Trotz Friedensappelle
Taliban rennen gegen US-Basis an

Mit einem Aufruf zu Frieden und Zusammenarbeit ist am Sonntag in Kabul die Ratsversammlung hunderter Stammesführer aus Afghanistan und Pakistan beendet worden. Doch der Appell verhallt ungehört. Die Taliban bereiten offenbar einen Großangriff auf die US-Basis vor.

HB KABUL. Während Stammesführer aus Afghanistan und Pakistan auf der sogenannten Friedens-Dschirga in Kabul über die grenzüberschreitende Gewalt der Taliban debattierten, demonstrierten die Aufständischen wenige hundert Kilometer weiter südwestlich ihre Stärke. Drei Mal in nur fünf Tagen griffen Rebellen die US-Basis „Anaconda“ in der Provinz Urusgan an. Nun wartet die US-Armee auf den Versuch der Taliban, den Stützpunkt bei einem Großangriff einzunehmen.

Die Attacken sind ein Anzeichen dafür, wie schlecht die Sicherheitslage am Hindukusch ist. Ob die am Sonntag beendete Friedens-Dschirga daran etwas ändern wird, ist zweifelhaft.

Nach viertägigen Beratungen hatte neben dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai überraschend auch dessen pakistanischer Amtskollege Pervez Musharraf die rund 650 Stammesführer, Politiker und Religionsgelehrten der Dschirga verabschiedet. Musharraf hatte seine Teilnahme an der Eröffnung der fast ein Jahr lang geplanten Ratsversammlung zum Kampf gegen die Taliban kurzfristig abgesagt - eine Demütigung für Karsai, zu dem er ohnehin ein eisiges Verhältnis hat. Die US-Regierung soll Musharraf nach Medienberichten gedrängt haben, wenigstens zum Ende des Treffens nach Kabul zu reisen und der Versammlung so noch etwas mehr Gewicht zu geben.

Den teils verfeindeten Stammesführern gelang es bei der Dschirga, sich auf eine gemeinsame Erklärung zu verständigen. Unter anderem hieß es dort, Ausbildungslager für Terroristen dürften in keinem der beiden Länder geduldet werden. Die radikal-islamischen Taliban hatten die Ratsversammlung, die mit einem Aufruf zu Frieden und Zusammenarbeit endete, als „Verschwendung von Zeit und Geld“ abgetan und zu ihrem Boykott aufgerufen. Tatsächlich hatten rund 60 wichtige Delegierte vor allem aus den pakistanischen Stammesgebieten, in denen die Taliban ihren Rückzugsraum haben, ihre Teilnahme abgesagt. Sie hatten das unter anderem damit begründet, dass eine wichtige Konfliktpartei nicht zu dem Treffen eingeladen wurde: Die Taliban.

Karsai kann immerhin als Erfolg verbuchen, dass Musharraf bei der Ratsversammlung deutlich wie selten Pakistans Mitverantwortung am Wiedererstarken der Taliban einräumte. Zwar sagte Musharraf, „die Wurzel des Aufstandes“ sei in Afghanistan zu suchen. Es gebe aber Unterstützung für die Taliban aus den pakistanischen Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan gebe. „Es ist unsere Verpflichtung und Verantwortung, nicht zu erlauben, dass diese Unterstützung für Probleme in Afghanistan sorgt.“ Pakistan gehe es entgegen Anschuldigungen aus Kabul nicht darum, das Nachbarland zu destabilisieren. „Wir wollen Frieden in Afghanistan.“

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