Trotz Drohungen Nordkoreas USA und Südkorea halten an Manöver fest

Die amerikanisch-südkoreanischen Militärmanöver lösen oft heftige Reaktionen Nordkoreas aus. Vor einer neuen Übung wächst die Sorge, Kim Jong Un könnte seine Drohungen gegen die US-Pazifikinsel Guam wahr machen.
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Nach gegenseitigen Drohungen hatten der US-Präsident und Nordkoreas Machthaber verbal abgerüstet. Doch das von den USA und Südkorea geplante Militärmanöver könnte den Konflikt wieder verschärfen. Quelle: AP
Donald Trump und Kim Jong Un

Nach gegenseitigen Drohungen hatten der US-Präsident und Nordkoreas Machthaber verbal abgerüstet. Doch das von den USA und Südkorea geplante Militärmanöver könnte den Konflikt wieder verschärfen.

(Foto: AP)

SeoulNach ihrem Krieg der Worte und gegenseitigen Drohungen hatten US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zuletzt verbal abgerüstet. Doch wie lange die Menschen in der Region durchatmen können, ist offen. Klarheit könnten schon die nächsten Tage bringen. Denn die Streitkräfte der USA und Südkoreas halten von Montag bis Ende dieses Monats ihr alljährliches Manöver „Ulchi Freedom Guardian“ (UFG/Ulchi-Freiheitswächter) ab.

In beiden Ländern besteht die Sorge, der Dauerkonflikt um Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm könnte sich durch das Manöver wieder verschärfen und Kim womöglich dazu veranlassen, den Befehl zu weiteren Raketentests zu geben. Diese könnten wiederum eine heftige Reaktion aufseiten der Amerikaner auslösen.

Die Bedeutung der Insel Guam
Die US-Stützpunkte auf Guam
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Auf Guam gibt es zwei bedeutende Militärstützpunkte, den Luftwaffenstützpunkt Andersen im Norden der Insel und eine zur Marine gehörende Basis im Süden. Zwischen ihnen liegt der Touristenbezirk Tumon mit Hotelanlagen und Resorts. Der Marine-Stützpunkt kann bis zum Jahr 1898 zurückverfolgt werden, als die USA Guam von Spanien nach dem Spanisch-Amerikanischen-Krieg übernahmen.

Luftwaffenbasis seit dem zweiten Weltkrieg
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Die Basis der Luftwaffe wurde 1944 während des Zweiten Weltkriegs gebaut, als die USA sich darauf vorbereiteten, Bomber nach Japan zu schicken. Der Andersen-Stützpunkt hält heute eine Hubschrauberstaffel und Langstreckenbomber, die zwischen Guam und dem US-Festland hin- und herfliegen. Am Marine-Stützpunkt befinden sich vier nuklear betriebene U-Boote zum Schnellangriff und zwei U-Boot-Begleitschiffe.

Die Bewohner von Guam
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Auf Guam sind 7.000 Einsatzkräfte des US-Militärs stationiert, die meisten davon Soldaten der Luftwaffe oder der Marine. Die Armee plant, zusätzlich Tausende Marinesoldaten von Okinawa im Süden Japans nach Guam zu verlegen. Die Gesamtbevölkerung der Insel liegt bei rund 160.000. Die Einwohner des US-Überseegebiets im Pazifik haben Angst, dass sie in die Schusslinie des Atomstreits zwischen Nordkorea und den USA geraten könnten.

Geostrategische Bedeutung
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Die Insel hat große strategische Bedeutung: Guam liegt nur einen kurzen Flug von der Koreanischen Halbinsel entfernt, ebenso von anderen potenziellen Krisenherden in Ostasien. Seoul liegt rund 3.200 Kilometer nordwestlich von Guam, Tokio 2.400 Kilometer nördlich und Taipeh 2.700 Kilometer westlich. Da Guam Außengebiet der Vereinigten Staaten ist, können die USA jederzeit Kräfte von dort einsetzen, ohne dass das Land Sorge haben müsste, dass eine Gast-Nation möglicherweise Einwände gegen die Aktionen des US-Militärs haben könnte.

U-Boote auf Guam
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Die U-Boote des Marinestützpunktes sind wichtig, um Informationen in der Region - etwa von der Koreanischen Halbinsel und aus dem Südchinesischen Meer - zu sammeln. In Letzterem hat China Militärstützpunkte auf künstlichen Inseln aufgebaut.

US-Militär auf Guam
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Im Jahr 2004 haben die USA damit begonnen, Langstreckenbomber der Typen B-2, B-1 und B-52 wechselweise zum Stützpunkt Andersen zu schicken. Ziel war die Kompensation von Streitkräften, die aus dem asiatisch-pazifischen Raum für Kämpfe im Nahen Osten abgezogen wurden. Zudem hatte Nordkorea damals seine Bemühungen um die Entwicklung seines Atomwaffenprogramms erhöht. 2013 schickte die US-Armee das Raketenabwehrsystem THAAD nach Guam, das ballistische Raketen in ihrer finalen Flugphase zerstören kann.

Bevölkerung und Regierung
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Die Insel wurde erstmals vor rund 4.000 Jahren von den Vorfahren des Volks der Chamorro besiedelt. Die Chamorro machen auch heute noch die größte ethnische Gruppe der Insel aus. Die Hauptstadt Guams ist Hagatna, die größte Stadt ist mit rund 45.000 Einwohnern jedoch Dededo. Die Hauptsprachen sind Englisch und Chamorro. Auf der Insel gibt es populäre Bewegungen, die entweder mehr in Richtung Eigenverwaltung oder hin zum US-Beitritt tendieren. In den 1980er-Jahren gab es zudem einen Versuch, Guam zu einem US-Freistaat nach Vorbild Puerto Ricos zu machen. Der Versuch scheiterte jedoch.

Insbesondere in den USA ist man besorgt, ihre Pazifikinsel Guam, auf der Washingtion einen strategisch wichtigen Militärstützpunkt unterhält, könnte die Bedrohung durch Nordkoreas Raketen zu spüren bekommen. Die kommunistische Regierung in Pjöngjang unterstellt den USA regelmäßig, durch ihre Manöver mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten. „Das hat die Befürchtungen erhöht, das diesjährige UFG-Manöver könnte eine neue Krise auslösen, da Nordkoreas Führer Kim Jong Un die Drohung aufrechterhalten hat, Raketen in die Gewässer nahe Guam zu feuern“, schreibt die Militärzeitung „Stars and Stripes“.

Die USA und Südkorea betonen routinemäßig, das UFG-Manöver habe wie auch die größeren gemeinsamen Frühjahrsübungen defensiven Charakter. Im Zentrum von UFG stehen computergestützte Simulationen eines Krieges auf der koreanischen Halbinsel. Mit UFG wollen beide Alliierten nach eigenen Angaben ihre „Bereitschaft“ stärken.

Das Pentagon kündigte an, an UFG würden diesmal neben bis zu 50.000 südkoreanischen Soldaten 17.500 amerikanische Soldaten teilnehmen – einige tausend weniger als im vergangenen Jahr. Das hatte bereits in Südkorea Spekulationen ausgelöst, die USA und Nordkorea könnten geheim verhandelt haben. Trump hatte Kim zuletzt gelobt: „Er hat eine sehr weise und gut durchdachte Entscheidung getroffen“, twitterte der US-Präsident am Mittwoch.

Nordkorea verschärft Rhetorik
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