Treffen in Athen
Troika gibt griechischem Sparpaket einen Korb

In Athen wird es ernst: Die Vertreter der Troika zweifeln an einigen Punkten der griechischen Sparvorschläge. Der Weg sei noch lang, heißt es. Indes bleibt auch das Treffen der Regierung am Abend erneut ohne Einigung.
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Athen/BerlinDie Troika der internationalen Gläubiger Griechenlands hat am Sonntagabend ihr Treffen mit dem griechischen Finanzminister Yannis Stournaras beendet. Es sei ein "gutes Treffen" gewesen, sagte der Troika-Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Däne Poul Thomsen. "Wir arbeiten Tag und Nacht", fügte der Deutsche Klaus Masuch, Chef der Delegation der Europäischen Zentralbank (EZB), hinzu. Aus griechischen Regierungskreisen verlautete, beide Seiten hätten "noch ein gutes Stück Weg" vor sich. Das Treffen sei von einer "allgemeinen Diskussion" geprägt gewesen.

Die Kontrolleure der internationalen Geldgeber Griechenlands haben noch Zweifel an einigen Punkten des mehr als 11,5 Milliarden Euro schweren Sparpakets der Regierung. Vor allem erwartete Einnahmen bei der Bekämpfung der Steuerhinterziehung würden von den Kontrolleuren als „nicht sicher eingestuft“, sagte ein enger Mitarbeiter von Finanzminister Ioannis Stournaras am Sonntagabend in Athen.

Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen des Finanzministeriums erfuhr, haben die griechischen Finanzexperten ein Bündel von Maßnahmen im Umfang von etwa 17 Milliarden Euro ausgearbeitet. Demnach ist die Summe mit Absicht größer als das angestrebte Sparpaket (11,5 bis 11,9 Milliarden Euro), falls die Troika einige Sparmaßnahmen als unglaubwürdig oder nicht sicher greifend ablehnt. Genau dies sei eingetreten, hieß es aus Verhandlungskreisen. Vorbehalte gab es offenbar unter anderem bei den Punkten zu Gehaltskürzungen im Öffentlichen Dienst, Ausgabenkürzungen im Sozial- und Gesundheitswesen und weiteren Rentenkürzungen.

Die Troika-Delegation war am Freitag eingetroffen, um bis Anfang Oktober zu prüfen, ob Griechenland tatsächlich die nächste Hilfstranche in Höhe von 31,5 Milliarden Euro erhält. Ihr Bericht ist die Grundlage für eine Entscheidung über weitere Hilfen. Sollten die Prüfer zu einem negativen Ergebnis kommen, drohen die Gläubiger mit einer Einstellung der Zahlungen.

Die Details des Sparprogramms sollen allen Erwartungen nach bis Ende der Woche bekannt werden. Aus den bislang an die Presse durchgesickerten Eckpunkten sollen die Rentner und die Arbeitnehmer die Hauptlast des Sparprogramms tragen.

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„Wir haben nichts vereinbart“

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Kein drittes Hilfsprogramm

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  • @Rettungswahnsinn,
    vieleicht hat Frau Merkel ein Krankheit von der wir noch nichts wissen und sie wird nicht mehr alzulange leben, deshalb ihr Ausspruch "solange ich lebe".

  • Die Troika ist doch nur Scheintheater. In Wirklichkeit hat Frau Merkel längst bschlossen, dass die Deutschen Griechenland auf ewig sponsern, und das ohne Forderungen (z.B. dass die Griechen endlich diesen blödsinnigen Namensstreit aufgeben etc.). Deutschland soll platt gemacht werden, da ist sich das gesamte Parlament einig. Jetzt mal was anderes: Was macht denn die EZB, wenn sie die Staatsanleihen von einem Land wie Griechenland aufkauft, das immer treuherzig von seinen Reformplänen berichtet, alles unterschreibt, aber nix tut? Ist die EZB dann wirklich bereit, dieses Land (endlich) fallenzu-lassen? Ich behaupte, dass die EZB das gar nicht entscheiden kann, weil sie ja sonst rekapitalisiert werden müßte, und da haben die betroffenen Länder ein Wörtchen mitzureden. Klartext: Wir haben keine unabhängige Zentralbank mehr, sondern kriegen die größte Bad Bank der Welt. Der Krug geht solange zum Brunnen...

  • Frau "Dr."Koch-Merin als Leumundszeugin zu bennen ist schon sehr gewagt. War ihre hervorragendste Leitung bisher nicht das betrügerische Erschleichen eines Doktortitels, oder gibt es noch etwas bemerkenswertes, dass mir entgangen ist? Wenn wir schon bereit sind 142 Jahre zurück zu gehen, um ein EU-Partnerland zu verteufeln, warum sind wir denn nicht bereit unsere eigene Verantwortung zu benennen, die längst nicht so weit zurück geht? Wir haben den Griechen schon in den ersten Monaten der Besatzung 40 Tonnen Silber gestohlen, und über die Jahre der Besatzung nicht nur sämtliche Industrieanlagen abgebaut und abtransportiert, sondern auch das gesamte Land über Jahre ausgeraubt. Am Ende haben wir noch ein Zwangsdarlehen in Höhe des gesamten Goldbestands der Griechischen Nationalbank aufgenommen. Reparationszahlungen haben wir bis heute nicht gezahlt und das Darlehen nebst Zinsen auch nicht. Hätten wir das getan, wäre Griechenland nicht in der jetzigen Situation, würden wir heute unsere Schulden tilgen, wäre Griechenland ebenfalls den größten Teil seiner Sorgen los. Ein wenig mehr Demut und ein bisschen weniger Arroganz wäre daher angebracht.

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