Tricks aus Griechenland

Athen bezahlt IWF-Schulden – mit Geld vom IWF

Verschiebebahnhof in Athen: Griechenland hat 750 Millionen Euro pünktlich an den IWF zurückgezahlt – musste dafür aber Geld von einem IWF-Konto abheben. Immerhin: Die EZB lässt die griechischen Banken nicht fallen.
Update: 12.05.2015 - 17:01 Uhr 31 Kommentare

Erneut keine Einigung im Schuldenstreit

Erneut keine Einigung im Schuldenstreit

AthenGriechenland hat zur Begleichung seiner Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) auf eigene IWF-Reserven zurückgegriffen. Das sagten zwei Regierungsvertreter am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters in Athen. Zuvor hatte die Regierung 750 Millionen Euro an den IWF zurückgezahlt. Ein hoher Regierungsbeamter versicherte am Montag in Athen, die fällige Summe sei angewiesen worden. Zuvor hatte Athen Geldreserven von örtlichen Kommunen und Staatsunternehmen zusammengekratzt.

Allerdings hat das wohl nicht gereicht. So kamen nach neusten Berichten 650 Millionen Euro zur Begleichung der Schulden von einem Konto des Landes beim IWF. Nach Informationen der Athener Zeitung „Kathimerini“ (Dienstag) hat der IWF dieser Transaktion zugestimmt. Eine Bestätigung vom IWF war zunächst nicht zu erhalten. Ein Regierungsvertreter in Athen sagte, das IWF-Konto müsse „binnen einiger Wochen“ wieder aufgefüllt werden. Vor der Zahlung waren Zweifel aufgekommen, ob die Regierung genug Geld aufbringen kann.

IWF-Mitgliedsländer unterhalten bei dem Fonds zwei Konten: Auf einem sind die Einlagen des Landes beim IWF geparkt, das zweite ist für Notfälle gedacht. „Wir haben auf das Notfallkonto zugegriffen“, sagte ein Regierungsvertreter. Zudem habe die Regierung 100 Millionen Euro aus ihren Barreserven mobilisiert.

Außerdem können sich die Banken in Griechenland weiter auf die Unterstützung der Europäischen Zentralbank (EZB) verlassen. Die Notenbanker haben die Notkredite für die griechischen Banken weiter aufgestockt. Die EZB habe die sogenannten Ela-Kredite ('Emergency Liquidity Assistance') in einer Telefonkonferenz um knapp zwei Milliarden Euro auf rund 81 Milliarden Euro erhöht, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen.

Wegen des Feiertags schalteten sich die Notenbankgouverneure bereits am heutigen Dienstag, statt wie üblich Mittwochs zusammen. Über eine Erhöhung der Abschläge auf die Sicherheiten (Haircuts), die griechische Banken für die Notkredite bei der Bank of Greece für die Nothilfen hinterlegen müssen, gab es keine Entscheidung.

Außerdem hat Athen in den vergangenen Wochen rund 600 Millionen Euro von staatlichen Institutionen und Kommunen zusammengekratzt. Damit konnte die Regierung Verpflichtungen gegenüber Geldgebern erfüllen sowie Renten und Löhne von Staatsbediensteten zahlen. Wie die Regierung in Athen am Dienstag mitteilte, hätten die Städte bislang 64,5 Millionen und die anderen Institutionen 535,8 Millionen Euro an die griechische Zentralbank überwiesen.

Das Parlament in Athen hatte am 25. April einen Erlass gebilligt, mit dem alle staatlichen Institutionen und öffentlich-rechtlichen Betriebe gezwungen sind, ihre Geldeinlagen an die griechische Zentralbank (Bank of Greece) zu überweisen. Die Notenbank gibt dafür sogenannte „Repos-Papiere“ (Rückkaufvereinbarungen) mit einer kurzen Laufzeit mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent aus. Betroffen sind mehr als 1400 Kommunen, Krankenhäuser, staatliche Unternehmen und Universitäten.

„Das ist Kokolores“
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31 Kommentare zu "Tricks aus Griechenland : Athen bezahlt IWF-Schulden – mit Geld vom IWF"

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  • Mittlerweile (eigentlich schon seit ROT-GRÜN) fühle ich mich von der deutschen und der EU-Politik verarscht !

    Diese sichtbaren politischen "Ergebnisse" in den verschiedensten Bereiche, ist nur durch Politik- und Politikerversagen zu erklären, in der EU und Deutschland !

  • „Sollte es zu einer Einigung kommen, brauche er nicht vier Wochen, um im zuständigen Ausschuss des Bundestages eine Zustimmung für die Auszahlung der Hilfsgelder zu erhalten: „Das ist Kokolores“, sagte Schäuble...“

    Na klar. Unser gewähltes Parlament, das eigentlich UNSERE Interessen vertreten und laut Grundgesetz die Regierungsarbeit KONTROLLIEREN sollte,
    ist zu einem Abnick-Verein verkommen. Klar geht das schneller als 4 Wochen. Schäuble weiß ja, dass er sich auf seine Leute verlassen kann. Und was ist schon unser GG gegen die Interessen der EU-Visionäre!

  • Die in den Klapsmühlen sind die einzigen Normalen in der jetzigen politischen Welt. So gut wie alle Politiker, Banker und sonstige Nichtstuer müßten gegen die Klapsmühlen-Insassen ausgetauscht werden. Erst dann würde dem wirklichen Irrsinn wirksam begegnet.

  • Ob er sich da mal nicht verrechnet, der unverbesserliche Träumer! Mal abwarten, wie sich die Engländer entscheiden werden, und nicht zu vergessen die Österreicher, die
    in diesem Jahr über ihre Mitgliedschaft in der EU in einem Volksentscheid abstimmen werden. Die Rechnung wird letztendlich nicht ohne den Wirt (das Volk) gemacht, ob das Schäuble nun passt oder nicht. Die Euro-Träume gehen langsam zu Ende, allein
    einige wenige Euro-Fanatiker glauben noch an den Endsieg.

  • Wenn die Notkredite bedingungslos fließen, was soll dann das andauernde Geschwätz über Reformen?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Wir schreiben das Jahr 2050
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    Griechenland erhält das 50. "Hilfspaket" und den 10. "Schuldenschnitt ".
    Der Schuldenstand beträgt mittlerweile 2.500.000.000.000€.
    Aber Griechenland ist auf einem "guten Weg", so steht es in den Geschichtsbüchern.

    Alle Griechen werden nach ihrer Geburt automatisch verbeamtet und gehen in Pension.
    Die deutschen Steuerzahler sind solidarisch und überweisen ihr Gehalt per Dauerauftrag direkt an die griechische Nationalbank.

    Anno domini 2015 hat Deutschland 320 Milliarden an "Reparationszahlungen an Griechenland geleistet. Das hat aber nichts geändert. Jetzt fordern sie einen "Nachschlag"" von 3 Billionen.

    Wie sagte schon Varoufakis: "Deutschland kann sagen was es will, am Ende zahlt es immer"!
    Und so ist es!

  • Schuldentilgung beim IWF: Der griechische 756-Millionen-Trick
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    Die griechische Regierung konnte einen 756-Millionen-Euro-Kredit offenbar nur noch mit einem Trick begleichen: Mehreren Berichten zufolge zapfte sie ausgerechnet eines ihrer Konten beim IWF an, um den IWF auszuzahlen.

    Die schlauen Griechen haben also zu einem Trick gegriffen.
    Wurde er ihnen von Goldman Sachs empfohlen?

    Vorher haben sie ja auch schon die Rentenkassen geplündert und alle Staatsbetriebe gezwungen ihr Geld bei der Nationalbank einzuzahlen.
    Jetzt ist also der IWF das Opfer.

    Und Draghi hat das ELA-Volumen um weitere zwei Milliarden erhöht.

  • @ Herr FRIEDRICH KUNZ

    >> Und zwar wissen Sie genau, daß die EU niemals den Ausstieg der Griechen aus der EU zulassen wird. >>

    Nicht zulassen wird, sondern zulassen DARF !

    Ein Land der € - Sowjetunion KANN gar nicht Pleite gehen und aus dem Verein ausgestoßen werden. Das sind die Statuten dieser Vereinigung.

    Und natürlich wissen es die Griechen und tanzen der EUtopia auf der Nase herum.

    Und all die Spekulationen seitens der Offiziellen der EUtopia bezüglich eines GREXITs sind eine Volksverarschung !

  • Wegen Griechenland hätte es 2010 durchaus noch zu einem Dominoeffekt kommen können, insbesondere auf Grund der damals üppig involvierten (speziell französischen) Banken. Mittlerweile gibt es unter den Gläubigern des Landes aber kaum noch Banken. Die Risiken liegen (u. a. wegen der Machenschaften der EZB und verantwortungsloser Politiker) inzwischen längst bei den Staaten bzw. deren Steuerbürgern - bei Ihnen und mir. Vor diesem Hintergrund glaubt bekanntlich kaum noch ein Ökonom an große Verwerfungen, wenn es zu einem "Grexit" kommen sollte. Also, nur zu. Lassen wir sie ziehen, die unverbesserlichen Hellenen. Je früher, umso besser. Ein Austritt des Landes könnte den Euro sogar stärken. Vor allem wäre er eine Warnung an eine Reihe weiterer Filous [Club Med], dass sie sich nicht wirklich auf die Alimentierung durch die "Nordländer" und die damit einhergehende bequeme Hängematte verlassen können. – Übrigens: ich hätte nie geglaubt, dass mich die Griechen und unsere willfährigen Politiker in Brüssel und Bonn dazu bringen könnten, sogar den Verfall der EU hinzunehmen. Spätestens die lächerlichen nie enden wollenden „Notkredite“ an die Macher in Athen werden das schaffen.

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