Trauerzüge
Tschechen erinnern an Vaclav Havel

Der Dramatiker und einstige Dissident Vaclav Havel war am Sonntagmorgen im Alter von 75 Jahren verstorben. In Prag und anderen Städten kam es spontan zu Trauerkundgebungen.
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Prag Um 18.00 Uhr haben am Sonntag in ganz Tschechien in Erinnerung an den verstorbenen Alt-Präsidenten Vaclav Havel die Glocken der Kirchen geläutet. Dazu hatte der katholische Prager Erzbischof Dominik Duka aufgerufen.

Der Dramatiker und einstige Dissident Havel war am Sonntagmorgen im Alter von 75 Jahren verstorben. Havel habe erfahren müssen, was der Verlust der Freiheit und die Verneinung der Menschenwürde, was Unterdrückung und Gefängnis bedeuteten, erklärte Erzbischof Duka. „Unabhängig von politischen oder religiösen Überzeugungen sind wir alle verpflichtet, ihm die letzte Ehre zu erweisen und Dank zu sagen.“

Im Stadtzentrum von Prag versammelten sich die Menschen zu spontanen Trauerkundgebungen. Tausende legten an zentralen Schauplätzen der demokratischen Wende von 1989 Blumen nieder und zündeten Kerzen an.

„Havel war für mich ein Symbol der geistigen Veränderung“, sagte einer der Trauernden der Zeitung „Dnes“. Auf dem Wenzelsplatz, einem der Sammelpunkte der antikommunistischen Demonstrationen von 1989, lasen Studenten zu den Versammelten aus Havel-Biografien und -Gesprächen.

Wie vor 22 Jahren klapperten die Menschen mit ihrem Schlüsselbund und stimmten leise Protestlieder an. In Anerkennung der Errungenschaften des Anführers der
„Samtenen Revolution“ hielten sie auch eine Schweigeminute ab.

„Alles, was er getan und geschrieben hat, war ein Aufruf, die eigene und die Freiheit anderer zu verteidigen“, sagte dort der Dramatiker Milan Uhde. „Dieser Aufruf bleibt für mich auch heute lebendig“, erklärte der Weggefährte Havels nach Angaben der Agentur CTK.

Vom Stadtzentrum zogen am späten Abend mehrere hundert Menschen in einem Trauerzug zur Prager Burg. Auf dem Weg hielten sie an einem Lagerfeuer an der Moldau inne. Vor der Statue des ersten tschechoslowakischen Präsidenten Tomas Garrigue Masaryk auf dem Prager Hradschin stimmte die Menge die Nationalhymne an.

Auch in der zweitgrößten Stadt Brünn (Brno) und in Ostrau (Ostrava) versammelten sich die Menschen am Sonntag spontan zu Trauerkundgebungen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ein sehr großer Staatsmann und ein Hochgradfreimaurer geht von uns.

    Ihm war es gelungen, den Übergang vom Warschauer Pakt zur heutigen Staatsform ohne Verfolgungung der Altkommunisten hin zu bekommen und im Gegegnsatz zum nationalistischen Pan Klaus war er offen für die Zusammenarbeit mit Deutschland und dem Westen.







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