Trotz Kritik: Berlin und Paris wollen Banken zerschlagen

Trotz Kritik
Berlin und Paris wollen Banken zerschlagen

Noch wehren sich Großbanken, allen voran der deutsche Branchenprimus und sein Vorstandschef Anshu Jain. Doch in der Politik wächst die Bereitschaft, eine Abspaltung risikoreicher Geschäfte in Banken durchzusetzen.
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BerlinDer politische Druck auf Großbanken wächst. Deutschland und Frankreich dringen ungeachtet des Widerstands aus der Kreditwirtschaft auf eine Abtrennung des risikoreichen Investmentgeschäfts vom klassischen Bankgeschäft.

In einer Erklärung des Deutsch-Französischen Ministerrats zum 50. Jahrestag des Élysée-Vertrags vom Dienstag begrüßen beide Länder entsprechende Vorschläge der „Liikanen-Kommission“. Kritik kam erneut von Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain. „Die Trennung des Geschäfts mit Privatkunden vom Investmentbanking wäre ein enormer Schaden für die deutsche Volkswirtschaft und Gesellschaft“, sagte er am Montagabend.

Eine Expertengruppe der EU-Kommission unter Leitung des finnischen Notenbankpräsidenten Erkki Liikanen schlägt vor, dass Großbanken die besonders riskanten Teile ihres Investmentbankings abtrennen und in eine Tochtergesellschaft auslagern. Kundengelder sollen so besser geschützt werden. Grundsätzlich sollen Steuerzahler vor neuen Milliarden-Kosten geschützt werden, wenn Banken vor der Pleite gerettet werden.

Aus Sicht der Regierungen in Berlin und Paris sind die Vorschläge der „Liikanen-Kommission“ ein wichtiger Beitrag für eine rechtliche Abtrennung besonders riskanter Bankgeschäfte unter Beibehaltung der für Kunden und Wirtschaft wichtigen Tätigkeiten: „Wir werden uns darum bemühen, diese Art von Maßnahmen auf europäischer und nationaler Ebene umzusetzen mit dem Ziel, die mit spekulativen Tätigkeiten verbundenen Risiken zu mindern, die Finanzstabilität zu bewahren und die Wirtschaft effizient zu finanzieren“, heißt es in der Erklärung.

Jain bekräftigte dagegen: „Das Universalbank-System ist das beste für Deutschland.“ Sollte zum Beispiel die Deutsche Bank ihr Investmentbanking nicht mehr so günstig wie bisher über das Einlagengeschäft refinanzieren können, würde es die Kosten in diesem Bereich nach oben treiben. Dies würde wiederum den Spielraum für die Finanzierung großer Unternehmen einengen. Auf der anderen Seite hätten Vermögensverwalter von Banken mit hohen Einlagen das Problem, das Geld gut anzulegen.

Kommentare zu " Trotz Kritik: Berlin und Paris wollen Banken zerschlagen"

Alle Kommentare
  • Noch eine durch Emotionen und Ideologie getriebene "Wende".

    Emotionen und Ideologie sind zu 99% schlechte Gründe egal wofür.

  • Ist nicht das Kreditgeschäft das Risikoreiche? Sind etwas die spanischen Banken durch spekulative Geschäfte in Schieflage gekommen? Nein, die sind durch Kreditvergabe in die Lage gekommen. Es zeigt aber auch, dass die Politiker/innen keinerlei Ahnung haben, davon aber eine ganze Menge.

  • Im Investmentbanking schwappt die Derivateblase von nun 600 Billionen Dollar.Das ist das Zehnfache des Welt-BIP!5 Prozent Rendite im Investmentgeschäft bedeutet 50 Prozent von der Realwirtschaft.Um diese einseitige Transfusion zu beenden halte ich eine Trennung für sehr wohl sinnvoll.

    Natürlich gibt es ein riesen Geschrei und Geheule seitens "der Märkte", und sie werden enormen Druck ausüben solange die Verflechtung so beibehalten wird. Was ist also die Lösung? Richtig: Trennung! Schade dass das jetzt erst stattfindet nachdem die Politik nun ihre eigenen Bezüge und Renten davonschwimmen sieht die mit einem System- und Währungskollaps einhergehen würden. Schliesslich würden dann alle alles verlieren. Selbstlos ist das also nicht, sondern pure Existenzangst wo bisher eine Krähe der anderen kein Auge ausgehakt hat.

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