Treffen vor Prachtkulisse
Schröder und Zapatero proben den Schulterschluss

Zusammen betraten José Luis Rodriguez Zapatero und Gerhard Schröder den Monumentalbau San Marcos mit seiner imposanten Fassade und einer tausendjährigen Vorgeschichte. Das ehemalige Kloster und Pilgerhospiz, heute ein Luxushotel, war Schauplatz für das erste deutsch-spanische Regierungstreffen in neuer Formation.

HB LEON. Im März hatte der Sozialist seinen konservativen Vorgänger José Maria Aznar als Regierungschef abgelöst, dem der Kanzler in tiefer Abneigung verbunden war. Als besondere Aufmerksamkeit hatte Zapatero Schröder zum ersten offiziellen Treffen in seine Heimatstadt im Nordwesten des Landes gebeten. In León, der alten Hauptstadt des gleichnamigen früheren Königreichs, die für Pilger des berühmten Jakobswegs eine der letzten Stationen vor dem Ziel Santiago de Compostela war, ist Zapatero aufgewachsen. Dort hat er studiert und politische Karriere gemacht. Dort wurde auch sein Großvater im Bürgerkrieg von Franco- Truppen 1936 umgebracht.

Wie alte Bekannte gehen beide Regierungschefs inzwischen miteinander um. Das Eis ist schon lange gebrochen. Zapatero und Schröder haben die gleiche Chemie, hieß es bereits nach ihren ersten Zusammenkünften. Gemeinsamkeiten sind unverkennbar. Beide sind Juristen und zeigen dies auch gelegentlich gerne. Mit der gleichen Energie wie Schröder ging auch sein spanischer Amtskollege gegen Papparazzi-Methoden vor, als ein spanisches Magazin Fotos seiner minderjährigen Töchter veröffentlichen wollte.

Schröder hält Zapatero für vielversprechend

Schröder (60) hält den 14 Jahre jüngeren Zapatero für einen der vielversprechendsten neuen Sterne am Firmament der europäischen Sozialdemokratie. Ihm hat imponiert, wie Zapatero innerhalb von acht Monaten den spanischen Rückzug aus dem Irak und die volle Rückkehr nach Europa vollzogen und daneben noch Spanien mit einer Reihe von gewagten Reformen umgekrempelt hat. Den Preis für das abgekühlte Verhältnis zu Washington muss der Regierungschef derzeit bezahlen. Nicht mehr Schröder oder Jacques Chirac, sondern der spanische Kollege gilt derzeit im Weißen Haus als „besonderer Buh-Mann“ in Europa.

Einiges spricht dafür, dass der politische Kuschelkurs der neuen Riege in Madrid gegenüber der übrigen EU aber allmählich dem Ende zugeht. Die Mahnungen auch im eigenen Land häufen sich, Zapatero sei zu sehr zu Kompromissen bereit. Schröder und Chirac binden inzwischen den spanischen Kollegen bei fast allen Initiativen eng ein, was dem Neuling auf der Europabühne sichtlich gefällt. Doch was diese neuen Bande tatsächlich wert sind, muss sich erst bei den bereits voll im Gange befindlichen Verteilungskämpfen um die EU-Fördergelder zeigen. Spanien ist mit Abstand größter Nettoempfänger der EU, Deutschland größter Nettoeinzahler. Schon diese Konstellation dürfte in nächster Zeit für einigen Zündstoff sorgen. Denn Berlin will ebenso wie Paris nicht mehr darüber mit sich reden lassen, dass die EU-Ausgaben deutlich nach unten begrenzt werden. Spanien wird deshalb schon bald erheblich weniger Geld aus Brüssel erhalten. Von bis zu 40 Prozent weniger ist die Rede. Nur noch vier statt bislang acht Regionen sollen Förderungen aus den diversen Töpfen erhalten.

Auch bei der von Berlin forcierten Lockerung des Stabilitätspakts der EU gibt es einen Zielkonflikt mit Madrid. Falls, wie von Schröder vorgeschlagen, Nettozahler an Brüssel künftig ihre Überweisungen von der Defizitberechnung abziehen könne, käme Spanien in Bedrängnis. Das Land müsste sich dann konsequenterweise im Gegenzug die Zuweisung aus Brüssel als Defizit anrechnen lassen und würde dann womöglich anstelle von Deutschland die Verschuldungsmarke überspringen.

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