Trotz lockerer Geldpolitik
IWF sieht keine hohe Inflationsgefahr

Die Preisentwicklung sei robuster als früher, so der IWF in seinem Weltwirtschaftsausblick. Grund für größere Inflationsängste gebe es keine. Selbst eine zeitweise „Überstimulierung“ hätte nur begrenzte Folgen.
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Washington/BerlinDer IWF sieht trotz der lockeren Geldpolitik rund um den Globus keinen Grund für größere Inflationsängste. "Unsere Analysen legen den Schluss nahe, dass eine fortgesetzte geldpolitische Unterstützung der Konjunktur wahrscheinlich keine signifikanten inflationären Folgen haben wird", heißt es in Auszügen aus dem Weltwirtschaftsausblick des Internationalen Währungsfonds (IWF), die am Dienstag veröffentlicht wurden. Entscheidend sei, dass die Inflationserwartungen weiter solide verankert blieben.

Eine Schlüsselbedeutung habe die Wahrung der Unabhängigkeit der Notenbanken, mahnten die IWF-Experten. Zugleich müsse es aber Aufgabe der Entscheidungsträger sein, aufmerksam auf mögliche Ungleichgewichte zu achten, die sich nicht in der Entwicklung der Verbraucherpreise widerspiegelten.

Insgesamt habe sich die Preisentwicklung in den vergangenen Jahren bemerkenswert stabil gezeigt. So sei es bei der großen Wirtschaftskrise in den Jahren 2008/2009 trotz hoher Arbeitslosigkeit nicht zu größeren Rückgängen bei der Teuerungsrate gekommen.

Für diese Entwicklung gebe es im wesentlichen zwei Interpretationen. Die eine laute, dass ein Großteil des Arbeitslosigkeit struktureller Natur sei und daher wenig auf die Löhne und Preise durchschlage. Die andere laute, dass der Charakter der Inflation sich geändert habe. Inzwischen sei die Preisentwicklung robuster. Diese Interpretation hält auch der IWF für schlüssig: Die Inflation reagiere viel weniger als früher auf Schwankungen in der Wirtschaftsentwicklung.

Zudem seien die Inflationserwartungen stärker verankert. Daraus folgert der Fonds: Solange die Inflationserwartungen eine feste Grundlage in der ökonomischen Realität haben, bestehe kein Grund für die Notenbanken, von einer das Wachstum unterstützenden Geldpolitik abzurücken. Selbst eine zeitweise "Überstimulierung" der Wirtschaft hätte nur begrenzte Teuerungsfolgen.

Dennoch dürfe man sich nicht selbstzufrieden zurücklehnen angesichts moderater Teuerungsraten. Zudem könnten politischer Druck und mangelnde Notenbank-Unabhängigkeit ein Risiko für Preisstabilität bedeuten. Die japanische Notenbank war jüngst im Kampf gegen die Wirtschaftskrise geldpolitisch in die Vollen gegangen.

Die Regierung des neuen Ministerpräsidenten Shinzo Abe hatte zuvor den Druck auf die Zentralbank immer weiter erhöht und eine stärkere geldpolitische Lockerung gefordert. Die Zentralbank in Tokio hat erst seit 1998 den Status der Unabhängigkeit, der in der Euro-Zone und den USA für die EZB und die Fed als selbstverständlich gilt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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