Trotz Milliardenkosten

Spanien will Banken ohne EU-Hilfe retten

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy versucht die Spekulationen zu beenden. Das Land sei fest entschlossen, seine angeschlagenen Banken aus eigener Kraft zu sanieren. Rajoy gibt aber auch Probleme zu.
Update: 29.05.2012 - 03:47 Uhr 14 Kommentare
Die Anzeigetafel der Börse Madrid spiegelt sich in einem Bankia-Logo: Die Rettung des Instituts kommt das Land teuer zu stehen. Quelle: dapd

Die Anzeigetafel der Börse Madrid spiegelt sich in einem Bankia-Logo: Die Rettung des Instituts kommt das Land teuer zu stehen.

(Foto: dapd)

MadridErschüttert von mehreren Hiobsbotschaften gerät Spanien zusehends in den Strudel der Schuldenkrise. Das Land erlebe gerade einen "extrem schwierigen Moment", räumte Ministerpräsident Mariano Rajoy auf einer Pressekonferenz am Montag ein. Die Märkte reagierten verunsichert, die Renditen spanischer Staatsanleihen schnellten in die Höhe und der Risikoaufschlag für die Papiere schoss auf den höchsten Stand seit der Einführung des Euro. Zudem warf das Hilfsgesuch der maroden Sparkasse Bankia einen riesigen Schatten auf den ohnehin angeschlagenen Bankensektor des Landes.

Der Mutterkonzern der maroden spanischen Sparkasse Bankia, BFA, hat unterdessen seine Unternehmensergebnisse für 2011 korrigiert und weist nun einen Milliardenverlust aus. Statt eines Gewinns von 41 Millionen Euro stehe nun ein Minus von 3,3 Milliarden Euro in den Büchern, hieß es am Montagabend in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht. Die neuen Zahlen spiegelten eine Überprüfung der Kredit-Portfolios und der Kapitalbedürfnisse wieder.

Sollte es nicht gelingen, das Haushaltsdefizit abzubauen, dürfte es für das Land schwierig werden, sich selbstständig zu finanzieren, sagte Rajoy. Dennoch beharrte er darauf, dass Spanien kein Banken-Rettungspaket von außen brauche: „Es wird für die spanischen Geldhäuser keine europäische Rettungsaktion geben.“ Der Grund für die steigenden Kosten für Spanien läge in der Unsicherheit über die Euro-Zone, sagte Rajoy. Deshalb müsse Europa die Zweifel am Euro zerstreuen und die Gemeinschaftswährung verteidigen.

Allerdings habe der Anstieg der Risikozuschläge für spanische Staatsanleihen auf ein Rekordniveau nichts mit der Krise der Großbank Bankia zu tun. „Alle Welt weiß, Spanien alles daran setzt, sein Defizit zu reduzieren. Aber es herrscht eine allgemeine Ungewissheit wegen der Lage in Griechenland“, sagte der Regierungschef nach einem Vorstandstreffen seiner konservativen Volkspartei (PP).

Rajoy forderte die Europäische Union auf, ein klares Bekenntnis zum Euro abzulegen. „Alle Zweifel über die Zukunft der Währung müssen zerstreut werden“, sagte er. „Es muss klargestellt werden, dass der Euro ein unumkehrbares Projekt ist.“

Riesiger Hilfsbedarf von Bankia
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14 Kommentare zu "Trotz Milliardenkosten: Spanien will seine Banken ohne EU-Hilfe retten"

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  • @Henry Tei2, Ein Euro ohne schwachen Länder wie Griechenland kann auf langer Sicht eine Weltwährung werden, die sich international gegen Dollar und Renminbi behaupten kann. Die EU wird als eine große Macht ihre Interessen gegen USA und China verteidigen können. Nachteil: Einige Länder werden zu Nehmerländern und andere zu Geberländern (wie die Deutschen Bundesländer). Der Vorteil der D-Mark ist: Die Währung kann die Deutschen reich machen. Dadurch wird sich ein Wohlhabender Mittelschicht in Deutschland wieder bilden. Nachteil: Deutschland wird der ewige Sklave der USA werden und auf Dauer wird es zu Vorteil der USA benachteiligt werden. Z.B: Die Kriegsprojekte der USA mit Blankochecks unterstützen, oder ob es will oder nicht, mit Exportüberschüssen die US-Staatsanleihen kaufen.

  • @ Henry Teil 1, was sie da geschrieben haben, ist das schönste Märchen, welches ich je gelesen habe. Wenn das alles so einfach wäre, wie Sie es schildern, dann hätten wir gleich Morgen das Paradis in der EU. In einem Südeuro wären genauso unterschiedliche Volkswirtschaften drin, wie in einem Nordeuro, denn in einer Gemeinschaftswährung wird immer einer exportieren und zwei oder drei Länder werden importieren. Der Importeur wird seine Industrie verlieren, und der Exporteur wird seinen Reichtum verlieren. Einer wird Schulden machen und der anderer wird die Schulden bezahlen. Mit diesem Nord-Südeuro wird das Problem nicht gelöst werden. Sie unterschätzen die Rolle Frankreichs!!! Frankreich in einen Südeuro zu verschieben kommt einer Kriegserklärung gleich. Das würde ganz Europa tatsächlich in einem Chaos und möglicherweise Feindseligkeiten (Krieg) hinein manövrieren. Einige würden sich gegen Nordeuro mit China bzw. USA verbrüdern, um den Nordeuro zu schädigen/schwächen....
    Es gibt nur zwei schlechte Möglichkeiten: Entweder bleibt man beim Euro und Mittelfristig schmeißt man Griechenland und Portugal aus der Währungsunion raus, oder man geht zu den alten Nationalwährungen zurück, und schafft den Euro komplett ab. Beide Möglichkeiten haben ihre Vor-u.Nachteile.

  • Kann mir mal jemand diesen Zahlensalat erklären?


    Nach Bankia hat nun auch die Muttergesellschaft BFA das Ergebnis für 2011 korrigiert. Anstelle eines Verlusts von €439 Mio beträgt der Fehlbetrag nun €3,32 Mrd.

    Am Freitag hatte Bankia das Ergebnis von +€309 Mio auf -€3,0 Mrd korrigiert.
    Bankia S.A. 08:06:25 1,35 € 20,98%
    vor 37 Min (08:48) - Echtzeitnachricht


  • Die Spanier benennen wenigsten die Probleme. Ich hätte jetzt gerne mal das Ausfallrisiko Frankreichs und Belgiens im Zusammenhang mit der Dexia-Bank beziffert.

    Dieses Schattenspiel von Hollande und seinem Vorgänger halte ich für untragbar für eine gemeinsame Politik.

  • Drehen wir mal die Zeit zurück auf Mai 2010, so hörten
    wir von Griechenland mehr oder weniger das Gleiche,
    Griechenland braucht keine Euro-Hilfe, kann sich selbst
    helfen, es fliesst kein Cent nach Griechenland usw. usw.

    Also bei den alten "Fachkommentaren" der Experten und
    Politikern, wie Schäuble, nur Griechenland durch Spanien
    ersetzen und dann stimmt es wieder!!

  • Griechenland ist schon lange Pleite und Spanien geht Pleite, keine Chance auf Genesung. So nicht! Die Sache ist einfach, alle Schulden und Zinsen bis dato werden eingefroren.
    Für die wirtschaftlichen Kerngeschäfte innerhalb der Banken wird ein „Grundkapital“ in Eurowährung genutzt. Als Übergang wird in den Banken der „Südeuro“ als zweite Währung parallel laufen. Der jetzige Euro sichert die ausländischen Geschäfte zwischen den Banken. Mit dem eingeführten „Südeuro“ kann sich das griechische Wirtschaftswachstum innerhalb kurzer Zeit erholen und wieder expandieren. Der „Südeuro“ hat einen Wechselkurs von 2:1. Also zwei „Südeuro“ für einen jetzigen Euro (Nordeuro).
    Griechenland belastet Europa gerade mal mit ca. 2-3%. Diese Tatsache zeigt doch, dass Griechenland überhaupt kein Problem sein kann. Wenn Aktienwerte 10% steigen oder fallen kann das nicht das Problem aus Griechenland sein.
    Der Euro kann auf keinen Fall so in seiner erzwungenen Zusammensetzung existieren. In dieser Situation helfen nur zwei unterschiedliche Einheitswährungen, dem „Südeuro“ und dem „Nordeuro“.
    Dem Südeuro treten Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Frankreich bei. Damit wird eine stabile „Südländische Gemeinschaft“ geformt.
    Mit der Schaffung von „Zwei Einheitswährungen“ wären einzelne nationale Währungen überflüssig. Die europäische Wirtschaft hätte damit die Chance sich nachhaltig zu erholen.
    Denn eins ist klar, nach Griechenland rücken Spanien, Italien, Frankreich und Portugal in die Staatspleiten.
    Die Idee eines vereinten Europa mit dem Euro, würde auf Dauer nur realisierbar sein, wenn alle Länder das gleiche Wirtschaftswachstum erbringen könnten. Aber, jedes Land weist grundsätzlich andere strukturelle, kulturelle, ökologische, soziale und ökonomische Voraussetzungen auf.

  • Ignacio Fernandez Palomero ist nicht Spaniens Finanzminister.

  • Ja, wäre tatsächlich mal schön, wenn das respektiert werden würde.
    Besser jedenfalls als die Jammerei von Griechenland mit ihren Freibriefen für Millardäre.
    Immos abschreiben, soll der Staat sehen was er damit macht, die hohe private Verschuldung beruht zum größten Teil auf dieser Verschuldung. Haben die Spekulanten Pech, denn sie haben sich damit selbst enteignet.

  • Nur kurz aktualisieren: Es sind keine 15 Milliarden mehr, sondern schon 19 und das neue Oberhaupt von Bankia hat schon erklärt, dass er die Kohle auf keinen Fall zurück zahlen wird. Also liebe Spanier, bitte 500 Euro por Nase auf den Tisch legen. Alle anderen Europäer bitte auch bereit halten..

  • Spanien moechte es alleine schaffen? Also die Idee gefaellt mir. Na hoffentlich weiss auch die Wirklichkeit davon und respektiert dies :-)

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