Treffen der Staatschefs
Nord- und Südkorea setzen neuen Gipfel an

Mehr als sieben Jahre nach dem ersten Gipfel in ihrer Geschichte haben die beiden Koreas ein zweites Treffen ihrer Staatschefs vereinbart. Der Südkoreaner Roh Moo Hyun reist dafür in den Norden, obwohl der umgekehrte Modus vereinbart worden war - den Wahlchancen seiner Koalition zuliebe.

HB SEOUL. Der südkoreanische Sicherheitsberater Baek Jong Chun sagte am Mittwoch, Roh werde den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Il vom 28. bis 30. August in in Pjöngjang treffen. Auf der Tagesordnung des Gipfels solle auch die Möglichkeit eines Friedensabkommens stehen. Nord- und Südkorea befinden sich offiziell noch immer im Krieg, sie haben 1953 lediglich einen Waffenstillstand vereinbart.

Geplant seien ferner Gespräche über vertrauensbildende Maßnahmen zwischen den Streitkräften beider Staaten. Der nach dem Krieg 1953 vereinbarte Waffenstillstand wird entlang einer vier Kilometer breiten entmilitarisierten Zone von Uno-Soldaten überwacht. Vorbereitet werden soll die Konferenz in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaseong. Hier befindet sich auch eine Sonderwirtschaftszone, in der sich mehrere südkoreanische Firmen angesiedelt haben.

Bei dem ersten historischen Gipfeltreffen im Juni 2000 war Kim Jong Il mit seinem damaligen südkoreanischen Kollegen Kim Dae Jung in Pjöngjang zusammengetroffen. Für seine so genannte Sonnenschein-Politik gegenüber dem kommunistischen Nachbarn wurde Kim Dae Jung 2000 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Überschattet wurden die Ergebnisse des Gipfels später allerdings von Berichten, wonach die Regierung in Seoul der Bereitschaft des Nordens zu dem Gespräch mit geheimen Zahlungen auf die Sprünge half.

Kim Jong Il hatte nach dem Gipfel einen Gegenbesuch in Seoul zugesagt. Der Staatschef habe für das zweite Treffen nun aber Pjöngjang vorgeschlagen, sagte der südkoreanische Geheimdienstchef Kim Man Bok. Er war zwei Mal nach Nordkorea gereist, um das Treffen zu arrangieren. Sicherheitsberater Beak versicherte, diesmal seien keine geheimen Hilfslieferungen geleistet worden, um Nordkorea zur Zustimmung zu bewegen.

Die Opposition in Seoul wirft Präsident Roh vor, das Gipfeltreffen zu missbrauchen, um die Chancen seines liberalen Koalitionspartners bei den Präsidentschaftswahlen im Dezember zu verbessern. Roh selbst darf nicht wieder antreten. Deswegen liegen die Hoffnungen Rohs auf den Liberalen, deren mögliche Kandidaten aber bisher in Umfragen nur auf einstellige Werte kommen.

Viel besser abschneiden dürfte der Kandidat der oppositionellen Grand National Party. Sie vertritt eine härtere Linie gegenüber dem Norden, was etwa die großzügigen Hilfslieferungen angeht - weswegen auch Pjöngjang ein Interesse an der Wahl eines liberalen Kandidaten haben dürfte. Nach Ansicht der Grand National Party ist der Termin für das Gipfeltreffen bewusst gewählt: Der Rummel darum solle die Kür ihres Präsidentschaftskandidaten am 19. August überstrahlen.

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