Treffen in Istanbul
Syrische Opposition vereint sich

Im Kampf um die Rebellenstadt Rastan will die syrische Opposition nun geschlossen vorgehen. Bei ihrem Treffen in Istanbul fordern führende Oppositionsvertreter schnelle Unterstützung aus dem Ausland.
  • 0

IstanbulDie wichtigsten Oppositionsgruppen in Syrien haben sich nach dem massiven Panzereinsatz der Armee im Kampf um die Rebellenstadt Rastan zusammengeschlossen und das Ausland um Hilfe gebeten. Die Welt habe eine Verpflichtung, das syrische Volk zu schützen, hieß es in einem in Istanbul veröffentlichten Aufruf des kürzlich gegründeten Nationalrats. Die Erklärung der durch innere Auseinandersetzungen geschwächten Opposition gilt als wichtiges Signal der Einigkeit. Zuvor hatten die Gegner von Präsident Baschar al-Assad einen herben Rückschlag erlitten. Durch den Panzereinsatz brachte die Armee am Wochenende die umkämpfte Stadt Rastan wieder unter ihre Kontrolle. 

Bei den ersten schweren Kämpfen zwischen Soldaten und Deserteuren kamen Schätzungen der Aufständischen zufolge rund 130 Zivilisten und Rebellen ums Leben. Nach dem heftigen Beschuss durch Panzer und Maschinengewehre gaben die Regierungsgegner die Verteidigung der Stadt auf. 

Beim Treffen der Opposition in Istanbul traten weitere Assad-Gegner dem kürzlich gegründeten Nationalrat bei und stärkten so die Bewegung. Unter anderem schlossen sich die Muslimbruderschaft und der Höhere Syrische Revolutionsrat an. Alle Gruppen verlangen ein Ende der Herrschaft Assads und forderten ausländische Regierungen und Organisationen dazu auf, die Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen des Regimes zu stoppen. Allerdings lehnten die Oppositionellen eine Intervention ab, die die Souveränität Syriens einschränken würde. Nur wenige Beobachter rechnen ernsthaft damit, dass der Westen ähnlich wie in Libyen militärisch eingreift. 

Öffentliche Unterstützung erfuhr der Nationalrat bereits aus Frankreich. Allerdings fehlt die Anerkennung etwa der USA sowie des Nachbarlandes Türkei.

 Die ersten schweren Kämpfe zwischen Regierungstruppen und bewaffneten Deserteuren hatten bereits am Dienstag begonnen. Doch erst nach dem massiven Einsatz von Panzern und Hubschraubern gelang es dem Militär, die Rebellenstadt Rastan zurückzuerobern. Die Regierungsgegner wichen nach Darstellung eines Aktivisten zurück, um weitere Tote zu vermeiden. Weiteren Berichten von Assad-Gegnern zufolge nahm die Armee auch Krankenhäuser in Beschlag und funktionierte Schulen zu Gefangenenlager um. Nach Angaben des in London ansässigen Rami Abdel-Rahman von den Syrischen Beobachtern der Menschenrechte gingen die Streitkräfte mit 250 Panzern gegen Deserteure und andere Kämpfer vor.

Unterdessen bekundete der venezolanische Präsident Hugo Chavez seine Solidarität mit Assad und dem langjährigen libyschen Machthaber Muammar Gaddafi. „Wir senden von hier unsere Solidarität dem syrischen Volk und Präsident Baschar“, sagte Chavez in einer Fernsehansprache. Syrien widersetze sich zurzeit den Angriffen des „Yankee-Imperiums“ und seiner europäischen Verbündeten. 

Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge sind seit Beginn der Protestbewegung für mehr Demokratie in Syrien im März rund 2700 Menschen durch Assads Truppen ums Leben

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Treffen in Istanbul: Syrische Opposition vereint sich "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%