Trostpflaster für reiche Russen

Zypern verkauft Staatsbürgerschaften

Als Kompensation für Verluste durch Zwangsabgabe auf hohe Vermögen will Zyperns Präsident jetzt russischen Geschäftsleuten die zyprische Staatsbürgerschaft anbieten. Gerade in Limassol rennt er damit offene Türen ein.
Update: 15.04.2013 - 13:39 Uhr 27 Kommentare
„Schlag ein!”: Zyperns Präsident bietet reichen Russen einen Deal an. Quelle: dpa

„Schlag ein!”: Zyperns Präsident bietet reichen Russen einen Deal an.

(Foto: dpa)

LimassolRussische und andere Unternehmer, die wegen der Zwangsabgabe auf Zypern mehr als drei Millionen Euro verloren haben, sollen als eine Art Entschädigung die Staatsbürgerschaft der Inselrepublik erhalten. Das kündigte der zyprische Präsident Nikos Anastasiades am Sonntagabend in einer Rede vor russischen Unternehmern in der zyprischen Hafenstadt Limassol an. Für viele Russen, Chinesen und Ukrainer ist das Angebot verlockend. Sie können sich mit zyprischem Pass visafrei in ganz Europa und den meisten anderen Ländern der Welt bewegen.

Die Regierung in Nikosia erörtert zudem weitere Maßnahmen für einen Neustart der zyprischen Wirtschaft. Unter anderem sollen - gegen den Willen der Kirche - zwei Kasinos im Südteil der Insel eröffnet werden. Die Formalitäten für Baugenehmigungen für Hotels und andere touristische Anlagen sollen vereinfacht werden, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des Finanzministeriums.

Unter anderem soll allen Ausländern die Staatsbürgerschaft gegeben werden, die auf Zypern Immobilien haben oder kaufen werden, deren Wert 15 Millionen Euro übertrifft. Die entsprechenden Erlasse für die Vergabe der Staatsbürgerschaft sollen an diesem Dienstag bei einer Sitzung des Ministerrates ausgegeben werden. Anastasiades will die Details der Maßnahmen zum Neustart der Wirtschaft später in dieser Woche, „wahrscheinlich am Donnerstag“ bekanntgeben, hieß es seitens der Präsidentschaft.

Wie es aus Kreisen des Finanzministeriums hieß, soll ein ganzes Bündel von Maßnahmen zur Wiederbelebung der zyprischen Wirtschaft beschlossen werden. Zypern wirbt weiterhin damit, dass es die Unternehmenssteuer nur von 10 auf 12,5 Prozent erhöht hat und die Insel damit weiterhin ein günstiger Ort für unternehmerische Tätigkeiten bleibe.

Analysten schätzten, dass russische Unternehmer und andere Bürger aus Osteuropa vor der Verhängung der Zwangsabgabe auf Geldeinlagen gut 30 Milliarden Euro auf zyprischen Banken hatten. Die Maßnahme der Staatsbürgerschaft für Investoren ist nicht ganz neu. In den vergangenen Jahren hatten mehrere Russen, Ukrainer und Chinesen die zyprische Staatsbürgerschaft erhalten. Voraussetzung dafür war, dass sie Immobilien im Wert von 15 Millionen Euro auf Zypern kaufen und diese mindestens fünf Jahre lang nicht weiterverkaufen. Nun soll diese fünfjährige Frist abgeschafft werden.

Wie die Nachrichtenagentur dpa weiter erfuhr, sollen einige Minister zusätzlich vorgeschlagen haben, dass die Staatsbürgerschaft auch denjenigen Unternehmern angeboten werden soll, die neue Geldeinlagen ins Land bringen. In welcher Höhe dies sein soll, blieb zunächst unbekannt. Darüber berate der Ministerrat, hieß es aus Kreisen der Staatspräsidentschaft.

Die EU hatte die Zwangsabgabe als Maßnahme zur Rettung der zyprischen Banken angeordnet. Betroffen sind die beiden größten Banken der Insel. Bei Geldeinlagen auf der Bank of Cyprus über 100 000 Euro können bis zu 60 Prozent verloren gehen. Noch schlimmer hat die Zwangsabgabe die Sparer der Laiki Bank getroffen. Die Bank wird zerschlagen und alle Spareinlagen über 100.000 Euro gehen an eine sogenannte Bad Bank und gelten damit für die Sparer als verloren.

  • afp
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Trostpflaster für reiche Russen - Zypern bietet Staatsbürgerschaft für drei Millionen Euro

27 Kommentare zu "Trostpflaster für reiche Russen: Zypern bietet Staatsbürgerschaft für drei Millionen Euro"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Großbritannien, Frankreich, Deutschland - halb Europa ist
    besiedelt mit kriminellen Russen. Die werden jetzt einfallen wie die Heuschrecken, um die Früchte ihrer Verbrechen in demokratischen Ländern mit hoher Rechtssicherheit genießen zu können.Man muß denen auf jeden Fall genau auf die Finger schauen - wie in Russland die NGO`s.

  • Statt den Sumpf um die geldverschiebenden Bonzen-Russen endlich trocken zu legen, kriecht dieser Staatspräsident denen auch noch weiter und immer tiefer hinten rein. Widerlich!

  • @ rmartin
    Das ist eine Folge der Kolonialherrschaft. Hollande ist der Staatsoberhaupt von Mayotte.
    Die EU Bürger wurden zu keinem Beitritt gefragt.

  • Freies Handeln und Walten für die Russenmafia. Vielen Dank an unsere Politiker, dass sie unsere Werte alle verramscht haben!

  • Wer hat uns Le Euro aufgehalst?

    Was hat de Gaulle ueber die EU gesagt "ein Mittel um Frankreich wieder als Nummer 1 in der Welt empor zu heben"




  • Das ist ein alter Hut, Griechenland verkauft seine Staatsbuergerschaft seit Jahren. Von einem Berliner Beamten weiss ich, in Berlin alleine wohnen 1200 Griechen Russischer Herkunft. Nicht so schlimm, wenn die anstaendig zu ihrem Wohlstand gekommen sind dann schon.

    Schauen wir mal was Bugarien, Romanien, und demnaechst Kroatien mit ihrer Staatsbuergerschaft machen

  • Das erinnert mich an die französische Insel Mayotte, deren Bewohner im Jahre 2011 abstimmten, dass sie zur EU incl. Euro gehören wollen. Die EU ist nun um etwa 160000 Moslem reicher, EU-Bürger wurden zu dieser Sache jedoch nicht befragt. Die EU ist einfach ein korrupter Saustall, in dem die Bürger keinerlei Stimme haben. Die Politiker können machen was sie wollen und das EU-Parlament nickt jeden Schwachsinn ab.

  • Noch zwei Jahre und alles in Europa steht zum Verkauf.
    -----------------------------------------------------
    Das wäre nicht das Schlechteste. Dann könnten wir uns Inseln wie Zypern, Kreta, Samos, Santorini, Lesbos oder Mykonos kaufen, bzw. mit der Kohle, die wir schon rübergeschoben haben, verrechnen!

  • Noch zwei Jahre und alles in Europa steht zum Verkauf.

  • Nichts neues.
    "The USA, Canada, Belgium, Australia, Singapore, and the United Kingdom are countries which offer residence to wealthy individuals and investors, as well as citizenship at a later stage. Other countries offer citizenship-for-investment programs, sometimes also known as Economic Citizenship Programs"
    Österreich gibt es für 10 Millionen Dollar.
    https://www.henleyglobal.com/citizenship/citizenship-by-investment/

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%