Treffen mit den Russen
USA drücken in Syrienfrage auf die Tube

Nach einem geplatzten Treffen des Uno-Sicherheitsrats setzen die USA Gespräche mit dem russischen Außenminister an. Syrischen Rebellen liefern sie offenbar Waffen. Doch im eigenen Land bröckelt der Rückhalt.
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Washington/LondonDie US-Regierung drückt in der Syrien-Krise aufs Tempo. Man werde zwar einen konkreten Vorschlag zur internationalen Kontrolle über Syriens Chemiewaffen abwarten, sagte US-Außenminister John Kerry am Dienstag. "Aber wir werden nicht lange warten."

Unterdessen stecken die Bemühungen um eine diplomatische Lösung des Streits um die syrischen Chemiewaffen in einer Sackgasse: Russland hat am Dienstagabend überraschend eine selbst beantragte Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrats wieder abgesagt und damit die Abstimmung über einen französischen Resolutionsentwurf verhindert. Nun wollen die Außenminister Russlands und der USA am Donnerstag in Genf verhandeln.

Wie die AP aus Ministerienkreisen in Washington erfuhr, sollen Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow am Donnerstag in Genf versuchen, sich auf eine Syrien Resolution zu einigen, die dem Uno-Sicherheitsrat vorgelegt werden soll.

Kerry und Lawrow hatten sich am Dienstag bereits telefonisch ausgetauscht. Der US-Außenminister erklärte anschließend, dass Russland den USA noch im Laufe des Tages Einzelheiten zu seinem Syrien-Plan vorlegen wolle. Kerry bestand darauf, dass Damaskus "Konsequenzen" angedroht werden müssten für den Fall, dass die noch zu treffenden Vereinbarungen nicht eingehalten werden.

In einem vom sozialen Netzwerk Google+ organisierten Online-Forum sagte der US-Außenminister, dass Lawrow "einige interessante Beobachtungen" über die mögliche "Sicherung" der syrischen Chemiewaffen gemacht habe. "Er wird sie uns zusenden. Sie werden im Laufe des Tages eintreffen. Wir werden die Möglichkeit haben, sie zu prüfen", sagte Kerry. Die internationale Kontrolle der Waffen hielte er für eine "bedeutende Errungenschaft".

Kerry betonte allerdings, dass der Vorschlag einen "laufenden Überprüfungsprozess" beinhalten müsse, der internationalen Beobachtern vollen Zugang zu den Chemiewaffenanlagen gewähre. "Das darf kein Spiel sein. Und wir müssen das den Russen sehr deutlich machen", sagte Kerry.

Syrien kündigte zuvor an, es wolle der internationalen Chemiewaffenkonvention beitreten und seine Waffenbestände komplett offenlegen. Doch die USA bleiben zurückhaltend. Auch westliche Staaten wie Großbritannien und Frankreich begrüßten zwar die Chance auf eine diplomatische Lösung der Krise. Sie verlangten jedoch konkrete Schritte. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, es sei wichtig, dass Syrien "sehr, sehr schnell" seinen Betritt zur Chemiewaffen-Konvention ankündige und seine Bereitschaft zeige, diese Waffen auch zu vernichten.

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  • man schaue sich mal die demokratische syrische Opposition auf einer Dokumentation des russischen Fernsehens an:

    https://www.youtube.com/watch?v=aZJFeKaLfXo

  • Das Theater der USA um Chemiewaffen ist nichts weiter als Propaganda - die Gasangriffe Saddam Husseins haben nicht weiter gestört, solange dieser im Auftrag der USA einen Krieg gegen den Iran geführt hat.

    Sowohl Irak wie auch Syrien stehen auf der Liste derjenigen Länder, die die USA ihrer Kontrolle unterwerfen wollen um Rußland einzukreisen und letzlich ihrer Kontrolle zu unterwerfen als vorletzen Schritt zur Weltherrschaft.

    Und in beiden Fällen wurden/werden Vorwände für einen Angriffskrieg gefälscht.

    Dehumanisierung des Gegners durch Dämonisierung ist schon immer ein wichtiger Bestandteil westlicher Kriegspropaganda gewesen.

    Damit enthemmt man die eigene Bevölkerung und die eigenen Truppen, damit diese die dann mitleidslos Bomben auf Nazi-Frauen und Nazi-Kinder regnen lassen.

    Der bevorstehende erste Schlag gilt nur der moralischen Abstumpfung der eigenen Bevölkerung - dafür mußte der Giftgaseinsatz her.

    Dann geht's weiter - erst Syrien, dann Iran.

    Das Ziel der USA ist nach wie vor den Nahen Osten zu kontrollieren - wegen seiner Ölvorkommen und wegen seiner geostrategischen Relevanz.

    Die Planung des Pentagon 2001 sah die Erlangung von Kontrolle über Irak, Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan und Iran innerhalb von 5 Jahren vor, erklärte US-General Wesley Clark 'Democracy Now':

    http://www.youtube.com/watch?v=r8FhZnFZ6TY

    Offensichtlich mußten - nicht zuletzt dank der improvisierten Explosionskörper im Irak - Zeitplan und Zugfolge seitdem geändert werden.

    Aber immer noch ist das geostrategische Ziel der USA die Einkreisung und eventuelle Kontrolle Rußlands.

    Island-Hopping auf dem Festland.

    ...

    DESHALB hat man über Saudiarabien und Irak (dort vermutlich an der Regierung vorbei) die Destabilisierungs- und Terrorkampagne in Syrien gestartet.

    Nachdem die nicht mehr wie gewünscht läuft, müssen jetzt andere Mittel eingesetzt werden.

  • 'Analytiker' meint
    ----------------------
    Bevor Deutsche durch Russen in Berlin umgepolt und neugezüchtet wurden
    ----------------------

    Mich deucht eher, Sie sind umgepolt und neugezüchtet worden.

    Und zwar nicht von Russen, sondern von Fachpersonal.

    Und nicht in Berlin, sondern in einem maison de fous.

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