Treffen in den USA
Bush wirft mit Putin Köder aus

US-Präsident George W. Bush hat seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin in seiner Sommerresidenz empfangen. Dort wollen beide ihre abgekühlten Beziehungen aufzuwärmen. Doch nicht alle sind von dem hohen Besuch begeistert.

HB KENNEBUNKPORT. Bush empfing Putin als ersten ausländischen Staatsgast auf der Sommerresidenz seiner Eltern in Kennebunkport im US-Bundesstaat Maine. Angesichts jüngster Spannungen und Irritationen zwischen Washington und Moskau suchen die Präsidenten beider Supermächte wieder nach einer Annäherung.

Die wichtigsten Streitpunkte sind die geplante Raketenabwehr für Mitteleuropa sowie die Unabhängigkeit der abtrünnigen serbischen Provinz Kosovo. Darüber hinaus sucht Bush die Unterstützung Putins für eine Verschärfung der internationalen Sanktionen gegen den Iran. Bereits im Vorfeld des Treffens haben sowohl das Weiße Haus als auch der Kreml vor allzu großen Erwartungen gewarnt.

Bush und Putin redeten im kleinen Kreis ohne Dolmetscher und ohne vorher festgelegte Tagesordnung. Nach einem Abendessen im Familienkreis wollten die beiden Präsidenten am Montagmorgen beim Frühstück ihren Dialog fortsetzen. Bush plant dabei gemeinsam mit seinem Vater, dem früheren US-Präsidenten George H.W. Bush, und Putin eine Angeltour auf dem Atlantik.

Sechs Jahre nach ihrer ersten Begegnung soll die aufgelockerte Atmosphäre helfen, die Talfahrt in den Beziehungen beider Länder zu stoppen. Putin erschien in Kennebunkport im Anzug, aber ohne Krawatte. Er überreichte der First Lady, Laura Bush, sowie Bushs Mutter Barbara große Blumensträuße.

Mit einem Durchbruch in den kritischen Fragen dürfte nicht zu rechnen sein. Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte jedoch, die beiden Politiker hätten im Sommerhaus der Bush-Familie "eine Reihe von Vereinbarungen getroffen". Nähere Angaben machte er nicht. Die Gespräche seien "konkret und mit Humor" geführt worden.

Vor der Ankunft Putins äußerte sich der US-Präsident erstmals öffentlich zu den terroristischen Vorgängen in Großbritannien. Bush begrüßte die schnelle Reaktion der neuen britischen Regierung. Die Ereignisse von London und Glasgow zeigten, dass der Krieg gegen Extremisten weiter gehe, sagte Bush. Man wisse nie genau, wo Terroristen als nächstes zuschlagen wollten.

Abseits von dem Treffen hatten am Samstag mehrere Hundert Irak-Kriegsgegner protestiert. Im Mittelpunkt der Proteste stand der Irak-Einsatz der USA, aber auch gegen die russische Tschetschenien-Politik gingen die Demonstranten auf die Straße. Auf einem Banner forderten die Protestierenden: "Stoppt den Imperialismus. Bush raus aus dem Irak. Putin raus aus Tschetschenien". Die Demonstranten trugen auch eine Nachbildung der Freiheitsstatue in einem Sarg, die verlorene Freiheiten unter der Bush-Regierung symbolisieren sollte.

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