteten Oppositionspolitikers Boris Nemzow. Quelle: dpa
70.000 bei Demo in Moskau

Demonstranten mit Portraits des getöteten Oppositionspolitikers Boris Nemzow.

(Foto: dpa)

MoskauNach dem Mord an dem russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow haben sich in Moskau Zehntausende zu einem Trauermarsch formiert. Menschen allen Alters, viele von ihnen mit Rosen und Nelken in den Händen, kamen im Gedenken an den Ex-Vizeregierungschef in das Stadtzentrum - bewacht von einem Großaufgebot an Sicherheitskräften.

Mitorganisator Alexander Riklin schätzte die Zahl der Teilnehmer auf mehr als 70.000, die Polizei sprach von mehr als 16.000 Demonstranten. Auf Transparenten waren Slogans wie „Er starb für die Zukunft Russlands“ oder „Er kämpfte für ein freies Russland“ zu lesen.

Die Stadtverwaltung hatte eine Kundgebung mit bis zu 50.000 Menschen genehmigt. Der von dem Oppositionsführer und Ex-Regierungschef Michail Kasjanow organisierte Marsch sollte am Sonntag auch über die Große Moskwa-Brücke am Kreml führen, wo Nemzow am späten Freitagabend mit vier Schüssen in den Rücken ermordet worden war. Die Tat löste international Trauer und Entsetzen aus. Am Tatort legten viele trauernde und weinende Menschen Blumen und Heiligenbilder nieder.

„Was ist aus Russland geworden?“, fragte Kasjanow entsetzt im Radiosender Echo Moskwy. Die Tragödie um Nemzow zeuge davon, dass die Aggression zunehme in Russland. Viele Wegbegleiter von Nemzow sprechen mit zitternder Stimme von einem großen Verlust für demokratisch denkende Menschen im größten Land der Erde.

Beeindruckende Bilder vom Trauermarsch
Protestmarsch in Moskau
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Nach dem Mord an dem russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow haben sich am Sonntag in Moskau zehntausende Menschen zu einem Trauermarsch formiert.

Großaufgebot an Sicherheitskräften
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Menschen allen Alters, viele von ihnen mit Rosen und Nelken in den Händen, kamen im Gedenken an den Ex-Vizeregierungschef in das Stadtzentrum – bewacht von einem Großaufgebot an Sicherheitskräften.

Russland zwischen Zorn und Furcht
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Auf Plakaten waren Aufschriften zu sehen wie „Ich fürchte mich nicht“, aber auch „Ich fürchte mich – wer ist der Nächste?“.

Oppositionsführer an der Spitze
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Die Stadtverwaltung hatte eine Kundgebung mit bis zu 50.000 Menschen genehmigt. Der von dem Oppositionsführer und Ex-Regierungschef Michail Kasjanow (r.) organisierte Marsch sollte am Sonntag auch über die Große Moskwa-Brücke am Kreml führen, wo Nemzow am späten Freitagabend mit vier Schüssen in den Rücken ermordet worden war.

Proteste auch in St. Petersburg
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Auch in der zweitgrößten Stadt St. Petersburg versammelten sich nach Schätzungen der Nachrichtenagentur AFP mindestens 6000 Demonstranten im Gedenken an Nemzow.

Demonstranten mit ukrainischen Fahnen
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Einige Demonstranten hielten ukrainische Fahnen in den Händen. „Ich trage die ukrainische Flagge, weil Nemzow für ein Ende des Kriegs in der Ukraine gekämpft hat. Sie haben ihn dafür getötet“, sagte ein Demonstrant.

Stille Trauer
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Ursprünglich hatte die Opposition für Sonntag eine Großkundgebung gegen die Ukraine-Politik von Präsident Wladimir Putin geplant. Diese wurde nach der Ermordung Nemzows abgesagt, stattdessen versammelten sich die Menschen, um zu trauern.

Auf einen ursprünglich für Sonntag geplanten Marsch gegen die Politik von Kremlchef Wladimir Putin hatte die Opposition verzichtet.

Der Moskauer Fernsehsender TWZ veröffentlichte unterdessen ein Überwachungsvideo vom Ort und von der Zeit der Tat. In der Aufnahme ist nach Darstellung des Senders zu sehen, wie sich Nemzow mit seiner Begleiterin am Freitag gegen 23.30 Uhr (21.30 Uhr MEZ) auf der Brücke bewegt und von einem Mann verfolgt wird.

Eine Kehrmaschine verdeckt dann die Sicht auf das Paar und den Mann. Wenig später ist zu sehen, wie der mutmaßliche Täter in ein Auto steigt und flieht. Etwa zehn Minuten danach kommt die Polizei. Nemzows Begleiterin ist unverletzt.

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