Troika
Verhandlungen in Athen ziehen sich hin

Die Verhandlungen in Griechenland werden wohl noch bis zu zwei Wochen dauern. Damit wird es keine Einigung bis zum Eurogruppen-Treffen am Montag geben. In einigen Punkten konnten jedoch Fortschritte erzielt werden.
  • 18

Athen/Helsinki/FrankfurtGriechenland wird sich Regierungskreisen zufolge bis zum Treffen der Finanzminister der Eurozone am Montag nicht mit seinen Geldgebern auf Milliardeneinsparungen einigen. Ein hochrangiger Vertreter des Finanzministeriums in Athen sagte am Samstag, von einer Übereinkunft sei nicht auszugehen - eher sei damit zu rechnen, dass die Verhandlungen noch weitere zwei Wochen dauern würden. Die Gespräche machten aber nach Darstellung Griechenlands wie auch der Geldgeber Fortschritte. EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen lehnte die jüngste Bitte des griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras nach finanziellen Erleichterungen allerdings ab.

Der Vertreter des Finanzministeriums sagte nach einer Verhandlungsrunde in der griechischen Hauptstadt, die Regierung in Athen wolle die Eurogruppen-Minister bei deren Beratungen in Luxemburg überzeugen, in einer Erklärung offiziell zu bekunden, dass Fortschritte erzielt worden seien. Die Troika aus Europäischer Zentralbank, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds dringt auf Kürzungen von fast zwölf Milliarden Euro. Die griechische Regierung will ihren Bürgern aber noch höhere Gehalts- und Rentenkürzungen ersparen, nachdem fünf Jahre Rezession die Arbeitslosigkeit auf Rekordhöhen getrieben und die Haushaltseinkommen empfindlich verringert haben.

Wie von Griechenland, so wurde die Entwicklung der Troika-Verhandlungen auch von EU und IWF positiv dargestellt. Diese seien vorangekommen, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn dem finnischen Sender YLE. IWF-Chefin Christine Lagarde sagte während eines Aufenthalts in Riad, Gespräche des Währungsfonds mit Griechenland über den Fiskalteil des Programms "seien sehr gut und produktiv" verlaufen.

Finanzminister Yannis Stournaras hatte vor wenigen Tagen angegeben, bis Mitte Oktober mit dem entscheidenden Bericht für die Freigabe der nächsten Hilfsgelder zu rechnen. Ursprünglich sollte der Bericht, der die Basis für die Entscheidung über die Freigabe von 31 Milliarden Euro aus dem Hilfspaket ist, im September vorgelegt werden.

Asmussen warnte, die dringend benötigte nächste Tranche aus dem zweiten Hilfspaket sei "kein Selbstläufer". Er lehnte eine Verlängerung der Laufzeiten für griechische Anleihen oder Zinssenkungen in der "Bild am Sonntag" ab. Beide Maßnahmen wären eine Form von Schuldenerlass und damit eine direkte Finanzierung des griechischen Staates, sagte Asmussen laut Vorabbericht.

Ohne die nächste Hilfstranche droht dem Land langfristig die Pleite und der Austritt aus der Euro-Zone. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Regierung in Athen auf jeden Fall Geld erhalten wird, um eine weitere Destabilisierung des Währungsraums zu verhindern. Am Dienstag reist Merkel zu Gesprächen mit Samaras nach Athen.

EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure warnte, die Wirtschaft der Euro-Zone werde bis zu einer vollständigen Gesundung noch Jahre benötigen. Allerdings werde sie aus der Krise gestärkt hervorgehen, sagte er der slowenischen Zeitung "Delo".


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Troika: Verhandlungen in Athen ziehen sich hin"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Europa ist nur noch zu retten, wenn der Euro aufgelöst wird, auch wenn das vorübergehend zur Krise führt. Die Südstaaten benötigen dringend eine Währungsabwertung, die im Euro nicht möglich ist. Deutschland andererseits muss von den Transferzahlungen befreit werden und die Früchte seiner höheren Wettbewerbsfähigkeit auch in Form von Aufwertungen (und damit Verbilligung aller Importe usw.) einnehmen dürfen. Das hat der deutschen Industrie in den 50 Jahren vor dem Euro nie geschadet, sondern genützt.
    Der Euro ist ein Projekt von Politspinnern, die das längst absehbare Scheitern wegen der damit verbundenen Krise nur noch hinauszögern und damit immer teurer (für Deutschland) machen. Derweil sorgt die internationale Finanzindustrie dafür, dass immer mehr der abzuwertenden und damit nicht voll einbringbaren Kredite der Südstaaten über EZB und Target2 unter Bruch aller Verträge auf Deutschland verlagert werden. Unsere Volksfrontpolitiker von Merkel bis Steinbrück sind so blöd und lassen das auch noch zu.
    Deutschland muss raus aus dem Euro - sofort! Schluss mit dem Bruch der EU-Verträge. Durchsetzung der no-bailout Klausel sofort! Schluss mit der Versklavung der deutschen Bevölkerung, die dazu gezwungen wird, über Target2 die deutschen Exporte zu finanzieren und zu verschenken und die Vermögen der Mittelmeermafia zu retten!

  • Medien wollen verkaufen, das ist in Griechenland nicht anders als auch in Deutschland. Aber selbst wenn die Realität geschrieben steht, liest der gemeine Leser nur das was ihm gefällt. Deswegen funktioniert Demokratie nicht wirklich und bleibt eine Illusion - wir haben nur nichts besseres ...so jedenfalls Platon

  • Wieso sollten die das Schreiben? Die Wahrheit passt den Zeitungen in Griechenland und den dahinter stehenden Akteuren nicht in die "Aufführung Opferrolle", da stören andere "Opfer". Den sonst würden vielleich auch mal die reichen Griechen (Politiker, Reeder u. Zeitungsverleger/besitzer) zur Rettung des eigenen Volkes herangezogen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%