Trennbankensystem Trennbankensystem bedroht Deutsche Bank

Kritikern gelten Investmentbanker als Zocker, die ganze Banken in Schieflage bringen können. Überlegt wird daher, die normalen Bankgeschäfte von den  risikoreicheren zu trennen. Das könnte große Institute hart treffen.
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Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt. Quelle: Reuters

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfIn der Finanzkrise hält Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch Straßenproteste für gerechtfertigte Meinungsäußerungen. Allerdings sollten sich die Demonstrationen nicht allein gegen die Banken richten, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Schließlich seien es Staaten gewesen, die jahrzehntelang über ihre Verhältnisse gelebt hätten.

Nichtsdestotrotz erhöht die Politik nun den Druck auf die Finanzwirtschaft und lässt die Institute wissen, dass sie einer internationalen Debatte über ein Trennbankensystem offen gegenüber steht – Ausgang offen. Bereits während der Finanzkrise 2008/09 waren Ideen aufgekommen, Investment- und Geschäftsbanken stärker voneinander zu trennen. Am Wochenende hatte dann SPD-Chef Gabriel die Debatte aufgegriffen, die auch von der Industrieländerorganisation OECD angeregt wurde. Jetzt also die Bundesregierung.

Die Motive der Politik, ausgerechnet jetzt Richtung „Trennbankensystem“ zu gehen, liegen scheinbar auf der Hand. Deutschland und Frankreich wollen die europäischen Banken mit einem Paket von Maßnahmen stabilisieren - notfalls auch gegen deren Willen. Dazu sollen beim EU-Gipfel am Wochenende unter anderem Entscheidungen über eine höhere Eigenkapitalquote und eine größere Beteiligung an einem weiteren Griechenland-Rettungspaket fallen. Dagegen sträuben sich die Institute allerdings bisher. Also wird mit der Brechstange gearbeitet – und offen über eine klarere Trennung des Investment-Banking vom Privat- und Firmenkundengeschäft der Banken gesprochen.

Das soll vor allem die Großbanken disziplinieren, denn die würden bei einem Trennbankensystem besonders hart getroffen. Die Überlegungen stoßen denn auch unter Experten auf ein unterschiedliches Echo. Während Hans-Peter Burghof, Professor für Banken- und Finanzwissenschaft an der Universität Hohenheim, die Überlegungen als „Kochrezepte aus Amerika - an den Bedürfnissen der deutschen Wirtschaft vorbei“ bezeichnete, hält der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, eine Trennbankensystem für „unerlässlich“, wenn man ein stabiles Finanzsystemsystem wolle.

Wie Horn Handelsblatt Online sagte, würde eine solche Neuordnung des Bankenwesens grade die Deutsche Bank empfindlich treffen. Wenn Verflechtungen zwischen Banken und Investment-Banking gekappt würden, dann müsse dies exakt definiert und kontrolliert werden. „Es dürfte dazu führen, dass zum Beispiel die Deutsche Bank einen Großteil ihrer Geschäfte abstoßen müsste; sie würde stark schrumpfen und dies würde die Stabilität des deutschen Finanzsystems erhöhen“, sagte der IMK-Chef. „Nicht auszudenken, was unter den heutigen Umständen bei einer Schieflage der Deutschen Bank an Belastungen auf den deutschen Steuerzahler zukäme.“ Ein solches Risiko müsse unter allen Umständen durch scharfe Regulierung vermieden werden.

Experte Burghof: Banken-Trennung kein Modell für Deutschland
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32 Kommentare zu "Trennbankensystem: „Kochrezepte aus Amerika“ bedrohen Deutsche Bank"

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  • Die Subloans waren keine Erfindung der US-Banken, sondern der US-Regierung, die befahl, daß auch ärmere Amerikaner ein eigenes Haus besitzen wollen. Über die Banken, in Deutschland die staatlichen Banken (!), wurden diese Sozialausgaben der USA globalisiert.

  • Und dann? Mal an Ihre Altersvorsorge gedacht? Wie soll eine Versicherung eine Kapitalgarantie einhalten, wenn EZB und Politik einen negativen Realzins fahren, um die Staatsschulden erträglicher zu machen? Dann machen die US-Banken (die übrigens das lukrative CDS-Geschäft, u.a. die Absicherung europäischer Staatsanleihen, betreiben)das Geschäft mit den großen Mittelständlern und DAX-Unternehmen, die für eine Sparkasse zu groß und zu global sind. Wenn die Banken nur noch auf 1 Bein stehen, sind m.E. die Risiken größer, als wenn sie auf 2 Beinen stehen. Zudem ist das Investmentbanking margenstärker (da risikoreicher), und ein hoher Gewinn erhöht zu lasten der Aktionäre das Eigenkapital der Bank.

  • Das Problem besteht dann darin, dass Firma C eine Firma A und eine Firma B gründet, oder kauft.
    Es ist auch nicht verboten, dass eine Sozietät aus Anwälten, einen Notar mit aufnimmt.

    Ich bin schon für eine Regulation, muss aber machbar sein.

  • Immer wird nur von "Banken" gesprochen. Da es Kapitalgesellschaften sind, gehören sie zu einem kleinen Bruchteil dem Kleininvestor, aber zumeist den Eignern des Großkapitals. Jede "Kapitalspritze" an eine Bank ist ein Geschenk an den Aktionär, um dessen Spielgeld zu sichern. Ein Vergleich mit dem Spiel am Roulette bietet sich an. Wenn er dieses Geld einsetzt, weiß er, dass die Gefahr des Totalverlustes besteht. Das ist mit dem Kauf von Bankaktien ausgeschlossen. Die "Kapitalisten" verstecken ihre (berechtigten) Gewinnerzielungsabsichten hinter der Sorge um die volkswirtschaftlichen Auswirkungen, aber in Wahrheit ist ihnen nur der Moloch "Eigenkapitalrendite" wichtig. Dem Sparer wird erklärt, dass mehr als 2 Prozent ein überdurchschnittliches Risiko mit der Gefahr des Gesamtverlustes auslöst, aber 25% Eigenkapitalrendite einer Bank löst Ängste um feindliche Übernahmen aus. Die Steigerung des Betriebsergebnisses nach Risikominimierung durch Personalabbau erfolgt durch Zahlung von Boni an die kreativen Mitarbeiter, deren Höhe (mit Laverage) nur als Betrug zu betrachten ist. Helfen kann dabei mit ganz einfachen Mitteln der Gesetzgeber durch Einfügen eines Gesetzes, dass Gewinnbeteiligung und Boni nur noch gewährt werden dürfen, wenn eine analoge Verlustbeteiligung mindestens bis zur Höhe der erhaltenen Gewinne oder Boni im Vertrag enthalten sind. Dann ist die Ausgangsbasis gleich gegenüber denen, die im Mittelstand als Unternehmer ihr gesamtes Vermögen zumindest gegenüber den Banken einsetzen müssen.

  • @MMaurice

    Der Immobilienboom in den USA beruhte einzig und allein auf der Prämisse, das die Immobilienpreise immer weiter steigen. Der reale Wert einer Immobile, also die Koppelung an Grundstückspreis, Wareneinsatz und Arbeitsleistung wird aufgelöst, da er die Möglichkeit der Spekulation beschränkt. Das ist ja der springende Punkt beim Derivatgeschäft, Abkoppelung von der Realwirtschaft.

    In einer Welt mit begrenzten Ressourcen sind Gewinnsteigerungsraten von 25% dauerhaft nicht zu erzielen, das geht nur über synthetisch potenzierte Derivatgeschäfte und das ist alles was die Banken interessiert. Handwerker, Baumaschinenhersteller oder Lieferanten sind wie alle Repräsentanten der Realwirtschft für die Finanzindustrie bedeutungslos.

    Soweit ich weiss übersteigt das weltweite Derivatgeschäft das Volumen des weltweit möglichen Realgeschäfts um mehr als das Hundertfache. Eines der Probleme ist, die Verluste des Derivathandels werden, dank politischer Protektion, aus den Gewinnen der Realwirtschaft gedeckt um " systemrelevante" Banken vor der dann unvermeindlichen Pleite zu schützen.
    Nach Adam Riese wird das Modell in die Luft fliegen und das tut es ja gerade!

  • uj, wird jetzt endlich auch mal an das wohl der steuerzahler, anstatt der Deutschen Bank gedacht. ich bin entzückt.

  • Ich rege mich grade über viele dieser unqualifizierten Kommentare auf!

    Wenn man keine Ahnung hat...

    Klar sind die Banken nicht ganz unschuldig, ABER die rückratlosen Politiker sind schlimmer!
    Wer hat denn dafür gesorgt, dass die USA A L L E S auf pump finanzieren konnten? Die Billiggeldpolitik des Herrn George W. Busch! Die Regierungen leben seit Jahren über Ihren Verhältnissen und lassen dann Ihre Probleme an den Banken aus. Weil es grade in den Wahlkampf passt, weil es grade die Meinung der Bürger ist. Aber da Banken ja das Geld verwalten und so weiter passt ja vortrefflich, dass es grade Zahlungsbprobleme gibt. Ergo: die Banken sind schuld.

    Das das blödsinn ist, weiß jeder der auch nur ein wenig gesunden Menschenverstand hat!
    Daher: lasst uns lieber gegen Politker demonstrieren, die unsere Steuergelder für teure Urlaube und Diätenerhöhungen verschwenden!

  • Gute Analyse

  • Das mit dem Warnen vor dem Schuldenmachen stimmt. Wäre vor allem beim Kanzler Kohl wichtig gewesen.

  • Sehr gut erkannt!

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