Trinh Xuan Thanh Entführtem vietnamesischen Geschäftsmann droht weiter Todesstrafe

Der mutmaßlich aus Berlin entführte Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh ist in seiner Heimat Vietnam zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der Fall belastet die Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam.
Update: 22.01.2018 - 13:42 Uhr Kommentieren
Am Mittwoch soll in Hanoi ein weiterer Korruptionsprozess gegen ihn beginnen - es droht die Todesstrafe. Quelle: AP
Trinh Xuan Thanh

Am Mittwoch soll in Hanoi ein weiterer Korruptionsprozess gegen ihn beginnen - es droht die Todesstrafe.

(Foto: AP)

HanoiDie letzten beiden Wochen hatte Trinh Xuan Thanh morgens immer den gleichen Weg. Im Straflager B14, einem Sondergefängnis in Hanoi, wurden ihm Handschellen angelegt. Mit Blaulicht ging es dann ins Zentrum der vietnamesischen Hauptstadt, zum städtischen Gericht. Dort brachten ihn zwei Volkspolizisten - einer links, einer rechts - zur Verhandlung. So war es auch am Montag wieder, wenn auch zum letzten Mal vor diesem Gericht.

Nach zwei Wochen Prozess wurde der vietnamesische Geschäftsmann, der vor ein paar Monaten noch ein einigermaßen sorgloses Leben in Berlin geführt hatte, wegen Korruption und Wirtschaftsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt. Der 52-Jährige nahm das Urteil so entgegen, wie er vor Gericht die meiste Zeit aufgetreten war - in Büßerpose, mit tief hängenden Schultern, aber äußerlich unbewegt.

Mit diesem Urteil hatten die meisten Beobachter seit ein paar Tagen gerechnet. Vermutlich auch Thanh selbst: Zwar bestritt der ehemalige Chef des staatlichen Baukonzerns PetroVietnam Construction (PVC) in seinem Schlusswort nochmals jegliche Korruption und bat um ein mildes Urteil, damit er zu Frau und Kindern nach Deutschland zurückkehren könne. Aber groß war die Hoffnung wohl nicht.

Zumal Vietnams Kommunisten von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht hatten, dass der Prozess gegen den Ex-Funktionär auch der Abschreckung dienen solle. In dem wirtschaftlichen Boomland mit mehr als 95 Millionen Einwohnern, aber nur einer einzigen Partei, ist Korruption weit verbreitet. Unter dem heutigen KP-Generalsekretär Nguyen Phu Trong läuft seit einer Weile eine Gegen-Kampagne. Trong hatte Thanh schon im November öffentlich für schuldig erklärt.

Viele vermuten deshalb, dass die Kampagne auch zur Abrechnung mit politischen Gegnern genutzt wird. Es kann aber auch beides sein: Bevor sich Thanh 2016 nach Deutschland absetzte, fiel er durch teure Autos auf. In Berlin pflegte er ebenfalls einen Lebensstil, der sich von dem anderer Asylbewerber deutlich unterschied - bis er im vergangenen Sommer bei einem Spaziergang im Bezirk Tiergarten plötzlich verschwand.

Die Bundesregierung ist sich sicher, dass Thanh vom vietnamesischen Geheimdienst verschleppt wurde. Zwei vietnamesischen Diplomaten mussten Deutschland deshalb verlassen. Anfangs forderte Berlin Thanhs sofortige Rückkehr. Zuletzt waren die Bemühungen vor allem darauf ausgerichtet, dem Ex-Manager ein Todesurteil zu ersparen. Der südostasiatische Staat gehört zu den wenigen Ländern der Welt, in denen bei schwerer Korruption die Hinrichtung droht.

Am Montag kam Thanh um die Maximalstrafe herum. Die Staatsanwaltschaft hatte schon in der ersten Prozesswoche auf eine solche Forderung verzichtet - wozu beigetragen haben mag, dass seine Familie einen Großteil der Summe, die er abgezweigt haben soll, an den Staat zahlte. Auf diese Weise lassen sich in Vietnam Strafen mildern.

Mit diplomatischem Geschick ließe sich wohl auch erreichen, dass Thanh in einigen Jahren tatsächlich nach Berlin zurück könnte - trotz lebenslang. So ist es wohl auch zu verstehen, dass das Auswärtige Amt in Berlin bei aller sonstigen Kritik erklärte: „Die Beobachtungen, die wir aus dem Saal bekamen, waren in ganz großen Teilen die, dass dem rechtsstaatlichen Verfahren, was dieses vietnamesische Strafgesetzbuch für solche Prozesse vorgibt, entsprochen haben.“

Der angeklagte Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh wird von Polizisten zum Gericht in Hanoi gebracht. Er wurde wegen Korruption zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. Quelle: dpa
Prozess gegen Trinh Xuan Thanh

Der angeklagte Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh wird von Polizisten zum Gericht in Hanoi gebracht. Er wurde wegen Korruption zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt.

(Foto: dpa)

Seine Mutter Thi Ngoc Kha war über das Urteil trotzdem sehr enttäuscht. „Ich bin sehr traurig und unzufrieden“, sagte sie der dpa. „Sie werfen ihm das immer noch vor, aber mein Sohn hat kein Geld unterschlagen.“ Seine deutsche Anwältin Petra Schlagenhauf - die selbst nicht nach Vietnam einreisen durfte - protestierte in Berlin dagegen, dass Thanh nach einer „verbrecherischen Entführung“ nun ein „rechtsstaatswidriges Verfahren“ gemacht worden sei.

Wie ihr Mandant nach Vietnam kam, spielte vor Gericht übrigens keine Rolle. Schlagenhauf begründete dies damit, dass allein die Erwähnung einer „Entführung“ weitere Repressalien zur Folge gehabt hätten. Weder in der Urteilsbegründung noch in den Berichten der vietnamesischen Staatsmedien gab es am Montag dazu auch nur ein einziges Wort. Staatslinie ist, dass er sich freiwillig gestellt hat.

Die Sorgen von Familie und Verteidigung sind auch deshalb berechtigt, weil Thanh in einem weiteren Verfahren doch noch zum Tode verurteilt werden könnte. Am Mittwoch schon beginnt der nächste Prozess, dieses Mal vor dem Volksgericht von Hanoi. Dann muss er sich gegen Vorwürfe zur Wehr setzen, die noch härter sind: Bei einem Bauprojekt in Hanoi soll er persönlich eine halbe Million Euro Schmiergeld kassiert haben. Das Urteil wird in der zweiten Februarwoche erwartet.

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