Treffen in Moskau
Putin stellt Tsipras Millionen in Aussicht

Wladimir Putin und Alexis Tsipras wollen enger zusammenarbeiten: Russische Millionen könnten bald in griechische Infrastruktur fließen. Am Importstopp für EU-Lebensmittel will der Kreml-Chef indes nicht rütteln.
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MoskauRussland will dem krisengeplagten Griechenland mit Millionen-Investitionen und eventuell Hunderten Millionen für einen künftigen Gastransit unter die Arme greifen. Kremlchef Wladimir Putin bot zudem am Mittwoch dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras eine Wiederbelebung der Handelsbeziehungen an.

Beide Länder sollten das frühere Wachstumstempo wiederherstellen, appellierte er bei einem Treffen in Moskau. Putin stellte Athen Kredite für Infrastrukturprojekte in Aussicht. Zwar habe Athen keine Hilfe beantragt, doch seien Kredite für konkrete Vorhaben möglich. Beide unterzeichneten einen gemeinsamen Aktionsplan für 2015/2016.

Putin warb eindringlich für die geplante russische Pipeline Turkish Stream durch das Schwarze Meer in die Türkei. Griechenland könne zum „geopolitischen Akteur“ und zum wichtigsten Gastransitland in der EU werden, falls sich das Land dem Projekt anschließe. Putin stellte Hunderte Millionen Euro an Einnahmen aus dem Gastransit in Aussicht. Das Projekt könnte nach Schätzungen frühestens 2018 fertig sein.

Trotz der möglichen Millionenstütze will Putin weiter keine Lebensmittel aus der Europäischen Union einführen. Russland hatte den Importstopp als Reaktion auf die EU-Sanktionen verhängt; für die Griechen ist er besonders schmerzhaft. Im Vorfeld des Treffens war spekuliert worden, dass Russland das Embargo lockern könnte. Der russische Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew hatte sich in die Richtung geäußert.

Putin zufolge brach der Handel zwischen Russland und Griechenland im vergangenen Jahr wegen der Sanktionen um 40 Prozent ein im Vergleich zu 2013. Dennoch lehnte Putin eine Sonderbehandlung Griechenlands ab. „Wir können nicht für ein EU-Land eine Ausnahme machen.“ Putin sprach sich aber für Gemeinschaftsunternehmen aus. „Wenn wir diesen Weg gehen, werden wir unseren Agrarproduzenten nicht schaden, denn sie werden in den Prozess einbezogen“, meinte er.

EU-Politiker hatten die Reise des griechischen Premiers nach Moskau im Vorfeld kritisiert. Sie fürchteten, Tsipras könne die EU-Linie gegenüber Russland verletzen. Umso erleichterter zeigten sich Parlamentarier, allen voran EU-Ratspräsident Martin Schulz (SPD), dass dies so nicht geschah. Im ZDF-„heute-journal“ sagte Schulz, es beruhige ihn, dass Tsipras die EU-Linie nicht verlassen habe. Tsipras müsse schließlich zwei Öffentlichkeiten bedienen: die in seinem eigenen Land, und die in der EU.

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  • Während Tsipras bei Putin weilt und alle Eurokraten nervös sind, sitzt Martin Schultz
    bei den Kalifen von Ankara Erdogan und kein Wort fällt über Menschenrechte,Internetsperrungen, Folter, Gefängnis für Reporter, Korruption
    etc.

    Dafür atmet Martin Schulz in der Türkei durch , weil Tsipras die Europäische Linie nicht verlassen hat.

    Da freuen sich Erdogan und Schulz die beiden Vollblutdemokraten!

  • Das Problem ist Deutschland und nicht Griechenland. -
    Seit mehr als 20 Jahren weist die deutsche Leistungsbilanz einen Überschuss von circa 16 MILLIARDEN im MONAT, in 2014 waren es sogar 220 Milliarden. Dieser Überschuss stammt überwiegend aus den EU-Krisenländern und hat deren Überschuldung mitverschuldet. (z.Bsp. Rüstungsexporte nach Griechenland, das 5. größter Waffenimporteur der Welt vor der Krise war)
    Die Gewinne die deutsche Konzerne in diesen Ländern erzielen werden aber nicht in diesen Ländern reinvestiert, was einer Kapitalflucht gleichkommt. Diese Kapitalflucht ist auch für die hohe Arbeitslosigkeit und Haushaltsdefizite durch mangelnde Einnahmen und hohe Sozialausgaben in den Krisenländern verantwortlich.
    Deutschland, durch sein Verhalten, verschiebt das finanz- und politische Zentrum Europas nach Norden und wird selbst zum Mittelpunkt Europas.
    Eine Art Neokolonialismus entsteht und die Peripherieländer werden dadurch zu Bananenrepubliken (Griechenland, Portugal und u.v.m.) degradiert.
    Das war, hoffe ich, nicht im Sinne der Erfinder der EU.
    Eine Änderung der Europäische Verträge, mit dem Ziel einer Wirtschaftskonvergenz zu erreichen, scheint mir unabdingbar.

  • Griechenland spricht laufend von Reparationen
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    Wann zahlt Griechenland Reparationen an Troja, Babylon, Ägypten, Indien, Rom, etc.
    Da wären dann Billionen oder Billiarden fällig!

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