Treffen in Washington
Bush mahnt Europäer, Merkel mahnt Bush

US-Präsident George W. Bush will beim Treffen mit Angela Merkel am Freitag dafür werben, dass die Europäer ihre Energieabhängigkeit von Russland verringern. Die Bundeskanzlerin plagt derzeit aber eine ganz andere Sorge: Guantanamo.

WASHINGTON/BERLIN. „In Amerika und in Europa ist man besorgt, dass Russland auch in Zukunft Gaslieferungen als politische Waffe benutzen könnte“, sagte ein hochrangiger US-Regierungsbeamter dem Handelsblatt. Die vom Kreml verhängte zeitweilige Gassperre gegenüber der Ukraine habe die Sensibilität in den USA für dieses Thema erhöht.

Deshalb will die US-Administration jetzt an die Europäer appellieren, ihre Energieimporte stärker zu diversifizieren. „Es muss beispielsweise darüber nachgedacht werden, ob man künftig nicht besser auf Öl-Pipelines außerhalb von Russland setzt, etwa in Zentralasien“, sagte der Regierungsbeamte.

Insgesamt hat die US-Regierung hohe Erwartungen an Merkels ersten Washington-Besuch als Bundeskanzlerin. „Wir hoffen, dass Bush und Merkel eine tragfähige Beziehung aufbauen können“, heißt es in der Administration. Die Amerikaner verweisen darauf, dass Präsident Bush nach dem transatlantischen Zerwürfnis über den Irak-Krieg daran interessiert sei, ein „Vertrauensverhältnis“ zu Merkel zu entwickeln. Bei ihrer letzten Visite in der US-Hauptstadt im Februar 2003 habe die damalige Oppositionschefin einen „hervorragenden Eindruck“ hinterlassen.

Nach dem Willen der Washingtoner Regierung soll auch der Konflikt um die iranische Atompolitik ein wichtiges Thema des Gipfeltreffens sein. Nach der Wiederaufnahme der Atomforschung durch Teheran gehe es nun um eine mögliche Einschaltung des Uno-Sicherheitsrats. Darüber hinaus wollen die Amerikaner auch über die politische Stabilität des iranischen Regimes reden. „Die jüngsten israelfeindlichen Äußerungen von Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad geben Anlass zu großer Sorge“, sagte der US-Regierungsbeamte.

Merkel trifft am Freitag mehrere Stunden mit US-Präsident George W. Bush zusammen. „Da es sich um ein intensives Kennenlerngespräch handelt, soll eine möglichste breite Gesprächspalette erörtert werden“, hieß es in Regierungskreisen in Berlin. In welcher Form strittige Themen wie etwa amerikanische Menschenrechtsverletzungen im internationalen Antiterrorkampf eine Rolle spielen werden, blieb am Mittwoch noch offen.

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