Treffen zwischen Merkel und Jiabao
China kündigt Einkaufstour in Deutschland an

China will im Rahmen seines riesigen Konjunkturprogramms in großem Maße Technologie in Deutschland kaufen. Das hat der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao bei seinem Besuch in Berlin angekündigt. Eine Delegation soll in Deutschland Hochtechnologie erwerben. Beide Regierungen erwarten trotz Krise stabilen Handel.

BERLIN. In Kürze werde dazu eine chinesische Delegation nach Deutschland entsandt, sagte Jiabao nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) betonte, die Bundesregierung habe auch keine Einwände gegen die Beteiligung chinesischer Staatsfonds an deutschen Unternehmen.

Hintergrund der chinesischen Einkaufsoffensive ist der forcierte Aufbau der Infrastruktur in West- und Mittelchina. Millionen Wanderarbeiter ziehen derzeit wegen der Wirtschaftskrise aus den Küstengebieten zurück in diese unterentwickelten Gegenden des Landes. Die Förderung dieser Regionen ist deshalb ein besonderer Schwerpunkt im Konjunkturprogramm der Regierung in Peking. Deutsche Firmen und Anlagenbauer rechnen sich die Chance auf große Aufträge aus.

Chinas Initiative soll auch dafür sorgen, dass der bilaterale Handel im laufenden Jahr trotz der weltweiten Wirtschaftskrise stabil bleibt, betonten beide Regierungen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet sogar mit einer weiteren leichten Steigerung in diesem Jahr. 2008 waren die deutschen Exporte von Januar bis Ende November um 14,3 Prozent auf 31,3 Mrd. Euro gestiegen, die Importe aus China im selben Zeitraum um 5,6 Prozent auf 54,3 Mrd. Euro. China ist damit zum drittwichtigsten Importland Deutschlands geworden und zum größten asiatischen Handelspartner.

Ausdrücklich betonten beide Regierungen, man werde der Wirtschaftskrise gemeinsam trotzen: "Wir wissen, dass die augenblickliche Krise nur in einem gemeinsamen Ansatz überwunden werden kann", sagte Merkel am Donnerstagabend in einer Rede beim deutsch-chinesischen Wirtschaftsforum in Berlin. Es gehe auch darum, eine Wiederholung zu verhindern. Beim G20-Gipfel im April müssten Schutzmaßnahmen beschlossen werden, die über mehr Transparenz und bessere Risikoabschirmung hinausgehen. "Wir müssen zu einer Form des Wirtschaftens kommen, bei der die Industrieländer nicht über ihre Verhältnisse leben", forderte Merkel. Wen hatte seinen Europa-Besuch zuvor als "Reise der Zuversicht" bezeichnet.

Mit Blick auf das riesige chinesische Konjunkturprogramm von umgerechnet 470 Mrd. Euro mahnte die deutsche Industrie Wettbewerbsgleichheit auch für ausländische Firmen an. "Deutsche Firmen, die in China investiert haben und dort produzieren, sollten sich schon bald mit Tochterfirmen und Joint Ventures auch an öffentlichen Aufträgen etwa im Kraftwerksbau beteiligen dürfen", forderte Jürgen Hambrecht, Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft (APA).

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