Treffen
Israel bestätigt Atomwaffen-Gespräche mit Iran

Erstmals seit 30 Jahren haben Israel und Iran bei Gesprächen über die Verbreitung von Atomwaffen in der Region zusammengesessen. Teheran bezeichnete die Berichte als „reine Lügen“.

HB TEL AVIV. Eine Sprecherin der israelischen Kommission für Atomenergie bestätigte, eine Vertreterin Israels und ein iranischer Repräsentant hätten im September in Kairo an einer entsprechenden Tagung teilgenommen. Die Zeitung Haaretz veröffentlichte Fotos, auch Kairo bestätigte das Treffen.

Dieses Treffen steht in keinem Zusammenhang mit den laufenden Atom-Gesprächen in Wien. Dabei geht es um das Projekt, schwach angereichertes Uran aus Iran im Ausland zu Brennstäben verarbeiten zu lassen. Die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hatte Iran, den USA, Russland und Frankreich am Mittwoch einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet, worüber bis zum Freitag entschieden werden soll. Äußerungen einflussreicher Politiker in Teheran nährten jedoch neue Zweifel, ob Iran sich darauf einlassen will.

Das Treffen in Kairo wäre das erste Mal seit der Islamischen Revolution in Iran 1979, dass Repräsentanten Irans und Israels gemeinsam an einem solchen Treffen teilnehmen. Die Sprecherin der israelischen Atombehörde, Jael Doron, betonte jedoch, es habe keinen Dialog zwischen den beiden Vertretern gegeben. Die Konferenz sei von der Internationalen Kommission für atomare Nichtverbreitung und Abrüstung (ICNND) unter australischer Schirmherrschaft organisiert worden. Laut „Haaretz“ nahmen auch Repräsentanten der Arabischen Liga, Jordaniens, Ägyptens, der Türkei sowie europäische und US-Vertreter teil. Die israelische Vertreterin Meirav Zafary-Odiz und der iranische Botschafter bei der IAEA, Ali Asghar Soltanieh, hätten sich am 29. und 30. September gemeinsam mit den anderen Repräsentanten mehrmals getroffen.

Bei den Debatten am runden Tisch sei es um die Möglichkeit gegangen, den Nahen Osten zur atomwaffenfreien Zone zu erklären und die Verbreitung von Atomwaffen zu verhindernden. Nach Informationen von „Haaretz“ kam es während der Versammlung mehrmals zum direkten Austausch zwischen dem iranischen Repräsentanten und der Israelin. Im Verlauf der Debatte habe Soltanieh sie etwa gefragt: „Haben Sie nun Atomwaffen oder nicht?“ In Einklang mit der israelischen Politik der Zweideutigkeit habe sie jedoch nicht geantwortet, sondern nur gelächelt.

Anschließend habe Zafary-Odiz die israelische Linie erläutert, wonach ihre Regierung im Anschluss an eine umfassende regionale Friedens- und Sicherheitsregelung grundsätzlich zu einem Dialog über eine nukleare Abrüstung des Nahen Ostens bereit wäre. Israel lebe in einer komplexen geopolitischen Umgebung und müsse auf seine Sicherheit bedacht sein. Der iranische Repräsentant habe versichert, sein Land strebe nicht nach atomaren Aufrüstung und bedrohe Israel auch nicht.

Die militärische Führung in Teheran hatte mehrfach mit einem Raketenangriff auf den jüdischen Staat für den Fall gedroht, dass die iranischen Atomanlagen von Israel angegriffen würden. Israel hat den Besitz von Atomwaffen nie offiziell zugegeben und stets betont, es werde nicht als erstes Land Nuklearwaffen in die Region „einführen“. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass Israel über mehrere hundert atomare Sprengköpfe verfügt.

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