Treffen in St.Petersburg
Geben Schröder und Bush sich die Hand?

Es soll mehr werden als ein Händedruck, versicherte ein Sprecher der Bundesregierung. Doch zu einem Gespräch der beiden Staatsmänner reicht es noch nicht. Die harten Gegensätze in der Irak- Politik und der im Zeichen der Kriegsgegnerschaft geführte rot-grüne Bundestagswahlkampf haben die Vertrauensbasis zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und US-Präsident George W. Bush zerstört.

HB/dpa BERLIN. Erstmals seit dem NATO-Gipfel in Prag vor einem halben Jahr werden sich der Kanzler und der US-Präsident zur 300-Jahr-Feier in St. Petersburg wiedersehen. Der russische Präsident Wladimir Putin will mit Dutzenden Staats- und Regierungschefs - Kriegsgegnern und - befürwortern - gemeinsam den Geburtstag seiner Heimatstadt an der Newa feiern.

Putins Duz-Freund Schröder ist dabei im Dauerstress. Nicht nur weil der Kanzler erstmals seit dem Irak-Krieg, den er zusammen mit Putin und Frankreichs Präsident Jacques Chirac so laut abgelehnt hat, Bush wieder persönlich begegnet. Schon am späten Samstagabend (31. Mai) eilt SPD-Chef Schröder zurück nach Berlin, wo ihm am Sonntag (1.Juni) ein heikler Sonderparteitag bevorsteht. Dort muss er seine Partei auf schmerzhafte Reformen in Deutschland angesichts der düsteren Konjunkturlage, dramatischer Steuerausfälle und schrumpfender Wirtschaft einschwören.

Direkt im Anschluss an den Parteitag fliegt Schröder noch am Sonntagnachmittag weiter in das französische Evian zum Auftakt des Gipfels der führenden Industrienationen (G 8). Sollten sich Schröder und Bush in Petersburg nicht näher gekommen sein, so haben sie dann in Evian eine zweite Chance.

Die erste Chance zur Begegnung bietet sich am 30. Mai, wenn sich die von Putin geladenen Staats- und Regierungschefs frühabends am berühmten Reiterstandbild Peters des Großen am Ufer der Newa einfinden. Von dort startet die von Putin organisierte Stadttour, die beim Diner auf einem Kreuzfahrtschiff endet.

Wie in Prag Ende November wird der Händedruck zwischen Bush und dem Kanzler erwartet. Auf einen Neuanfang zwischen den USA und Deutschland hatte man schon nach dem damaligen Handschlag gehofft. Doch die Verletzungen aus dem Bundestagswahlkampf im vergangenen Sommer, als Schröder Bush vor Abenteuern im Irak warnte und die damalige Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) mit einem Hitler-Vergleich noch mehr Porzellan zerschlug, scheinen tief bei Bush zu sitzen.

Auch der Besuch von US-Außenminister Colin Powell in Berlin hat nicht gerade Hoffnungen auf Tauwetter in der Beziehung Schröder-Bush gemacht. Frostig schien die Begegnung zwischen Powell und dem Kanzler. Powell dämpfte auch zu hohe Erwartungen an ein Treffen Bushs mit Schröder. Beim G-8-Gipfel in Evian sei nicht viel Zeit für bilaterale Gespräche, so lautete die diplomatische Umschreibung dafür, dass die Zeit für ein Gespräch Beider wohl noch nicht reif ist.

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