Tripolis räumt weitere Inspektionsrechte ein: Atomenergiebehörde lobt Libyen

Tripolis räumt weitere Inspektionsrechte ein
Atomenergiebehörde lobt Libyen

Kurz bevor der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohammed el Baradei, zu seiner zweiten Inspektionsreise nach Libyen innerhalb weniger Wochen aufbricht, stellt die Organisation der Regierung in Tripolis ein gutes Zeugnis aus. „Die Libyer verhalten sich sehr kooperationswillig“, sagte IAEASprecher Mark Gwozdecky. Libyen hofft, durch die Zusammenarbeit mit der IAEA, den USA und Großbritannien sowie durch den Verzicht auf die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen eine Aufhebung der Sanktionen zu erreichen.

DÜSSELDORF. El Baradei will am Montag und Dienstag den Fortgang bei den Kontrollen des libyschen Atomprogramms untersuchen. IAEA-Kontrolleure halten sich seit zwei Monaten in Libyen auf, um in Zusammenarbeit mit britischen und amerikanischen Experten eine Bestandsaufnahme des Nuklearprogramms vorzunehmen.

Libyen hat der Unterzeichnung einen Zusatzprotokolls zugestimmt, das der IAEA weitreichende Inspektionsrechte einräumen wird. „Was wir brauchen, ist eine stabile, langfristige Zusammenarbeit“, sagt Gwozdecky. In einem vertraulichen Report, der in diesen Tagen den Mitgliedern der IAEA zugehen soll, beurteilt die Behörde die Entwicklung als vorteilhaft. „Der Bericht wird die anstehenden Entscheidungen sicher positiv beeinflussen.“ Aus diplomatischen Kreisen in Wien hieß es, es seien „keine negativen Überraschungen zu erwarten.

Libyens Staatschef, Muammar el Gaddafi, hatte im November 2003 den Verzicht seines Landes auf die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen erklärt und den USA Dokumente über das Atomprogramm übergeben. Wie bedeutsam die libysche Kooperationsbereitschaft ist, hatte sich in der vergangenen Woche erwiesen, als bekannt wurde, dass detaillierte Baupläne für Nuklearwaffen, die durch pakistanische Atomschmuggler nach Libyen gelangt sind, aus chinesischer Quelle stammen. Die Pekinger Regierung hat inzwischen zwar ihre Sorge über diese Berichte zum Ausdruck gebracht, jedoch keine Stellungnahme über den Ursprung der Materialien abgegeben. Die chinesischsprachigen Unterlagen wurden von Experten als zwar „sehr alt, aber ausgefuchst“ bezeichnet. Die Materialien sind mittlerweile von der IAEA versiegelt worden und werden von der amerikanischen und der britischen Regierung ausgewertet.

„Nach unserer Einschätzung standen die Libyer erst ganz am Anfang eines Atomwaffenprogramms“, sagte Gwozdecky. „Sie hatten noch einen weiten Weg vor sich.“ Der „Washington Post“ zufolge sollen die den Libyern zur Verfügung gestandenen Dokumente zwar Informationen zum Bau einer Atombombe enthalten haben. Aber Libyen hatte offenbar kein Plutonium oder angereichertes Uran. Auch fehlten dem Land Technologie und Know-how zum Bau von Trägerraketen.

Für Libyen ist die Offenlegung ein weiterer Beweis der Läuterung nach jahrzehntelanger Isolation. Erst durch die aktive Mitwirkung von Tripolis war es möglich geworden, das illegale Netzwerk zur Weiterverbreitung von atomwaffenfähigem Material zu entschlüsseln. Auch in den Iran und nach Nordkorea sollen aus Pakistan gelieferte Technologien und Bauteile gelangt seien. Libyens Öffnungspolitik wurde von den USA in den letzten Wochen wiederholt gewürdigt. US-Präsident George W. Bush empfahl Staaten wie Nordkorea, das libysche Beispiel zum Vorbild zu nehmen.

Die USA dürften in den kommenden Monaten eine Entscheidung über die Aufhebung von Sanktionen fällen, sofern Tripolis am Verzicht auf Massenvernichtungswaffen festhält. Dann dürfte es zu einem Run auf Libyens Ölindustrie kommen. Die nachgewiesenen Ölreserven betragen 36 Mrd. Barrel, das Land ist achtgrößter Förderer unter den Opec-Mitgliedern. Durch die fast zwei Jahrzehnte währenden Sanktionen hat Libyen mittlerweile massiven Nachholbedarf bei der Modernisierung seiner Ölanlagen. ConocoPhillips, die drittgrößte amerikanische Ölgesellschaft, erwartet die Erneuerung seiner Ölförderkonzessionen. Archie Dunham, Chairman der Ölgesellschaft, ist auf dem Sprung: „Ich will, dass ConocoPhillips-Mitarbeiter am Tag nach Aufhebung der Sanktionen libyschen Boden betreten.“

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