Treffen in Athen Troika zweifelt an Teilen des Sparpakets

In Athen wird es ernst: Die Vertreter der Troika zweifeln an einigen Punkten der griechischen Sparvorschläge. Der Weg sei noch lang, heißt es. Indes bleibt auch das Treffen der Regierung am Abend erneut ohne Einigung.
Update: 09.09.2012 - 23:02 Uhr 36 Kommentare
Sozialisten-Chef Venizelos schließt ein Scheitern der griechischen Koalition aus. Quelle: dapd

Sozialisten-Chef Venizelos schließt ein Scheitern der griechischen Koalition aus.

(Foto: dapd)

Athen/BerlinDie Troika der internationalen Gläubiger Griechenlands hat am Sonntagabend ihr Treffen mit dem griechischen Finanzminister Yannis Stournaras beendet. Es sei ein "gutes Treffen" gewesen, sagte der Troika-Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Däne Poul Thomsen. "Wir arbeiten Tag und Nacht", fügte der Deutsche Klaus Masuch, Chef der Delegation der Europäischen Zentralbank (EZB), hinzu. Aus griechischen Regierungskreisen verlautete, beide Seiten hätten "noch ein gutes Stück Weg" vor sich. Das Treffen sei von einer "allgemeinen Diskussion" geprägt gewesen.

Die Kontrolleure der internationalen Geldgeber Griechenlands haben noch Zweifel an einigen Punkten des mehr als 11,5 Milliarden Euro schweren Sparpakets der Regierung. Vor allem erwartete Einnahmen bei der Bekämpfung der Steuerhinterziehung würden von den Kontrolleuren als „nicht sicher eingestuft“, sagte ein enger Mitarbeiter von Finanzminister Ioannis Stournaras am Sonntagabend in Athen.

Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen des Finanzministeriums erfuhr, haben die griechischen Finanzexperten ein Bündel von Maßnahmen im Umfang von etwa 17 Milliarden Euro ausgearbeitet. Demnach ist die Summe mit Absicht größer als das angestrebte Sparpaket (11,5 bis 11,9 Milliarden Euro), falls die Troika einige Sparmaßnahmen als unglaubwürdig oder nicht sicher greifend ablehnt. Genau dies sei eingetreten, hieß es aus Verhandlungskreisen. Vorbehalte gab es offenbar unter anderem bei den Punkten zu Gehaltskürzungen im Öffentlichen Dienst, Ausgabenkürzungen im Sozial- und Gesundheitswesen und weiteren Rentenkürzungen.

"Griechen müssen zeigen, dass es ihnen ernst ist"

Die Troika-Delegation war am Freitag eingetroffen, um bis Anfang Oktober zu prüfen, ob Griechenland tatsächlich die nächste Hilfstranche in Höhe von 31,5 Milliarden Euro erhält. Ihr Bericht ist die Grundlage für eine Entscheidung über weitere Hilfen. Sollten die Prüfer zu einem negativen Ergebnis kommen, drohen die Gläubiger mit einer Einstellung der Zahlungen.

Die Details des Sparprogramms sollen allen Erwartungen nach bis Ende der Woche bekannt werden. Aus den bislang an die Presse durchgesickerten Eckpunkten sollen die Rentner und die Arbeitnehmer die Hauptlast des Sparprogramms tragen.

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36 Kommentare zu "Treffen in Athen: Troika gibt griechischem Sparpaket einen Korb"

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  • @Rettungswahnsinn,
    vieleicht hat Frau Merkel ein Krankheit von der wir noch nichts wissen und sie wird nicht mehr alzulange leben, deshalb ihr Ausspruch "solange ich lebe".

  • Die Troika ist doch nur Scheintheater. In Wirklichkeit hat Frau Merkel längst bschlossen, dass die Deutschen Griechenland auf ewig sponsern, und das ohne Forderungen (z.B. dass die Griechen endlich diesen blödsinnigen Namensstreit aufgeben etc.). Deutschland soll platt gemacht werden, da ist sich das gesamte Parlament einig. Jetzt mal was anderes: Was macht denn die EZB, wenn sie die Staatsanleihen von einem Land wie Griechenland aufkauft, das immer treuherzig von seinen Reformplänen berichtet, alles unterschreibt, aber nix tut? Ist die EZB dann wirklich bereit, dieses Land (endlich) fallenzu-lassen? Ich behaupte, dass die EZB das gar nicht entscheiden kann, weil sie ja sonst rekapitalisiert werden müßte, und da haben die betroffenen Länder ein Wörtchen mitzureden. Klartext: Wir haben keine unabhängige Zentralbank mehr, sondern kriegen die größte Bad Bank der Welt. Der Krug geht solange zum Brunnen...

  • Frau "Dr."Koch-Merin als Leumundszeugin zu bennen ist schon sehr gewagt. War ihre hervorragendste Leitung bisher nicht das betrügerische Erschleichen eines Doktortitels, oder gibt es noch etwas bemerkenswertes, dass mir entgangen ist? Wenn wir schon bereit sind 142 Jahre zurück zu gehen, um ein EU-Partnerland zu verteufeln, warum sind wir denn nicht bereit unsere eigene Verantwortung zu benennen, die längst nicht so weit zurück geht? Wir haben den Griechen schon in den ersten Monaten der Besatzung 40 Tonnen Silber gestohlen, und über die Jahre der Besatzung nicht nur sämtliche Industrieanlagen abgebaut und abtransportiert, sondern auch das gesamte Land über Jahre ausgeraubt. Am Ende haben wir noch ein Zwangsdarlehen in Höhe des gesamten Goldbestands der Griechischen Nationalbank aufgenommen. Reparationszahlungen haben wir bis heute nicht gezahlt und das Darlehen nebst Zinsen auch nicht. Hätten wir das getan, wäre Griechenland nicht in der jetzigen Situation, würden wir heute unsere Schulden tilgen, wäre Griechenland ebenfalls den größten Teil seiner Sorgen los. Ein wenig mehr Demut und ein bisschen weniger Arroganz wäre daher angebracht.

  • ja und wie die USA funktioniert, toll dort ala Normalbürger zu leben.

  • Hat denn einer wirklich geglaubt, dass die Strategie aufgehen könnte? Es ist doch schon seit Jahren deutlich, dass Rekonversion die einzige Chance ist, die Griechenland hat.
    Die Strategie der griechischen Politik geht momentan scheinbar nicht auf, da man hoffte, die Auflagen abmildern zu können mit Versprechen. Aber es kann auch alles Zirkus sein, um den Anschein zu erwecken, dass die Troika korrekt arbeitet.
    Vergessen wir nicht, dass die Troika nicht seit letzter Woche in Gr aktiv ist, sondern schon eine Zeitlang. Vor der Blockierung des ESM durch das BVerG hat man auch bei offensichtlicher Sachlage, dass wenig getan worden ist ausser den Rentnern die Rente zu kürzen, es also über Jahre versäumt die Probleme anzugehen, weiterhin Mrd. Richtung Griechenland geschickt. Somit sehe ich die Skepsis gegenüber den Reformplänen als eine sehr kurzfristige an. Oder die Skepsis ist wirklich, aber die EU zahlt trotzdem.

    Letztendlich wird man zahlen, wie Merkel das ja befürwortet, auch wenn man nicht die wirklichen Probleme angeht, die sich ja nicht bei den Rentenzahlungen befinden, da dies ja nur eine Manifestation eines grösseren, unterschwelligen Problems ist.

    Und was Merkel betrifft, so wird immer deutlicher, dass die Frau einen Meineid geleistet hat.

  • @helmut Rohe

    ... EU Absatzmarkt ....
    Die weitgehend kreditfinanzierte griechische Konsumblase fällt nicht gross ins Gewicht. Ist ja kein 100 Mio Einwohnerstaat, obwohl die wachsende Schuldenlast darauf hin deutet. Anstatt aus Israel Orangen zu importieren, muss man halt mal bei sich oder den Nahbarlaendern die Fühler austrecken.

    Die breit gefächerte griechische Oberschicht, beginnend bei Zollbeamten in Schlüsselpositionen/Grenzübergang, Steuereintreibern und gewissen politischen Beamten, wird auch zukuenftig Prestigeautomobiles erstehen.

    Es geht bei den nun vorzulegenden Sparpaket nicht um irgendwelche Supersparleistungen, sondern ganz einfach um die Gesetzesumsetzung.

    Hierzu sind unsere feisten "Mercedes/BMW etc-Freunde" nicht bereit. So einfach ist das Spiel.

    GR verfügt ebenso wie EU-Goldengel über keine glaubwuerdigen, effektive Controllingmechanismen.

    Noch ein mal für die ganz Begriffstutzigen: staatliche Finanzstrukturen, Zoll, Polizei, Justiz etc gehoeren mit zum "System". Eingebettet ebenso mächtige prveligierte Taschenvollgewerkschaften.

    GR ist nur zu verstehen, wenn sich der Betrachter/Kritiker von hiesigen Wertvorstellungen voellig loest.
    Politik und Mafia bilden in unterschiedlicher Ausrichtung eine omnipräsente mächtige kompakte Einheit.

    Weitere Defizitforderungen "GR Krisenpolitiker" kommen deshalb auf uns zu. Die muhende EU-Kuh , fett und tröge, steht zur unbegrenzten Nutzung bereit.

    "Trulla Merkel und Freunde" sind in ihrer Machtgier/Bauernschläue so weit von Griechenland un d seinem moralischen IST Zustand nicht entfernt. Es fehlen noch paar längere Schrittfolgen.

  • zu dumm sind Sie, weil Sie nicht begreifen, das Griechenland nie ein funktionierenter Absatzmarkt war.
    Es ist doch nicht damit getan, Waren aus Deutschland einzuführen, danach aber nicht zu bezahlen.
    Wo soll da ein Geschäft sein, die eingeführten Waren bezahlen die deutschen Steuerzahler. Geht Ihnen jetzt ein Licht auf?

  • Aufgrund der fehlenden Reformen und nicht erfolgten Strukturmassnahmen sind die toruistischen Produkte in Griechenland einfach zu teuer. Selbst für mittelmäßige Dienstleistungen werden "Höchskurse aufgerufen". Toppreise bitte nur für professionelle Topleistung! Daran hapert es leider.

  • Wenn ich lese: Vorbehalte gab es zu den Punkten Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst, dann kann man nur sagen: "Überall das gleiche". Sobald es bei den Staatsbediensteten ans eingemachte geht, wehrt ma sich mid Händen und Füßen.
    Das ist bei uns nicht anders. Von Kürzungen bei den überhöhten Bezügen unserer Beamten oder der Beamtenpension ist nie die Rede.

  • Erst wenn die Wirtschaft um 40% "geschrumpft" ist (also die fortwährende Schuldenaufnahme aus dem Kreislauf ist) und der griechische Kellner 4 EUR /h statt 8 EUR verdient, erst wenn den Griechen klar geworden ist, dass sie außer Oliven und Wein nicht viel zum Exportieren haben, erst dann wird Griechenland in der Realität angekommen sein. Und das wird nie passieren.

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