International

_

Treffen in Mexiko: G20 besorgt über Finanzlage der USA

In Mexiko tagen die Finanzminister und Notenbankchefs der G20-Industrie- und Wachstumsnationen. Der Mix aus drohenden Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen in den USA lässt den Rest der Welt unruhig werden.

OECD-Generalsekretär Jose Angel Gurria Trevino zeigte sich verhalten optimistisch, dass die USA eine Lösung für das Problem der „Fiskalklippe“ finden. Quelle: dpa
OECD-Generalsekretär Jose Angel Gurria Trevino zeigte sich verhalten optimistisch, dass die USA eine Lösung für das Problem der „Fiskalklippe“ finden. Quelle: dpa

MexikoNeben der europäischen Schuldenkrise sorgen die US-Haushaltsprobleme für zunehmende Sorgen unter den großen Wirtschaftsnationen. Der australische Finanzminister Wayne Swan rief die Vereinigten Staaten zu raschem Handeln auf. In einem Reuters-Interview am Rande des Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) am Sonntag in Mexiko-Stadt forderte er, das Problem der sogenannten "Fiskalklippe" entschlossen anzugehen. Wenn sich der zerstrittene US-Kongress nicht bald nach der Präsidentenwahl am Dienstag auf eine Anhebung der Verschuldungsobergrenze einigt, drohen zum Jahreswechsel Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen im Umfang von 600 Milliarden Dollar. Das könnte das US- und damit auch das globale Wirtschaftswachstum in die Knie zwingen.

Anzeige

Ein G20-Vertreter sagte, die Europäer drängten die USA, "über die Fiskalklippe informiert zu werden und über die Ideen, die man dort hat, um mit diesem Problem umzugehen". Er ergänzte: "Die Amerikaner selbst räumen ein, dass das ein Problem ist." Der Internationale Währungsfonds (IWF) verlangt von der Regierung in Washington seit längerem eine glaubwürdige Mittelfriststrategie, wie sie ihre Schuldenprobleme in den Griff bekommen will. Die USA marschieren inzwischen auf eine Verschuldung in ähnlicher Dimension wie die Italiens - rund 120 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung - zu.

US-Konjunktur

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann betonte, nicht nur die Schuldenkrise im Euro-Raum dämpfe das weltweite Wachstum, auch die US-Haushaltsprobleme und die hohe japanische Verschuldung stellten große Risiken dar. "Die fiskalische Klippe zeigt bereits jetzt Auswirkungen auf die US-Konjunktur", mahnte er. Sie erschwere bereits Investitionsentscheidungen. Dennoch unterstrich er, es gebe keinen Grund für Schwarzmalerei.

Im Entwurf einer Abschlusserklärung für das an diesem Montag zu Ende gehende G20-Treffen ist von einem nur schwachen Wachstum in der Welt die Rede. Wie Reuters aus Teilnehmerkreisen weiter erfuhr, wird zugleich von erhöhten Risiken gesprochen. Außer vor der "Fiskalklippe" wird vor einer zu zögerlichen Umsetzung der Antikrisenmaßnahmen in Europa gewarnt.

Special USA 2012 Amerikas Wahl

Der Countdown zur Präsidentschaftswahl am 6. November in den USA läuft. Das Handelsblatt Online Special bietet aktuelle Analysen, Reportagen, Blogs, Twitter-Nachrichten und Infografiken zum Rennen um das Weiße Haus.

Einige Finanzminister wollten für die Industrieländer einen mittelfristigen Schuldenabbau mit verbindlichen Zielen festklopfen. Es gibt aber auch Länder, die aus Rücksicht auf das Wachstum vor einem zu scharfem Sparkurs warnen. Dies wurde am Wochenende in vorbereitenden Gesprächen deutlich. Die auf dem G20-Gipfel in Toronto 2010 gemachten Zusagen, die Haushaltsdefizite bis zum Jahr 2013 zu halbieren, werden wichtige G20-Länder wie die USA und Japan kaum einlösen können. Dennoch strebt Deutschland eine Anschlussregelung zu den Vereinbarungen von Toronto an. Auch Kanadas Finanzminister Jim Flaherty forderte die G20-Länder auf, ihre Zusagen einzuhalten. Sonst drohe die Staatengruppe zu einem "Papiertiger" zu verkommen, warnte er. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte kürzlich in einem Reuters-Interview gewarnt, auf Schuldenbergen lasse sich kein nachhaltiges Wachstum aufbauen.

Die Regierungen in den USA und auch Europa dürften bei dem Treffen von ihren G20-Partnern unter Druck gesetzt werden, die schärferen Eigenkapitalanforderungen für Banken nach dem sogenannten Basel-III-Abkommen gemäß dem vereinbarten Zeitplan umzusetzen, der einen Beginn bereits ab 2013 vorsieht. Schäuble hatte vor seiner Abreise erklärt, er rechne nicht mit Verzögerungen.

 

  • 05.11.2012, 08:27 Uhrnetshadow

    Die USA werden ihre Verschuldung wohl kaum zurück fahren können, genauso wie Japan.
    Es ist einfach ein psychologisches Meisterstück Europa als Verursacher auszumachen, während man selbst in Anleihen badet, und das noch nicht mal in den Eigenen.
    Da kann man eigentlich nur noch die Daumen drücken, das nicht irgendwann das Papier für die Dollarscheine ausgeht, so wie damals in Argentinien.
    Statt die Zinsen für die Staatsanleihen mit echten Investitionen zu generieren, läßt man fast 90 Billionen Dollar durch eine Finanzblase wabbern, die nichts anderes zu tun hat, als diese Billionen von der linken in die rechte Tasche wandern zu lassen.
    Während sich Europa derartig beschränkt, das kein neuer Arbeitsplatz entstehen kann, werden andere die Scheine von einer Schatulle in die andere, und wundern sich wo der echte Mehrwert bleibt.
    Vielleicht war Sandy da "nur" ein Wettervorbote für ganz andere Stürme auf dem Erdball.

  • Die aktuellen Top-Themen
Drohende Staatspleite: Möglicher Ausweg für Argentinien

Möglicher Ausweg für Argentinien

Argentinien kämpft darum, die drohende Zahlungsunfähigkeit noch zu verhindern. Eine Gläubiger-Gruppe soll einem Medienbericht zufolge jetzt auf die sogenannte Rufo-Klausel verwiesen haben. Rettung in letzter Minute?

MH-17 Absturz: Internationales Ermittlungsteam geplant

Internationales Ermittlungsteam geplant

Die Aufklärung des Passagierflugzeug-Absturzes wird auf breite Füße gestellt: Die Ukraine einigte sich mit elf Ländern, ein internationales Expertenteam zu bilden. Auch Interpol und Europol sind dabei.

Absturz in der Ukraine: Flugschreiber deutet auf Raketentreffer

Flugschreiber deutet auf Raketentreffer

Ukrainischen Behörden zufolge sprechen erste Daten des Flugschreibers der abgestürzten Boeing MH-17 für einen Abschuss durch eine Rakete. Die Rede ist von explosionsartigem Druckabfall nach einem Einschlag.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International