Trotz Gipfelbeschlüsse
Ratingagenturen bleiben skeptisch

Für die Ratingagenturen Moody's und Fitch gehen die Beschlüsse des EU-Gipfels nicht weit genug. Die Kritik sorgte am Montag für Katerstimmung an den Finanzmärkten.
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Berlin/London/AthenDie Beschlüsse des EU-Gipfels zur Bekämpfung der Schuldenkrise haben noch nicht zur erhofften Beruhigung der Märkte geführt. Neue Nervosität löste am Montag die Ratingagentur Moody's aus, die von den weitreichenden Entscheidungen der europäischen Staats- und Regierungschefs nicht überzeugt ist. Die Kreditwürdigkeit aller EU-Staaten werde im ersten Quartal 2012 einer genauen Prüfung unterzogen, teilte die Agentur am Montag mit und bekräftigte damit ihre Warnung vom November.

Am Abend legte auch die Ratingagentur Fitch nach: Das Spitzentreffen habe wenig dazu beigetragen, den Schuldendruck von der Währungsunion zu nehmen, heißt es in einer am Montagabend veröffentlichten Analyse. Fitch betrachtet die Europäische Zentralbank (EZB) als einzige Instanz, die kurzfristig „Feuerschutz“ für die angeschlagenen Euroländer bieten kann. Hoffnungen auf einen massiveren Einsatz der Notenbank seien nach den Gipfelergebnissen jedoch nicht angebracht. Auf dem Gipfel sei zwar starke politische Unterstützung für die Gemeinschaftswährung demonstriert worden, allerdings liefere der schrittweise Ansatz der Politiker keine sofortige umfassende Lösung, so Fitch.

Standard & Poor's, die dritte große Agentur, hatte die Länder der EU und Eurozone bereits vor dem Spitzentreffen unter verschärfte Beobachtung gestellt.

Derweil verteidigte der britische Premier David Cameron vor dem Parlament seine Blockadehaltung beim jüngsten EU-Gipfel gegen heftige Kritik. Er habe im Interesse des Landes gehandelt, Großbritannien spiele in der EU weiter ganz vorne mit, sagte er. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy versprach, die Union werde bei Reformen Tempo machen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will dem Bundestag am Mittwoch ihr Vorgehen in der Euro-Schuldenkrise erläutern.

Der deutsche Aktienmarkt ging auf Talfahrt und lag am Ende fast 3,4 Prozent im Minus. Auch die europäischen Börsen präsentierten sich schwach. Der Euro geriet stark unter Druck und sackte unter 1,32 Dollar.

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  • Es war doch früher oder später ab zu sehen, das die Rating Agenturen auch die Primusse der EU unter verschärfte Kontrolle stellen. Mit Recht! Griechenland, Italien, Spanien, Portugal.....alles Schauplätze, die von unserer eigenen Unfähigkeit zu sparen ablenken. Brauchen wir wirklich 16 Bundeländer? Brauchen wir noch immer zwei Regierungesitze? (Berlin und Bonn) Dies nur als zwei Beispiele von vielen, wie unsere eigenen Politiker unverantwortlich mit dem Geld seiner Bürger umgeht!

  • DIE werden sich erst "zufrieden" zeigen, wenn die EZB alle Staatsanleihen kauft und Deutschland die Schulden aller Euro-Länder übernimmt.

    Und da das nicht passierden darf, muss man die Gelassenheit den "großen 3" gegenüber entiwckeln.

    P.S.: Ich finde, die sollten ihre Energie mal in das Herabstufen ihrer eigenen Wirtschaft kanalisieren.

  • Sie wollen keine Wortblasen sondern Fakten . Mehr Europa als Ganzes . Und Veränderung durch Eurobonds . OhJeh . Damit gehen wir unter , weil dies Eurovolk hat , hat keine disziplin wie Merkel-Deutsche es wollen .
    Der Mix macht die Stärke in unserem Europüree und nicht German PokerFace

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