Treffen mit Aschraf Ghani
Obama erwägt langsameren Truppenabzug aus Afghanistan

Während seines Besuches in den USA hat sich Afghanistans Präsident Aschraf Ghani dankbar gezeigt für den Einsatz und die Opfer der amerikanischen Armee. Er und Obama werden am Dienstag über den Truppenabzug sprechen.
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WashingtonDer afghanische Präsident Aschraf Ghani hat der US-Armee bei einem Besuch in den Vereinigten Staaten für die im Rahmen des internationalen Militäreinsatzes am Hindukusch erbrachten Opfer gedankt. Bei einer Zeremonie im Pentagon sagte Ghani am Montag, Afghanistan sei „dankbar“ für die US-Bemühungen, „uns Frieden und Hoffnung zu bringen“. Afghanistan werde den USA nicht weiter „zur Last fallen“ und „sein Haus in Ordnung bringen“, versprach er.

Ghani zog sich anschließend mit US-Außenminister John Kerry und anderen US-Vertretern zu Gesprächen nach Camp David zurück, dem Landsitz von US-Präsident Barack Obama im Bundesstaat Maryland.

Im Anschluß an das Treffen sagte US-Außenminister John Kerry, dass US-Präsident Barack Obama darüber nachdenke, die restlichen US-Truppen langsamer als bislang geplant aus Afghanistan abzuziehen. Obama will am Dienstag bei einem Treffen mit Ghani und dessen Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah im Weißen Haus über dieses Thema sprechen. Die afghanische Führung hatte um mehr Flexibilität beim Tempo des Abzugs gebeten. Ghani sagte nach Gesprächen mit US-Vertretern in Camp David, die Entscheidung liege bei Obama. Am Mittwoch ist eine Rede von Ghani vor dem US-Kongress geplant.

Derzeit sind noch gut 10 000 US-Soldaten dort stationiert. Gut die Hälfte soll nach den bisherigen Plänen bis Ende 2015 zurückkehren, der Rest bis kurz vor dem Ende von Obamas Amtszeit 2017. Nur eine rund 1000 Mann starke Schutztruppe für die US-Botschaft soll bleiben.

Ein verlangsamter Abzug der US-Soldaten aus Afghanistan könnte auch für die Bundeswehr Konsequenzen haben, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Martin Schäfer, am Montag in Berlin. Der Fahrplan für den Abzug werde an die Lage vor Ort angepasst, betonte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums.

Zum Jahreswechsel war der Nato-geführte Isaf-Kampfeinsatz in Afghanistan nach 13 Jahren zu Ende gegangen. An der Folgemission „Resolute Support“ zur Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte durch Ausbildung und Beratung sind etwa 12.000 Soldaten aus 40 Staaten beteiligt, darunter bis zu 850 Bundeswehrsoldaten. Für die Sicherheit im Land sind die Afghanen selbst verantwortlich, US-Spezialkräfte können allerdings weiter gegen Al-Kaida-Mitglieder vorgehen. Obama will die letzten US-Soldaten bis zum Ende seiner Amtszeit Anfang 2017 heimholen.

Aus afghanischen Regierungskreisen hieß es, dass sich Ghani in Washington vor allem um langfristige finanzielle Zusagen bemühen wolle. Bislang sind die Hilfen den Angaben zufolge bis 2017 gesichert, die Regierung in Kabul will aber schon jetzt die Mittel für fünf weitere Jahre festklopfen.

Der ehemalige Weltbank-Ökonom Ghani war im September auf Hamid Karsai gefolgt, der seit dem Sturz der Taliban 2001 afghanischer Präsident war. Das Verhältnis zwischen Karsai und den USA war zuletzt stark angespannt.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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