Troika-Kreise

Griechenland braucht noch lange Finanzhilfe

Griechenland wird länger als geplant auf Finanzhilfen angewiesen sein. Auch 2020 kann das Land seine Schuldenlast noch nicht selber tragen. Nicht das einzige Land mit notorischem Kapitalbedarf.
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Vor dem griechischen Parlament: Noch lange kein Hoffnungsschimmer in Sicht. Quelle: dpa

Vor dem griechischen Parlament: Noch lange kein Hoffnungsschimmer in Sicht.

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AthenBisher waren die Geldgeber des Landes davon ausgegangen, dass Hellas seine Schuldentragfähigkeit bis 2020 wieder herstellt. Dieses Ziel sei nicht mehr erreichbar,  hieß es in Kreisen der Troika aus IWF, EU-Kommission und EZB.

Damit erweisen sich grundlegende Annahmen für das zweite griechische Hilfspaket nun als Makulatur. Im Februar dieses Jahres hatten Euro-Zone und IWF dem Land neue Kredite von 130 Milliarden Euro bewilligt. Die privaten Gläubiger schrieben zugleich 70 Prozent ihrer nominalen Forderungen an das Land ab.

Bedingung dafür war, dass Griechenland seine Staatsverschuldung bis 2020 auf 120,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) drückt. Dieser Prozentsatz gilt als Maßstab für die Schuldentragfähigkeit eines Euro-Staates. Um das Ziel zu erreichen, sollte die Regierung in Athen ab 2014 einen jährlichen Primärüberschuss von 4,5 Prozent des BIP ausweisen. Daraus wird nun nichts mehr. Den Überschuss werde Griechenland nicht vor 2016 erzielen, hieß es in Troika-Kreisen.

Unterdessen hofft auch Zypern nun auf direkte Kapitalspritzen aus dem Euro-Rettungsfonds für seine Banken. Nach Spanien fordert Zypern eine direkte Rekapitalisierung seiner Banken aus dem Euro-Rettungsfonds. „Es wäre sehr wichtig für uns, dass der ESM unsere Banken ab Januar 2013 direkt rekapitalisiert“, sagte der Gouverneur der Zentralbank von Zypern, Panicos Demetriades, dem Handelsblatt. „Idealerweise sollte der ESM den künftigen Kapitalbedarf der systemischen Geldinstitute in der Euro-Zone decken, wenn die Bankenunion geschaffen ist. Insbesondere kleine Länder mit einem großen Bankensektor wie Zypern werden sonst überfordert“, sagte der Notenbankchef.

Das Hilfsprogramm von Euro-Zone und IWF für Zypern wird seinen Angaben zufolge voraussichtlich im Oktober fertiggestellt. Zypern werde bis zu fünf Jahre lang Kredite von der Euro-Zone und vom IWF benötigen. „Ein Dreijahresprogramm wird möglicherweise nicht reichen, auch wenn wir das hoffen. Es könnte vier oder fünf Jahre dauern“.

Zypern hatte Ende Juni in der Euro-Gruppe einen Antrag auf Hilfe aus dem Euro-Rettungsschirm gestellt. Anders als Spanien wird das Land nicht nur Kredite für seine Banken erhalten, sondern voll unter den Schirm schlüpfen. Das bedeutet, dass Zypern nicht nur seine Banken restrukturieren muss, sondern auch auch Spar- und Reformauflagen zu erfüllen hat. Die Euro-Zone erwartet zum Beispiel, dass die Regierung in Nikosia die in Teilbereichen der Wirtschaft extrem niedrige Unternehmensteuer erhöht.

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69 Kommentare zu "Troika-Kreise: Griechenland braucht länger Finanzhilfen"

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  • Wenn der griechische Fiskus mal die gr. Steuerflüchtline verfolgen würde, die Ihr Geld bspw. in londoner Immobilien parken (nebenbei: in GBP und damit EUR krisensicher), dann würde die Sache schon mal einen Gerechtigkeitsschub bekommen. Stattdessen hat Griechenland die Hilfe, eine funktionierende Steuerverwaltung aufzubauen, abgelehnt. Und wir zahlen weiter. Wie blöd muss man sein. Mir tun die rechtschaffen Griechen leid, die mitansehen müssen, wie die wirklich Reichen ihr Geld ausser Landes schaffen und keinen Beitrag zum Land bringen müssen. Schuld ist die griechische Regierung, die einfach keine Strukturreformen im Amtswesen auf die Beine bringt.

  • Ich bin total überrascht,dass Griechenland weitere Hilfen benötigt. Das war wirklich überhaupt nicht absehbar. Nicht mal ein kleines bisschen.

  • Wenn die sich verabschieden, gibt es aber auch kein Geld mehr. Übrgens, präziser: das deutsche Geld des Noramlverdieners: wo die große Vermögen liegen, wissen wir ja.

  • Glauben Sie im griechischen Gesundheitswesen wird nicht gestohlen?

    Weit gefehlt.

    Die Ausgaben sind bis letztes Jahr kontinuierlich gestiegen.

    Und trotzdem kommt bei den Patienten nichts mehr an.

    Umso mehr kommt allerdings auf dem bulgarischen Schwarzmarkt an (Medikamente) und auf dem Konto von Konstantinou Papaschamlos bei der Commerzbank in Frankfurt.

    ...

    Die einzige sinnvolle humanitäre Hilfe in Fällen wie Griechenland und Sudan ist direkte Hilfe durch Rotkreuz, THW und Bundeswehr.

  • Und...

    ...warum sind die noch nicht gepfändet?

  • +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

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  • Liebe Troika,
    ihr könnt jetzt Urlaub machen. Wir brauchen euch und eure Berichte nicht mehr. Griechenland bekommt auch so das Geld ohne dumme Kommentare von Wirtschaftsfachleuten. Die Hürde von 190 Mrd. wird Griechenland nach "harten und zähen" (Schäuble dann) Verhandlungen nehmen.

  • Der Unterschied ist eben, daß Deutsche Banken mit Deutschem Geld gerettet werden , französische und griechische Banken aber eben nicht mit französischem und griechischem Geld, sondern ebenfalls mit deutschem Geld. Denn schon sehr bald werden sich die Südlinge aus dem esm auf französisch verabschieden....

  • Ende 2011 sind südlich von Zypern Erdgasvorkommen entdeckt worden. Die Förderrechte sollte Zypern zum Teil schon jetzt versteigern

  • Wie lange soll die Finanzierung unsolider Banken und der Club-Med Staatshaushalte durch die Geberländer noch dauern?

    Auch Zypern war lange Zeit eine Steueroase die auf Kosten Deutschlands profitierte. Die Folge war ein ungesundes Wachtum der Finanzindustrie auf der Insel. Nun sollen wir auch hier diese Fehlentwicklungen mit Steuergeld ausgleichen. Zeigt den Euro-Rettern am Wahltag die rote Karte!

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