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07.10.2008 
EZB-Präsident

Trichet fordert Reform des Weltfinanzsystems „ohne Tabus“

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet fordert angesichts der Finanzkrise eine umfassende Neuordnung des Weltfinanzsystems. Im Kern gehe es dabei um eine deutlich höhere Transparenz, sagt er am Dienstag in Evian. Statt ungeordneter Einzelmaßnahmen müsse nun international abgestimmt vorgegangen werden.

Jean-Claude Trichet forderte auf einer Konferenz in der südostfranzösischen Stadt Evian eine grundlegende Reform des Weltfinanzsystems. Foto: apLupe

Jean-Claude Trichet forderte auf einer Konferenz in der südostfranzösischen Stadt Evian eine grundlegende Reform des Weltfinanzsystems. Foto: ap

HB EVIAN. Die Krise habe mittlerweile das Herz des Weltfinanzsystems erreicht, so Trichet weiter. Gefordert seien deshalb international abgestimmte Lösungen. Ungeordnete Reformmaßnahmen seien überhaupt nicht hilfreich, sagte Trichet. Stattdessen müsse dringend die Transparenz der Finanzmärkte erhöht werden. Die bisherigen Regeln an den Kapitalmärten hätten kurzfristiges Handeln befördert und die Krise erst heraufbeschworen.

Bei der Reform des Finanzsystems dürfe es keine Tabus geben, forderte Trichet. "Es ist sehr, sehr wichtig, dass wir nicht einen Teil des internationalen Finanzsystems priveligieren. Es darf keine Tabus geben, aber auch keine Sündenböcke." Deshalb sei er dagegen, die USA oder China mit Blick auf die Krise zu verurteilen und in die Ecke zu stellen. Es sei jedoch durchaus klar, dass es eine Verbindung zwischen der Krise und den globalen finanziellen Ungleichgewichten gebe.

Den Bürgern in der Euro-Zone versprach Trichet, dass die EZB alles in ihrer Macht stehende tun und die Krise managen werde. "Es ist klar, dass wir versuchen werden mit den Ereignissen, die noch vor uns liegen umzugehen und daraus unsere Schlüsse zu ziehen." Für die Bürger sei wichtig, dass sie auf die EZB und ihr Versprechen vertrauen könnten, dass es auf mittlere Sicht stabile Preise in der Währungsunion gebe.

Zinssenkungen im Kampf gegen die Finanzkrise schloss Trichet unterdessen erneut nicht aus. Es sei ein Punkt erreicht, an dem die Notenbank alles in ihrer Macht stehende tun werde. Trichet hatte vergangene Woche bereits die Tür für eine Zinssenkung der EZB verbal aufgestoßen. Seitdem hat sich die Finanzkrise weiter zugespitzt. An den Märkten werden deshalb die Rufe nach einer gemeinsamen Zinssenkung der wichtigsten Notenbanken immer lauter. Durch sie sollen, so die Hoffnung, die angeschlagenen Banken, so die Hoffnung, mehr Luft durch bessere Bedingungen bei der Refinanzierung bekommen. Die EZB und andere Zentralbanken versorgen zudem seit Wochen die Banken Tag für Tag mit frischer Liquidität, weil die Geldmärkte weltweit quasi ausgetrocknet sind.

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