Trichet über Draghi
Von neuen Staatsanleihen der EZB war nicht die Rede

Der neue EZB-Chef Mario Draghi hat vergangene Woche auf weitere unkonventionelle Maßnahmen der EZB plädiert. Nun sagt sein Vorgänger Jean-Claude-Trichet, daraus habe der Finanzmarkt die falschen Schlüsse gezogen.
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FrankfurtDer scheidende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat ein letztes Mal für Klarheit in der Kommunikation der Notenbank gesorgt. Jüngste Äußerungen seines designierten Nachfolgers Mario Draghi zur weiteren Krisenpolitik seien vom Finanzmarkt nicht richtig verstanden worden, sagte Trichet in einem am Montag veröffentlichten Interview.

So habe Draghi seiner Ansicht nach keine Hinweise auf weitere Staatsanleihenkäufe durch die EZB geben wollen. „Ich denke nicht, dass Herr Draghi das gesagt hat.“ Der Chef der Banca d'Italia hatte sich in der vergangenen Woche zwar generell dafür ausgesprochen, die unkonventionellen Maßnahmen der EZB so lange weiterzuführen wie nötig. Konkret hatte er allerdings nur die großzügige Liquiditätsversorgung der Banken und die Neuauflage des Pfandbriefankaufprogramms genannt.

Am Finanzmarkt waren Draghis Äußerungen jedoch auch auf das in- und außerhalb der EZB umstrittene Programm für den Kauf von Staatsanleihen bezogen worden. Die EZB hat seit Mai 2010 bis dato für 170 Milliarden Euro Anleihen von hoch verschuldeten Euro-Ländern wie Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien gekauft.

Trichet bekräftigte nun, dass der EZB-Rat entscheiden werde, ob die Anleihenkäufe fortgesetzt würden - und wenn ja wie. „Der EZB-Rat wird jeweils unter gegebenen Umständen entscheiden, was aus seiner Sicht erforderlich ist. Ich habe zuletzt aber mitgenommen, dass die Regierungen erklärt haben, dass sie künftig selbst aktiv werden, dass der (Euro-Rettungsschirm) EFSF gehebelt wird und dass sie am Sekundär- und Primärmarkt aktiv werden. Das ist sehr wichtig.“

Nach einer vergangenen Freitag veröffentlichten Reuters-Umfrage geht die Mehrheit der Anleihehändler davon aus, dass die EZB dennoch weiter am Bondmarkt intervenieren wird.

Grundsätzlich zeigte sich Trichet zufrieden mit den Ergebnissen des jüngsten Euro-Krisengipfels, bei dem unter anderem ein kräftigerer Schuldenschnitt und eine höhere Beteiligung der Finanzwirtschaft an den Kosten beschlossen worden waren. „Ich denke, gut war an dem Treffen, dass alle vier Dimensionen der Krise angesprochen wurden. Es war kein fauler Kompromiss. Griechenland war Thema, die Kapitalisierung der Banken, die Hebelung des EFSF und dass die Nationalstaaten selbst hart arbeiten und sparen müssen. Aber die Arbeit muss natürlich weitergehen. Nochmals: es gibt keinen Grund für Selbstgefälligkeit.“

Das Interview wurde am vergangenen Freitag im Frankfurter Hauptquartier der Europäischen Zentralbank (EZB) geführt. Trichets Amtszeit endet am Montagabend nach acht Jahren turnusmäßig. Zu seinem Nachfolger Mario Draghi wollte sich Trichet nicht äußern. Er betonte jedoch, wie wichtig gerade in der aktuellen Phase der Krise Kontinuität an der Spitze der EZB und im EZB-Rat sei.

Draghi sitzt dort seit vielen Jahren. „Er ist ein Insider“, sagte Trichet. Draghi sei bei allen wichtigen Entscheidungen der Notenbanker in der Krise dabei gewesen. Zudem dürfte die Rolle des Zentralbankchefs nicht überbewertet werden. „Es ist die Position eines Teamleiters. Es ist ein gemeinsames, kollegiales Abenteuer.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Draghi als EZB-Chef! Das ist, wie wenn der Hund auf die Wurst aufpasst. Ich hoffe für Deutschland, dass es irgend ein Ziel im Hintergrund gibt, was der Bürger noch nicht kennen soll. Das, was da innerhalb einiger Wochen passiert, ist doch Wahnsinn pur. Sonntags Hebel-nein, Mittwochs Hebel-ja. Die Franzosen bekommen keine Bank-Lizenz für den EFSF. Damit sind sie bald Pleite. Dann findet man plötzlich 55 Mrd. € - einfach so, weil keiner rechnen kann - das glaubt doch kein Mensch. Im Netz kann man lesen, dass schon wieder Franc, Drachmen und D-Mark gedruckt werden - wie verrückt ist das denn? Anfang November sollen die Privatbanken angegriffen werden. Diesmal von den Kunden. Konten räumen und auf kleine nicht systemrelevante Banken transferieren. Es wird wohl wieder offiziell eine Computerpanne sein - wie letztes Jahr. Wenn Deutschland die andern Staaten rumkomandiert, damit sie Ziele einhalten, ist Deutschland wieder der Buhmann. Treten wir aus dem System aus, sind wir es auch. Lassen wir doch die Franzmänner austreten, dann sind wir auch raus und waren es nicht schuld. Die anderen Eurostaaten sind nur in der Währungsunion, um zu profitieren, Deutschland ist der Zahlmeister. So lange Frankreich auf gleicher Höhe war, konnte die Grande Nation noch damit leben. Jetzt ist der Nationalstolz des kleinen Napoleon zutiefst verletzt, weil sie sich den Eurokriterien deutschen Machart nicht unterwerfen. Dann brauchen Silvios Italiener dringend Kredit, der kostet schon über 6 %. Ohne Staatsanleihen an die EZB zu einem günstigeren Zinsatz auszugeben, wird es für die Italiener auch eng. Die Deutschen kaufen ohne Ende, schnell noch investieren, ehe das Ende kommt. Auftragsbücher von Handwerkern sind voll. Es wird teilweise im voraus bezahlt, Lieferzeiten von Küchen - ewig. Alles Zeichen dafür, dass es bald rundgeht. Schnell noch mit Lebensmitteln eindecken, Öltank auffüllen, Auto volltanken und Geld vom Konto abheben. Wir haben keine Krise - oder doch?

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