Treibhauseffekt
Altmaier fordert mehr Elan bei Klimagesprächen

Die Vereinten Nationen haben noch keine Antwort auf den Klimawandel gefunden. Zum Auftakt der Klimakonferenz kritisiert Bundesumweltminister Altmaier große Gesprächspartner - hofft aber ausgerechnet auf die USA.
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BerlinHandelsblatt: Herr Minister, die Weltbank warnt vor einer Erwärmung um bis zu vier Grad, die UN-Klimakonferenzen schaffen kaum Fortschritte. Hand aufs Herz: Ist das Zwei-Grad-Ziel überhaupt noch realistisch?

Peter Altmaier: „Seriös kann das niemand sagen im Augenblick. Fest steht nur, dass wir im Moment weltweit einen ungebrochenen Boom erleben bei den CO2-Emissionen. Das hängt zusammen mit den Wachstumsraten gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern. Deshalb müssen wir alarmiert sein. Das aktuelle Tempo des internationalen Klimaschutzes ist absolut unzureichend, um das angestrebte Zwei-Grad-Ziel tatsächlich zu erreichen. Wir müssen versuchen, die Trendumkehr zu schaffen. In Deutschland haben wir sie schon erreicht, in anderen Regionen sind wir davon noch kilometerweit entfernt.“

Warum setzen Sie sich nicht dafür ein, dass die massiven Subventionen für Öl und Kohle weltweit stärker in den Ausbau von Wind- und Solarenergie umgelenkt werden?

Altmaier: „Wir sind in Deutschland dabei, die Kohlesubventionen endgültig auslaufen zu lassen - und haben insofern unsere Hausaufgaben gemacht. Ich erwarte aber international wenig Bewegung bei diesem Thema, deshalb hat es aus meiner Sicht mehr Sinn, sich auf den weltweiten Ausbau der erneuerbaren Energien zu konzentrieren und die Voraussetzungen zu schaffen, dass diese in Ländern mit viel Sonne und Wind auch ohne Subventionen und Einspeisevergütungen wettbewerbsfähig werden. Dies würde auch enorme Exportchancen für die deutsche Solar- und Windbranche ermöglichen. Ich arbeite dafür an einem Club der Energiewende-Staaten. In dem Zusammenhang müssen wir uns auch intensiver mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien beschäftigen.“

Wäre die Schuldenkrise nicht gerade auch eine Chance, um auch in Europa den Ökoenergie-Ausbau voranzubringen?

„Wir haben ein Interesse daran, dass zum Beispiel in Griechenland völlig veraltete Dieselgeneratoren und Kohlekraftwerke durch erneuerbare Energien ersetzt werden können. Das würde neue Wertschöpfung für Griechenland bedeuten, aber auch mehr Umweltschutz und eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Im Augenblick kommen diese Projekte nicht ausreichend voran, weil sich die Diskussion immer noch um die notwendigen inneren Reformen in Griechenland und den Schuldenabbau dreht.“

Braucht es ein einheitliches Fördersystem für Ökostrom in Europa, wie es EU-Energiekommissar Günther Oettinger fordert?

„Wir brauchen in Europa keine Harmonisierung von Fördersätzen und Standards. Ich könnte mir aber vorstellen, dass man künftig darüber nachdenkt, nicht verbrauchte Strukturfondsmittel einzusetzen, um private Investoren für mehr Investitionen in erneuerbare Energien zu gewinnen. Ich glaube, dass zum Beispiel die Solarenergie in Griechenland, aber auch in Spanien und Zypern, heute schon ohne Einspeisevergütung rentabel betrieben werden kann.“

Beim Klimagipfel soll die EU in Vorleistung treten und sich mit einer Verlängerung des Kyoto-Protokolls zu weniger CO2-Emissionen verpflichten. Wie wollen Sie erreichen, dass große Verschmutzer wie die USA und China nicht die Hände in den Schoß legen?

„Die 2. Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Abkommen halte ich für essenziell, damit von Doha ein Signal des Fortschritts ausgeht. Wir müssen uns aber im Klaren darüber sein, dass wir damit nur den kleineren Teil der weltweiten CO2-Emissionen erfassen. Deshalb brauchen wir ein weltweites Abkommen, das alle Treibhausgase ausstoßenden Länder umfasst, ab dem Jahre 2020. Das muss in den nächsten zwei Jahren verhandelt werden. Dafür brauchen wir einen klaren Fahrplan in Doha. Wir brauchen aber gleichzeitig in der Zwischenzeit bis zu einem neuen Vertrag höhere Selbstverpflichtungen von Nicht-Kyoto-Staaten als es diese bisher gibt.“

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„Deutschland hat bisher alle Zusagen eingehalten“

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  • Der 3 Punkte Plan unserer Politik
    1. CO2 freie Atomkraftwerke abschalten (enteignen)
    2. CO2 intensive Gas-/Kohlekraftwerke bauen
    3. sich auf Weltklimakonferenzen als Held feiern lassen

  • Unhaltbare Behauptungen
    Die Niederländisch Königliche Akademie der Wissenschaften (KNAW) beschloss am 5.2.2010, Klarheit in die Klimadebatte zu bringen und „den IPCC Bericht einer kritischen Analyse zu unterziehen.“ Zu dem Eklat war es gekommen, weil im IPCC Bericht stand, die Niederlande lägen zur Hälfte statt zu knapp 15% unter dem Meeresspiegel und drohten überschwemmt zu werden. Das Britische Parlament hatte schon am 22.1.2010 eine Untersuchungskommission gefordert und die Regierung Indiens ersetzt den IPCC durch eine eigene unabhängige Klimaforschung. Auslöser hierfür war die IPCC-Behauptung, die Gletscher des Himalayas würden binnen 35 Jahren abschmelzen. Grundlage für die Behauptung waren eine Schülerarbeit und die von 350 auf 35 Jahre verkürzte vage Vermutung eines russischen Forschers. Als ähnlich unbegründet erwies sich die Behauptung, die Klimaerwärmung könnte bis 2020 die Erträge der Landwirtschaft in Afrika halbieren. Auch die von den Gremien aufgebauschte „hockey stick“-Grafik, nach der es heute wärmer als in den letzten 1300 Jahren sein soll, erwies sich später als betrügerischer Statistik-Trick. Sie war im Hinblick auf die mittelalterliche Wärmeperiode, als es rund 1°C wärmer war als heute und die Wickinger auf Grönland „Grünland“-Ackerbau betrieben, heftig, aber zunächst erfolglos kritisiert worden. Auch die Polkappen schmelzen nicht wie behauptet ab. Das “National US Snow and Ice Data Center” der USA in Colorado, das dies bisher massenwirksam behauptet hatte, vollzog am 10.1.2010 eine Kehrtwende und bestätigte, dass das Eis in den nördliche Polarregionen in den letzten beiden Jahren extrem – nämlich um 26% – zugenommen hat, und kündigte sogar einen „globalen Trend in Richtung Abkühlung für voraussichtlich die nächsten 20 oder 30 Jahre“ an.

  • Hi Thyphus...ich gebe es auf. Sie haben, wie andere Oekologen auch die Mathematik neu erfunden.

    Vandale

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