Traum vom Freihandel ohne Quoten ist vorerst geplatzt
China ist die Welt-Nähmaschine

Nur leises Rattern und Rascheln. Aufgereiht wie in einem Klassenzimmer sitzen die jungen Frauen an kleinen Tischen. Unentwegt bügeln und sortieren sie weiße Stoffstücke. In der heißen und stickigen Fabrikhalle tragen viele Arbeiterinnen luftige T-Shirts. „Be happy!“ steht auf einem in Knallorange.

PEKING. Eine Tischreihe weiter kommen die Fetzen unter die Nähmaschine. Ratter, ratter, ratter – saust die Nadel durch den Stoff. Dann durch den nächsten. Ratter, ratter. Kein Getuschel ist zu hören, kein Lachen. Nur das Geräusch der Maschinen und das Rascheln von Stoff. Stille Akkordarbeit bei 37 Grad.

Noch 72-mal werden die Baumwollstücke durch Frauenhände wandern. Dann spuckt Chinas größte Hemdenfabrik, die Youngor Group in der Hafenstadt Ningbo, wieder ein strahlend weißes Oberhemd für den Weltmarkt aus. Kosten der Produktion: 7,50 Dollar.

Es sind chinesische Textilfirmen wie Youngor, die mit ihrer billigen Massenproduktion zuletzt den europäischen und US-Kleidungsmarkt überschwemmt haben. Vor allem seit Januar, als ein weltweites Handelsabkommen ausgelaufen war, das die Exportquoten bis dahin strikt vorgegeben hatte.

Seitdem entwickelte sich ein heftiger Handelsstreit. Mit der Folge, dass die EU und die USA zunächst einseitig neue Einfuhrquoten verhängten. China, inzwischen ja Mitglied der Welthandelsorganisation WTO, wollte das aber nicht hinnehmen, verhandelte nach und legte den Streit mit Europa vor Wochen bei. Am Dienstag schließlich einigte sich die Regierung in Peking auch mit den Amerikanern. Das neue Abkommen mit den USA sieht vor, dass China seine Exporte 2006 um acht bis zehn Prozent ausweiten darf, 2007 um 13 Prozent und 2008 um 17 Prozent.

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