Treibstoff-Engpass
Den Schweizern geht das Benzin aus

In der Schweiz wird der Sprit knapp. Zweimal haben sich deshalb die Bundesverwaltung mit der Mineralölbranche zu Krisen-Gesprächen getroffen. Ein paar kräftige Regengüsse könnten helfen, die Lage zu entspannen.

ZürichDie Sorge war groß bei bei den Schweizer Autofahrern und Mineralölkonzernen. „Derzeit kommen drei Faktoren zusammen“, erklärt Lucio Gastaldi, der im Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung für die Treibstoff-Lagerhaltung zuständig ist. „Die Raffinerie in Cressier fällt gemäß dem Unternehmen voraussichtlich für zehn Tage aus. Der Rhein führt zu wenig Wasser, so dass Tank-Schiffe nur teilweise beladen werden können. Zudem sind die Transport-Kapazitäten der Eisenbahn aktuell stark ausgelastet.“ Die Folge: Die Mineralölfirmen können nicht ausreichend Benzin und Diesel in die Schweiz importieren.

Daher beriet die Bundesverwaltung mit der Mineralölbranche in zwei Krisen-Treffen – und beschloss: „Wir haben der Mineralöl-Branche erlaubt, vorübergehend auf ihre Pflichtlagerbestände zurück zu greifen“, sagt Gastaldi und bestätigt einen Bericht der Schweizer „Handelszeitung“.

Shell & Co. sind von Gesetz wegen verpflichtet, Treibstoff-Reserven vorzuhalten, die den Verbrauch der Schweiz für 4,5 Monate decken sollen. Diese Reserven werden nun angezapft: 40 Millionen Liter Benzin und 50 Millionen Liter Diesel dürfen entnommen werden. Wie viel eine Mineralöl-Firma aus den Reserven bekommt, richtet sich grundsätzlich nach ihrem Anteil an den Treibstoff-Importen. Abgerechnet wird die Reserve-Entnahme zum aktuellen Marktpreis.

Der Schritt ist ungewöhnlich: Zuletzt hat die Schweiz im Jahr 2010 auf ihre Reserven für Kerosin zurückgegriffen, als wegen eines Streiks der Hafenarbeiter in Marseille kein Öl mehr via Pipeline die Schweiz erreichte.
Die Lager würden aber nur in begrenztem Umfang in Anspruch genommen. Die aktuell genehmigten Literzahlen entsprechen laut Gastaldi „2,5 bis 4,5 Prozent des Pflichtlagerbestandes“.

Die Autofahrer müssten auch nun keine Preisschübe fürchten aufgrund des aktuellen Nachschub-Engpasses. Denn sie haben quasi die Lagerbildung finanziert; bei jeder Tankfüllung zahlen Kunden dafür einen Zuschlag von 0,33 Franken (rund 30 Cent).

„Diese Lager erlauben nun in der aktuellen Lage, dass die Preise nicht steigen werden“, erklärt Gastaldi. Und versichert: „Es besteht kein Versorgungsengpass.“ Nimmt die Raffiniere wieder ihren Betrieb auf und führt der Rhein dank Regenschauer wieder mehr Wasser, dürfte sich die Nachschub-Versorgung wieder entspannen.

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