Trennung von Anbietern und Netzeigentümern
Den Haag macht sich mit Reform des Strommarktes Feinde

Um gegen die geplante Trennung der Energievesorger in Anbieter und Netzeigentümer zu demonstrieren, wollten die Mitarbeiter der großen niederländischen Stromkonzerne bei einem Fußballspiel der Nationalmannschaft am heutigen Mittwoch Abend kurzer Hand den Strom abstellen. Zwar wurde die Aktion abgeblasen, der Ärger der Belegschaft bleibt aber bestehen.

BRÜSSEL. Das Fußballspiel Niederlande-Weißrussland am heutigen Mittwoch Abend in Eindhoven hätte zu einem Politikum werden können: Denn die Mitarbeiter der großen niederländischen Stromkonzerne hatten gedroht, während des Spiels kurzerhand den Strom im Stadion abzudrehen. Der Grund: Sie wollten gegen die geplante Trennung der Energieversorger in Anbieter und Netzeigentümer demonstrieren.

Wegen der lautstarken Proteste des niederländischen Fußballverbandes wurde die Aktion zwar Anfang der Woche abgeblasen. Aber in der Sache habe sich rein gar nichts geändert, sagt Peter de Jong. Er ist Vorsitzender des LME, einer Vereinigung der Mitarbeiter der Stromkonzerne. „Die Spaltung unserer Betriebe ist eine absolute Schnapsidee. Sie ist nicht zu bezahlen und bringt unsere Arbeitsplätze in Gefahr“, kritisiert de Jong.

In den Niederlanden läuft die Diskussion über die Aufspaltung der Energieunternehmen auf Hochtouren. Denn der ehemalige Wirtschaftsminister Laurens-Jan Brinkhorst hat ein entsprechendes Gesetz bereits vor einigen Monaten vom Parlament verabschieden lassen. Ende Oktober muss der Senat abstimmen, damit die Regelung endgültig in Kraft treten kann.

Am kommenden Dienstag werden die Senatoren erstmals über den umstrittenen Vorschlag beraten: Die linken und die liberalen Parteien befürworten Brinkhorsts Pläne. Die Christdemokraten von Premier Jan Peter Balkenende sind dagegen, wurden aber in der zweiten Kammer von den liberalen Koalitionspartnern und der Opposition überstimmt. Die Diskussion ist also noch längst nicht entschieden.

Brinkhorsts Plänen zufolge soll die Spaltung der Energieunternehmen die Liberalisierung des niederländischen Energiemarkts vorantreiben. Bisher sind die Unternehmen noch zu 100 Prozent in den Händen der Städte und Gemeinden. Eine Privatisierung war bereits mehrmals verschoben worden.

Das soll jetzt anders werden: Kraftwerke und Vertrieb sollen voll privatisiert werden, um den Wettbewerb zu verstärken. Nur die Netze sollen in öffentlicher Hand geführt und für alle Anbieter gleichermaßen zugänglich gemacht werden.

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