Treffen der Wirtschaftsnobelpreisträger
Das Orakel von Lindau

Sieben Nobelpreisträger der Ökonomie äußern sich vor ihrer heute beginnenden Tagung am Bodensee in einer Exklusiv-Umfrage des Handelsblatts über die Globalisierung, Chinas Aufstieg zur Wirtschaftsupermacht und die Gefahren des Klimawandels.

Was könnten oder sollten Regierungen tun, um den Globalisierungsprozess zu steuern?

Gary Becker (USA, erhielt den Preis 1992 für "die Ausdehnung der mikroökonomischen Theorie auf menschliches Verhalten"): Freien Güter- und Kapitalverkehr fördern, mehr Immigration zulassen und die Regulierung der Arbeits- und Gütermärkte abbauen.

Clive Granger (Großbritannien, wurde mit Robert Engle 2003 für Arbeiten zur Auswertung von Zeitreihen ausgezeichnet.): Die Regierungen sollten sich heraushalten und sich auf Zölle und Steuern beschränken. Dabei sollten sie aber den internationalen Handel nicht als einfache Quelle für Steuereinnahmen betrachten.

Robert Mundell (Kanada, erhielt den Nobelpreis 1999. Auf ihn geht die Theorie optimaler Währungsräume zurück.): Die Regierungen sollten die Aktivitäten einstellen, die die Globalisierung behindern.

John Nash (USA, Spieltheoretiker, erhielt den Preis 1994 zusammen mit Reinhard Selten und John Charles Harsanyi.): Globalisierung ist nicht zu jeder Zeit für jedes Land von Vorteil. Jeder Staat muss abwägen, welche Politik in Bezug auf den internationalen Handel und Finanzbeziehungen in seinem Interesse liegt. Wenn die USA im 19. Jahrhundert Importe von Industriegütern aus Europa steuerlich besser behandelt hätten, hätten sie sich wohl wirtschaftlich weniger schnell entwickelt.

Edward Prescott (USA, erhielt den Preis 2004 mit Finn Kydland für Beiträge zur dynamischen Makroökonomik.): Eine Regierung ist keine Person. Es ist eine kollektive Einheit. Die Welt wird immer lebenswerter, aber es gibt weiter großen Raum für Verbesserungen. Alle wirtschaftlich integrierten offenen Gesellschaften sind reich, und nur diese sind reich, abgesehen von ein paar Ländern mit großen Vorkommen an natürlichen Ressourcen.

Myron Scholes (USA, wurde 1997 mit Robert Merton für eine Methode zur Bewertung von Finanzderivaten ausgezeichnet.): Die Regierungen sollten die globalen Wettbewerbskräfte den Prozess bestimmen lassen und sich nicht einmischen.

Reinhard Selten (Deutschland. Erhielt 1994 als erster Deutscher den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.): Die Regierung kann unerwünschte Folgen der Globalisierung abmildern, aber sie ist nicht in der Lage, den Prozess zu steuern.

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