Trennbanksystem
Briten und USA preschen vor

Eigentlich standen Großbritannien und die USA immer auf der Seite der Finanzbranche. Nun aber ziehen die Länder strenge Reformen durch. Das Investment-Banking wird abgetrennt, riskante Geschäfte sind künftig untersagt.
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London, New YorkDavid Cameron sitzt in der Zwickmühle. Auf der einen Seite muss der britische Premierminister die Geschäftsinteressen des Finanzplatzes London schützen, weil die City für das Wohlergehen der schwer angeschlagenen Wirtschaft noch immer von enormer Bedeutung ist. Auf der anderen Seite weiß der Konservative aber auch, wie katastrophal die Folgen wären, sollte noch einmal einem der großen Geldhäuser der Kollaps drohen.

Auf sechs Billionen Pfund summieren sich die Bilanzen der fünf größten britischen Banken, viermal mehr als die jährliche Wirtschaftsleistung der Insel. Diese Zahlen zeigen, dass letztlich die Zukunft der gesamten Volkswirtschaft des Königreichs am Wohl und Wehe von Geldhäusern wie HSBC, Barclays und der Royal Bank of Scotland hängt.

Weil selbst für den nicht gerade als großer Bankenkritiker bekannten Cameron kein Weg an dieser Erkenntnis vorbeiführt, hat er gleich zu Beginn seiner Amtszeit den Wirtschaftsforscher John Vickers beauftragt, ein Reformprogramm für die heimische Finanzindustrie zu entwerfen. Diese schnelle Initiative sorgt dafür, dass ausgerechnet am Finanzplatz London längst jene Reformen umgesetzt werden, die die SPD in Deutschland gerade erst fordert.

Im Moment ist Camerons Regierung gerade dabei, die Vickers-Vorschläge in Gesetzesform zu gießen, und damit kommt auf die Geldhäuser in der City der größte Umbau zu, seit Maggie Thatcher mit ihrem Big Bang die britische Finanzindustrie Mitte der achtziger Jahre von ihren Fesseln befreite. Nur geht es dieses Mal darum, die Banken wieder enger an die Leine zu legen.

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