Troika-Bericht
Das griechische Finanzdrama

Noch bis zu zehn Jahre ist Griechenland lang auf internationale Hilfskredite angewiesen, schätzt der jüngste Bericht der Troika-Experten. Dem krisengebeutelten Land drohen weitere Einschnitte.
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BrüsselBittere Nachrichten für Griechenland und seine Unterstützer: Das Land wird wohl noch bis zu zehn Jahre lang am Tropf internationaler Hilfskredite hängen. Zu diesem Schluss kommen in ihrem jüngsten Bericht die Troika-Experten, die in Griechenland alle paar Monate die Bücher prüfen und die Athener Regierung auf ihre Versäumnisse hinweisen. Für die Griechen ist das ein harter Schlag. Seit anderthalb Jahren wird ihnen inzwischen unter internationaler Aufsicht eine Sparmaßnahme nach der anderen auferlegt.

„Wann wieder Zugang zu den Finanzmärkten besteht, ist schon an sich unsicher“, halten die Experten der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) in ihrem Report fest, über den sich am Freitagabend in Brüssel die Euro-Finanzminister beugten. Angesichts von voraussichtlich über Jahre anhaltend hoher Schulden müsse damit gerechnet werden, dass internationale Unterstützung zum Füllen von Finanzlöchern bis zum Jahr 2021 nötig ist.

Das heißt auch: Noch lange muss Griechenland beweisen, dass es wie gefordert spart, Staatsbesitz verkauft, Beamte entlässt und Renten kürzt. Diese Prozedur zerrt schon jetzt mächtig an den Nerven der Griechen. Regelmäßig stehen Busse, Fähren und Flugzeuge still, weil die Gewerkschaften das Land mit Streiks lahmlegen. Wütend gehen immer wieder Tausende auf die Straßen - gegen die eigene Regierung, gegen die von der EU abverlangten Einschnitte. Aber auch in vielen Euro-Ländern wächst der Unmut, Athen weiteres Geld zu überweisen.

Zur Zeit fliegen vor der Überweisung der jeweils nächsten Rate alle drei Monate die Troika-Experten ein, um die Fortschritte zu prüfen und Nachbesserungen zu verlangen - eine regelmäßig wiederkehrende Zitterpartie, die zu Frust in Griechenland und bei den Euro-Partnern sowie schwankenden Börsenkursen führt. Damit soll Schluss sein. Deutschland ist der Ansicht, dass Athen unter Daueraufsicht gestellt werden muss.

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Banken sollen auf Forderungen verzichten

Kommentare zu " Troika-Bericht: Das griechische Finanzdrama"

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  • Griechenland ist BESETZT ! Heute halt im anderen Stil. Früher sind Truppen einmarschiert. Heute ist es die sogenannte "Troika". Früher haben Soldaten Maschinen mitgenommen und sonstiges was wertvoll war. Heute wird "privatisiert". So läuft das heute - Krieg mit anderen Mitteln und mit anderen Worten. Millionen dumme Schafe in allen Länder fressen weiter brav ihr Gras und gehen täglich malochen....

  • Vielleicht sollte das einaml gelesen werden:

    +++ Portugal: Wirtschaft bricht dramatisch ein +++

    +++ Ratingagentur S&P: Frankreichs AAA-Verlust würde Erdrutsch auslösen +++
    +++ Griechenland: Merkel und Sarkozy verkünden ungeordnete Insolvenz Griechenlands +++

    EU-Finanzminister planen Rettungsschirm mit 1,3 Billionen Euro
    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/10/28853/#comments

  • Nachzutragen wäre, dass womöglich etliche hochrangige Politiker und andere einflussreiche Griechen Konten in der SChweiz haben und zumindest keine Steuern für dieses Vermögen abführen.

    Die Schweiz ist echt ein Schlüssel zum Erfolg der Griechenlandrettung. Mir ist schleierhaft warum die Politik längst noch nicht eingeschritten ist. Man muss Druck ausüben, und zwar nicht nur auf die SChweiz (die würde da sowieso mitspielen), aber auf die griechische Regierung. Denn die Griechen müssten das Geld von der SChweiz einfordern. Man müsste also die Grichen unter Druck setzen, dass sie - zusammen mit IWF, Europa, USA - die Schweiz auffordern, die SChwarzgelder herauzugeben!!!!

    Nochmal:::: Der Worst-Case SChuldenschnitt kostet 200 bis 250 Milliarden. Mit diesen Geldern wären fast 50% der Verluste wieder drin!!! Und die "gewaschene" Geldmenge kann dann weiter besteuert werden.

    Die Tatenlosigkeit ist mir schleierhaft.

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