Trotz hoher Popularität
Boliviens Präsident tritt nach 17 Monaten im Amt zurück

Der bolivianische Präsident Carlos Mesa hat angesichts der zunehmenden Proteste in dem Andenstaat seinen Rücktritt nach nur 17-monatiger Amtszeit angekündigt.

HB LAPAZ. Er werde dem Parlament am Montag seinen Rücktritt einreichen, kündigte er am Sonntag in einer Rundfunk- und Fernsehansprache an. „Ich habe bei meiner Arbeit eine Grenze erreicht“, erklärte Mesa und wies auf 820 Proteste seit seiner Amtsübernahme im Oktober 2003 hin. Er prognostizierte, die Behörden würden nicht in der Lage sein, die für die kommenden Tage erwarteten Proteste über den Umgang mit den reichen Erdgas-Vorkommen des Landes unter Kontrolle zu halten. Diese werden von der Bewegung zum Sozialismus (MAS) des Koka-Anbauers Evo Morales organisiert.

Umfragen haben zuletzt die Popularität des früheren Fernseh-Journalisten Mesa belegt, doch die Handlungsfähigkeit des parteipolitisch unabhängigen Politikers war angesichts des von traditionellen Parteien kontrollierten Parlaments stark eingeschränkt. Es blieb zunächst unklar, wer Mesa im Amt nachfolgen wird, ob es einen Übergangspräsidenten geben wird oder Neuwahlen ausgerufen werden. Mesas Mandat wäre 2007 abgelaufen. Minister Jose Galindo sagte, das Parlament solle über die politische Zukunft des Landes entscheiden.

Mesa hatte das Präsidentenamt übernommen, nachdem der frühere Präsident Gonzalo Sanchez de Lozada während eines Volksaufstandes, bei dem 67 Menschen starben, aus dem Land geflohen war. Damals hatte Mesa das Amt des Vizepräsidenten innegehabt.

Rund 1000 Anhänger Mesas versammelten sich nach dessen Rücktrittsankündigung vor dem Präsidentenpalast in La Paz, um ihre Unterstützung auszudrücken. Von einem Balkon aus dankte Mesa ihnen dafür.

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