Troika besorgt

Wirtschaftskraft Griechenlands sinkt

Auch im kommenden Jahr wird sich Griechenlands Wirtschaft nicht erholen - im Gegenteil. Während Athen weiterhin Zuversicht demonstriert, ist die „Troika“ besorgt. Einige der geplanten Sparmaßnahmen wurden abgelehnt.
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Wird die Troika grünes Licht für weitere Hilfstranchen geben? Quelle: dpa

Wird die Troika grünes Licht für weitere Hilfstranchen geben?

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AthenGriechenland steckt tief in der Krise fest. Die Wirtschaft des pleitebedrohten Euro-Landes wird im kommenden Jahr weiter schrumpfen - um fast vier Prozent. Ein Treffen der Geldgeber-„Troika“ mit dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras ging am Montagabend nach etwa 35 Minuten ohne konkretes Ergebnis zu Ende. „Sie (die Troika) wollen einige Erläuterungen des (Spar)Programms haben, das wir ihnen präsentiert haben“, sagte der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras nach dem Treffen. „Wir werden uns wiedertreffen“, fügte der Minister hinzu.

Regierungskreise zeigten sich zuversichtlich. Die Sache sei „nicht in die Sackgasse geraten“, sagte ein Mitarbeiter des griechischen Regierungschefs der Nachrichtenagentur dpa. Ein positiver Bericht der Experten aus der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist Voraussetzung für die Auszahlung einer nächsten Hilfstranche an das pleitebedrohte Euro-Land von 31,5 Milliarden Euro. Wann der Abschlussbericht vorliegen wird, ist weiter unklar.

Ministerpräsident Antonis Samaras steht unter Druck. Er will so schnell wie möglich das grüne Licht der „Troika“ erhalten und das Programm vom Parlament in Athen billigen lassen. Er wolle dann mit dem verabschiedeten Sparprogramm zum EU-Gipfel am 18. und 19. Oktober nach Brüssel reisen, heißt es in griechischen Medienberichten.

Der Tag hatte in Athen schlecht für die „Troika“ begonnen: Dutzende Mitglieder der Rechtspartei der „Unabhängigen Griechen“ beschimpften die Kontrolleure bei ihrer Ankunft im Finanzministerium, wie das Fernsehen zeigte. Das oppositionelle Bündnis der radikalen Linken (Syriza) rief die Bevölkerung auf, die Regierung und die Sparmaßnahmen zu stürzen.

Die Experten stellten bei ihren neuen Kontrollen fest, dass rund zwei Milliarden Euro des Sparpakets in Höhe von insgesamt 14,5 Milliarden Euro unsicher seien und durch weitere Lohn- und Rentenkürzungen ersetzt werden müssten. Zudem sollen 15.000 Staatsbedienstete entlassen werden.

Der griechische stellvertretende Finanzminister, Christos Staikouras, sagte bei der Präsentation des Haushaltsentwurfs 2013, die Griechen hätten seit 2010 49 Milliarden Euro gespart. Es sei der Wille der Regierung „das Land im Euroland zu halten“. Allein 2013 müssen weitere 7,3 Milliarden Euro gespart werden. Die Wirtschaft wird dem Ministerium zufolge weiter schrumpfen, voraussichtlich um 3,8 Prozent im kommenden Jahr.

Dennoch gibt es einen Hoffnungsschimmer. Griechenland hofft, 2013 ohne Schuldendienst erstmals seit Jahren einen Haushaltsüberschuss zu erwirtschaften. Der Haushaltsentwurf, den die Regierung am Montag dem Parlament vorlegte, sieht einen sogenannten primären Überschuss in Höhe von 2,2 Milliarden Euro vor. Ein ausgeglichener Haushalt unter Berücksichtigung des Schuldendienstes liege allerdings noch in weiter Ferne, erklärte Staikouras.

  • dpa
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48 Kommentare zu "Troika besorgt: Griechische Wirtschaftskraft sinkt und sinkt"

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  • @delinix
    ich habe nicht fehlenden Wettbewerb beschrieben, sondern darauf hingewiesen, dass bessere Wettbewerbsbedingungen nicht automatisch Wettbewerbserfolg bedeuten. Beispiele, warum selbst bessere Wettbewerbsvoraussetzungen (z.B. zukünftig niedrigere Löhne) nicht zu Wettbewerbserfolg führen können, haben sie selbst angeführt. Das Umtauschverhältnis in Euro innerhalb der Eurozone ist für jeden Staat gleich (1:1). Weil Griechenland in der Eurozone verbleiben will, muss es ohne Währungsvorteil wettbewerbsfähig sein. Unter diesen Gesichtspunkten habe ich das Bild vom Wettbewerb zwischen Kätzchen und Tigern vorgebracht. Die Schuldenlast ist ein weiterer Nachteil, weil ein höherer wachstumsschädlicher Steueranteil in der Volkswirtschaft erforderlich ist, wenn Griechenland wie beteuert seine Schuldendienste bezahlen will.

  • Aha. Samaras muss also spätestens am 17.September seine JA-Stimmen im Parlament sicher haben. Deshalb ist damit zu rechnen, dass die angeblichen staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen (angeblich) 32 Politiker erheblich zunehmen werden. Denn Samaras braucht einen Grund, um vermutliche NEIN-Stimmen gegen ganz sichere JA-Stimmen austauschen zu können. Diesen Grund wird ihm die Staatsanwaltschaft sicher freundlicherweise liefern. Danach ist dann der Weg frei für weitere Hilfsleistungen, die im griechischen Volk immer weniger Menschen wollen.

  • @ xmalnachgedacht
    Das ist totaler Quatsch. Denn der fehlende Wettbewerb hat seine Ursache

    • im Euro. Der Euro ist für GR viel zu stark.
    • in der Bürokratie. Die Bürokratie ist derart schlimm, dass Investoren abgeschreckt werden.
    • in der Korruption. Die Korruption verteuert und verzögert alles enorm.
    • In der unsicheren Gesetzeslage. Keiner kann abschätzen, was demnächst an Steuern und Abgaben auf ihn zukommt und welche Vorgaben für Betriebe gültig sein werden.
    • im überbordenden Nationalismus. Die Griechen lassen größere ausländische Investitionen nicht zu, weil sie einen angeblichen Ausverkauf des Landes fürchten.
    • in den Gewerkschaften. Die Gewerkschaften verhindern ausländische Investitionen. „Eine Investition in GR ist eine griechische Investition“ sagen sie und meinen damit, dass der Investor nichts zu sagen hat. Sie haben bestbezahlte „Arbeiterväter“ und Führungskader. Deshalb verteidigen sie auch ihre vermeintlichen Rechte mit Zähnen und Klauen.

    Investoren bekommt man so nicht. Und ein benachteiligtes „Wettbewerbskätzchen“ ist GR mit diesen Bedingungen auch nicht gerade. Deshalb, liebe/r „xmalnachgedacht“ – noch ein weiteres mal nachdenken! ;)

  • Der Morgenthau-Plan oder warum Europa verblutet.
    Die Euro- und EU-Verträge, von der deutsch-französische Achse entworfen und durchgesetzt, führen zu eine Art Morgenthau-Plan für die Peripherieländer der Währungsunion.
    Die wirtschaftlich schwache Euro-Länder werden, weil ihre Wirtschaft gegen die stärkere Wirtschaften nicht geschützt ist, immer schwächer. Dies führt dazu dass vielen jungen und gut ausgebildete Menschen aus diesen Länder keine andere Alternative bleibt als Europa den Rücken zu kehren und ihr Glück auf andere Kontinente zu suchen.
    Diese Hämorrhagie ist nicht nur eine menschliche Tragödie aber auch wirtschaftlich nachteilig für Europa. Bedingt durch den permanenten deutschen Leistungsbilanzüberschuss, ist der Euro für die meisten andere Euro-Länder überbewertet und erschwert diesen Ländern Exporte und bremst deren Importe nicht ab. Folge: Wirtschaftlicher Niedergang. Der führt dann zu geringeren Staatseinnahmen, die wiederum zu einer höheren Verschuldung, die wiederum zu höheren Zinsen für das Land und seine Wirtschaft.
    Niemand soll sagen, dass diese Dinge nicht absehbar gewesen seien - dass ist Ökonomie-Grundstudiums-Wissen.
    Was Europa braucht sind Vertragsänderungen die zu einer Wirtschaftskonvergenz innerhalb der Währungsunion führen und zu einer horizontalen Arbeitsteilung, Vertragsänderungen die den natürlichen Standortsnachteile der Peripherieländer berücksichtigen und entgegen wirken.
    Es geht um Europa, nicht um Deutschland das aber nur Teil davon ist!

  • @Endgame
    Aufstehen MÜSSEN wir, ja. Aber draufhauen brauchen wir nicht. Denn:
    Es GIBT inzwischen eine wirkliche Alternative, die die angeblich alternativlose Euro-Politik beenden könnte. Denn hinter den Freien Wählern, die man schon aus Bayern kennt, steht jetzt der Zusammenschluss wichtiger Fachleute und Ökonomen, der Wahlalternative 2013. Diese haben sich kürzlich zusammengetan, ein starkes Bündnis starker Leute. Keine Taxifahrer, Grundschullehrer oder Dachdecker, sondern endlich mal Leute vom Fach.
    Sie meckern auch nicht etwa nur, sondern bieten eine gute Handlungsalternative an.
    Wir dürfen also endlich wieder HOFFEN!
    Damit es klappen kann, müsst IHR aber auch Euer Interesse bekunden und mitzeichnen!!
    Wahlalternative2013.de anschauen!

  • @Rechner
    Stimmt. Ich kam mir schon vor wie in "Und täglich grüßt das Murmeltier";))

  • @Rechner
    <Weshalb es unter anderen auch eine Frage der Hygiene ist Griechenland endlich den Geldhahn zuzudrehen und dem schlechten Geld nicht fortwährend gutes hinterherzuwerfen.>

    Überzeugen Sie Schäuble/Merkel von der Einstellung der Rettungspakete für Griechenland. Was würde die EZB in diesem Fall machen?

    Das Geld, welches wir Griechenland überweisen sehen wir sowieso nicht mehr. Es sei denn es stimmt, dass Griechenland riesige Bodenschätze hat, die auf Ausbeutung warten. Dann sollten allerdings die Verträge entsprechend angepasst werden, und wir als Sicherheit an diesen Vorkommen beteiligt werden.

    Bei einer Fortführung des Sparpakets wird es höchstwahrscheinlich zu einem Regierungswechsel kommen. Tsipras hat schon gesagt, was er dann macht. - Ende September in Hamburg: Auf der Kundgebung sprach auch der Chef der radikalen Linken in Griechenland, Alexis Tsipras. "Ich bin hier, um das Versprechen zu geben, dass Griechenland bald eine linke Regierung haben wird, die das Papier zerreißen wird, auf dem der Sparpakt geschrieben wurde", sagte Tsipras.

  • Die Troika hätte es in der Hand, ihre Sorgen zu mindern: indem sie diejenigen Sparmaßnahmen zurücknimmt, welche die Arbeitslosigkeit und die Rezession verstärken - und Zinsen und Schulden, soweit ihre Begleichung aussichtslos ist, endlich vergisst (und und allen endlich die Wahrheit sagt).


  • @rechner

    Stimme ihren obigen Beträgen voll bei. Die durch US/GBR Kresie gewollte schnelle EU Erweiterung zur Schwächung Europas ist darueberhinaus eine weitere Karte im Spiel der Kräfte. China stehtvia Südeuropa auf den Sprung. Die Produktpalette änderte sich in GR schon merklich. Der Ausverkauf Europas und seiner (noch) sicheren Technologiegaps beginnt...

  • Wie kann eine Volkswirtschaft derart aufgebläht sein, dass sie sich so weit gesund schrumpfen muss.

    Und wie löchrig sind die Strukturen, dass selbst so niedrige Renten nicht von der arbeitenden Bevölkerung durch deren Steuern aufgebracht werden können.

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