Trotz Lockerung der Blockade
Jemen droht weiterhin eine Hungerkatastrophe

Vor einer Woche öffnete ein von Saudi-Arabien geführtes Bündnis wichtige Häfen im Bürgerkriegsland Jemen für humanitäre Güter. Hilfsorganisationen halten diesen Schritt für völlig unzureichend.
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SanaaAuch eine Woche nach dem teilweisen Ende einer Blockade wichtiger Häfen im Jemen droht dem Bürgerkriegsland weiter eine Hungerkatastrophe. Internationale Helfer erklärten am Donnerstag, es komme noch immer zu wenig humanitäre Hilfe an. „Wir betonen, dass der Fortschritt der vergangenen Woche äußerst gering ist“, teilte die Organisation Norwegian Refugee Council (NRC) mit. Die teilweise Öffnung von Häfen werde nicht verhindern, dass sieben Millionen Jemeniten in eine Hungersnot rutschten.

Die Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Iolanda Jaquemet, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir sind sehr froh, dass die humanitäre Hilfe wieder läuft, aber das ist nur ein sehr positiver erster Schritt.“ Das Welternährungsprogramm WFP berichtete von einem dramatischen Anstieg der Preise für Treibstoff und Lebensmittel in dem Land im Süden der Arabischen Halbinsel.



Der rund dreijährige Bürgerkrieg hat im Jemen eine humanitäre Katastrophe ausgelöst. Schiitische Huthi-Rebellen kämpfen gegen die international anerkannte Regierung. Diese wird von einer saudisch geführten Militärkoalition unterstützt, die in dem Land Luftangriffe fliegt. Das sunnitische Saudi-Arabien will mit dem Einsatz den Einfluss des schiitischen Irans stoppen, der die Huthis unterstützt. Das Militärbündnis hatte Anfang November eine Blockade über Jemens Flug- und Seehäfen verhängt. Es reagierte damit auf eine Rakete, die die Huthis auf die saudische Hauptstadt Riad geschossen hatten.

Vor einer Woche öffnete das Bündnis den Flughafen der Hauptstadt Sanaa und den Seehafen in Hudaida am Roten Meer wieder für humanitäre Güter. Beide sind zentral für die Versorgung von Millionen Menschen im Jemen, stehen aber unter Kontrolle der Rebellen.



Die Vereinten Nationen (UN) und Hilfsorganisationen warnten, durch die Blockade drohe dem Land die weltweit schlimmste Hungerkatastrophe. Von den 27 Millionen Einwohnern des Jemens sind nach UN-Angaben rund zwei Drittel auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Rund 90 Prozent der Nahrung des bettelarmen Landes muss importiert werden, der größte Teil über den Hafen in Hudaida.



Seit dem teilweisen Ende der Blockade vor einer Woche erreichten nach UN-Angaben ein Schiff im Auftrag des WFP sowie zwei kommerzielle Schiffe mit Nahrungsmitteln den Jemen. Das IKRK erklärte, über die Grenze zu Saudi-Arabien seien zudem Lastwagen mit medizinischen Hilfsgütern aus Jordanien ins Land gekommen.



Der NRC warnte, mit der eingetroffenen Hilfe könne nur ein kleiner Teil der jemenitischen Bevölkerung versorgt werden. IKRK und NRC riefen dazu auf, neben humanitären auch kommerzielle Transporte für den Jemen wieder vollständig zuzulassen.



Nach Angaben der IKRK-Sprecherin leidet das Land zudem unter einem „dramatischen Mangel“ an Treibstoff. Hohe Treibstoffpreise hätten in vielen Gebieten zu einem Zusammenbruch der Wasserversorgung geführt, weil diese von Generatoren abhänge. Jaquemet zufolge haben 2,5 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Schon jetzt grassiert in dem land eine schwere Cholera-Epidemie. Wegen des Treibstoffmangels mussten auch Kliniken ihre Arbeit einschränken.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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