Trotz Protesten

Japan nimmt umstrittenen Walfang in Antarktis wieder auf

4000 Zwergwale will die japanische Fischereibehörde in den kommenden zwölf Jahren töten lassen – zu „wissenschaftlichen Zwecken“. Die Uno urteilt: Das Programm sei ein Feigenblatt für den kommerziellen Walfang.
Walfleisch gilt in vielen Ländern als Delikatesse – und das, obwohl oft hohe Schadstoffbelastungen festgestellt werden. Quelle: dpa
Kommerzieller Walfang

Walfleisch gilt in vielen Ländern als Delikatesse – und das, obwohl oft hohe Schadstoffbelastungen festgestellt werden.

(Foto: dpa)

TokioNach einem Jahr Pause macht Japan wieder Jagd auf Wale in der Antarktis: Trotz internationaler Proteste und Kritik der Vereinten Nationen werde der Walfang in der spätestens im März beginnenden Saison wieder aufgenommen, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo News am Samstag. Die japanische Fischereibehörde beschloss demnach am Freitag, der Walfang zu „wissenschaftlichen Zwecken“ sei weiterhin „angemessen“.

Die Internationale Gerichtshof der Uno hatte im vergangenen März geurteilt, das sogenannte „wissenschaftliche“ Walfangprogramm der Japaner in der Antarktis sei nur ein Feigenblatt für die Jagd aus kommerziellen Gründen. Tokio hatte zwar eine Saison die Jagd ausgesetzt, aber eine Wiederaufnahme des Programms im reduzierten Umfang angekündigt: Stadt eintausend sollten künftig pro Saison noch 333 Zwergwale gefangen werden. Nach Meinung der Internationalen Wahlfangkommission (IWC) hat Japan aber keine ausreichenden Gründe geliefert, warum in den kommenden zwölf Jahren zu „wissenschaftlichen Zwecken“ fast 4000 Zwergwale getötet werden sollten.

Verschiedene japanische Medien berichteten, die ersten Waljäger könnten schon im Dezember in See stechen. Die Fischereibehörde wollte zunächst keine Stellungnahme dazu abgeben. Bislang wies sie Kritik am Walfang mit der Einschätzung zurück, die Zwergwale seien nicht vom Aussterben bedroht.

Japans fünf große Probleme
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Die Abkehr vom Atom

Eigentlich wollte Tokio den Anteil des Atomstroms an der Gesamtversorgung bis 2030 von 30 auf mehr als 50 Prozent erhöhen. Doch die Katastrophe von Fukushima änderte alles. Derzeit sind nur noch zwei Kraftwerke in Betrieb. Und die Regierung wird wohl in den kommenden Wochen einen schrittweisen Atomausstieg beschließen.

Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm, denn die Stromkonzerne müssen die Lücke mit konventionellen Kraftwerken füllen. Der Kauf von Kohle und Gas treibt nicht nur die Importe in die Höhe und drückt damit die Handelsbilanz ins Minus. Es macht auch den Strom teurer. Japans Unternehmen warnen daher vor weiteren Einbußen bei der Wettbewerbsfähigkeit.

Japan World Markets
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Das schrumpfende Land

In Japan wird die Bevölkerung in Zukunft noch stärker abnehmen als in Deutschland. So wird der Anteil der über 65-Jährigen bis 2050 von 23 auf 38 Prozent steigen. In vielen Dörfern ist diese Zukunft schon heute Realität. Die Gründe dafür liegen im rapiden Fall der Geburtenrate, der hohen Lebenserwartung - und der Weigerung der Politik, gezielt mehr Einwanderer ins Land zu lassen.

Daher sorgen sich junge Japaner zunehmend, dass ihre Renten nicht sicher sind. Sollte es nicht gelingen, mehr Jobs für Frauen zu schaffen und Ältere länger im Beruf zu halten, könnte der Arbeitskräftepool bis 2030 um 13 Prozent auf 54,5 Millionen Beschäftigte absacken, prognostiziert das Arbeitsministerium.

The word "Yen" is pictured on a Japanese bank note at Interbank Inc. money exchange in Tokyo
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Deflation

Die Bank von Japan macht schon seit mehr als einem Jahrzehnt das, was seit der Finanzkrise auch die anderen westlichen Notenbanken tun: Sie hält die Leitzinsen nahe null und kauft Staatsanleihen. Inzwischen hat sie schon mehr japanische Staatsanleihen in ihrem Besitz, als Banknoten im Umlauf sind.

Und trotzdem hat Japan keine Inflation, sondern steckt in der Deflation fest. Die sinkenden Preise lähmen schon seit Ende der 1990er-Jahre die Binnenwirtschaft - wer sinkende Preise erwartet, schiebt Anschaffungen auf.

File photo shows a businessman sitting near a cargo area at a port in Tokyo
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Der höchste Schuldenberg der Welt

Auf den ersten Blick erscheint es wie ein Wunder: Während Europa in der Staatsschuldenkrise versinkt, gilt das mit Abstand am höchsten verschuldete Land der Welt Anlegern als sicherer Hafen. Doch das Unwohlsein wächst. Immer mehr Experten warnen, dass auch Japan bald in den Strudel der Schuldenkrise geraten könnte.

Die Staatsschuld wird im laufenden Jahr auf 230 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Japans Vorteil ist, dass mehr als 90 Prozent der Anleihen von Inländern gezeichnet werden. Noch dazu kauft die Notenbank in großem Stil Anleihen.

Doch eins darf nicht passieren: dass die Zinsen steigen. Wegen der enormen Höhe der Staatsschulden hätte die Regierung schon bei einem Zinssatz von über zwei Prozent für zehnjährige Anleihen große Probleme, die Zinsen zu zahlen. Die Ratingagenturen haben Japans Kreditwürdigkeit deshalb schon mehrfach herabgestuft.

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Starke Währung als Exportbremse

Die Exportnation Japan leidet enorm unter der starken Landeswährung. In den letzten Jahren hat der Yen nach einer längeren Schwächephase deutlich zugelegt. Vor der Finanzkrise war der Euro noch 170 Yen wert, jetzt sind es keine 100 Yen mehr.

Dieser rapide Wertzuwachs des Yens hat die Geschäftspläne von Japans Autoherstellern und Elektronikkonzernen zerstört. Die Angst vor einer Abwanderung der Industrie geht um. Denn plötzlich rechnet sich der Produktionsstandort Japan nicht mehr.

  • afp
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