Trotz Rückkehr zum Kapitalmarkt
Keine Hoffnung für Griechenland

Griechenland sammelt erstmals seit vier Jahren wieder Milliarden am Kapitalmarkt ein. Die internationalen Partner sprechen vom Wendepunkt. Dabei gibt es laut einer Studie keinerlei Anlass für Optimismus.
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BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem „Aufbruchsignal“, der Chef der EU-Taskforce für Griechenland, Horst Reichenbach, von einem „potenziellen Wendepunkt“. Doch die vielen positiven Reaktionen auf die Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt könnten sich als großer Trugschluss erweisen. Darauf deutet eine Studie des Centrums für Europäische Politik (CEP) in Freiburg hin. Die Forscher haben ihre Februar-Untersuchung zur Kreditfähigkeit des krisengeschüttelten Mittelmeerlandes nach der Platzierung der Griechenland-Anleihe aktualisiert – und kommen zu ernüchternden Ergebnissen.

Die Forscher machen keinen Hehl daraus, dass sie die Anleiheemission von rund drei Milliarden Euro als große Mogelpackung sehen. „Zurückzuführen ist die Platzierung nicht auf erfolgreiche Reformen, sondern darauf, dass die finanz- und geldpolitischen Interventionen der vergangenen Jahre die marktwirtschaftlichen Kräfte außer Kraft gesetzt haben“, schreiben die Wissenschaftler Lüder Gerken, Iris Hohmann und Matthias Kullas.

Die Platzierung zeige zudem, dass die Kapitalmärkte damit rechneten, dass die Partner Athens in der Euro-Zone eine Insolvenz des Landes „um jeden Preis“ verhindern würden - nicht zuletzt deshalb, weil bei einem erneuten Schuldenschnitt „sehr wahrscheinlich“ auch öffentliche Gläubiger, also Steuerzahler, betroffen wären. Was die Einschätzung der Forscher stützt, ist auch der Umstand, dass die fünfjährige Staatsanleihe, die mit einer Nominalverzinsung von 4,75 Prozent ausgestattet ist, mindestens um das Achtfache überzeichnet gewesen ist, wie der stellvertretende griechische Ministerpräsident Evangelos Venizelos erklärt hatte.

In der CEP-Analyse heißt es dazu, die erzielte Verzinsung sei angesichts der desolaten Lage des Landes „nicht marktrisikoadäquat“. Der realwirtschaftliche und finanzpolitische Zustand Griechenlands rechtfertige es jedenfalls nicht, dass der griechische Staat eine Staatsanleihe mit einer Verzinsung von unter fünf Prozent habe platzieren können.  „Das Anlageverhalten der Investoren wird dazu führen“, warnen die Wissenschaftler, „dass Reformdruck und Reformbereitschaft in Griechenland sinken, so dass die Gesundung des Landes in noch weitere Ferne rückt.“

Nachdem Griechenland am vergangenen Donnerstag vier Jahre nach der mit internationalen Hilfen verhinderten Staatspleite erstmals eine Anleihe am Finanzmarkt platziert und damit einen Erfolg bei Investoren verbucht hatte, besorgte sich das schuldengeplagte Land heute kurzfristig 1,625 Milliarden Euro am Kapitalmarkt. Der Zinssatz für die dreimonatigen Papiere beläuft sich auf 2,45 Prozent. Er liegt damit deutlich niedriger als bei vergleichbaren Titeln im Vormonat mit 3,1 Prozent Zinsen, wie die Schuldenagentur PDMA mitteilte. Es gingen Gebote von mehr als 3,4 Milliarden Euro ein.

Während die Bundesregierung das Kapitalmarkt-Comeback der Griechen gefeiert hatte, äußerte sich die Bundesbank skeptisch, dass das Land rasch wieder auf die Beine kommen wird. Auch Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem warnte vor zu großem Optimismus. Noch seien nicht alle Probleme im Kampf gegen die Schuldenkrise überwunden.

Kommentare zu " Trotz Rückkehr zum Kapitalmarkt: Keine Hoffnung für Griechenland"

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  • @Eddie1

    Das ist also „bildungsfern“:

    …wurde 1962 als Sohn eines Bauingenieurs und einer Schulrektorin in West-Berlin geboren …Abitur …. Wehrdienst beim Stabsmusikkorps der Bundeswehr in Siegburg…..von 1982 bis 1984 Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes ….einjährigen DAAD-Stipendium im Graduate Program des Economics Departments der University of California, Berkeley ….1987 Diplom-Volkswirt….bis 1988 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Agrarpolitik, Marktforschung und Wirtschaftssoziologie der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn ….Studium der Mathematik an der Fernuniversität in Hagen….Von 1988 bis 1990 Stipendiat der Volkswagenstiftung am Graduiertenkolleg „Angewandte Mikroökonomik“ des Forschungsbereichs Wirtschaftswissenschaft der Freien Universität Berlin…1991 am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der Freien Universität Berlin mit der Dissertation Price Stabilization on World Agricultural Markets: An Application to the World Market for Sugar mit der Note „summa cum laude“ zum Dr. rer. pol. Promoviert…1991 bis 1992 Leitungsreferent beim Senator für Finanzen des Landes Berlin Elmar Pieroth (CDU)…. 1997 „Beiträge zur Theorie und Empirie realer Konjunkturzyklen“ Habilitation (Venia legendi) in Volkswirtschaftslehre und Ökonometrie….leitete von 1997 bis 2000 das von der DFG geförderte Forschungsprojekt Ein konsistentes makroökonometrisches Gleichgewichtsmodell…. Seit 1998 Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Wachstum und Konjunktur an der dortigen Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften….usw, usw.

    Was ist Ihrer Meinung nach dann bildungsnah?

    Si tacuisses, philosophus mansisses

  • Ganz einfach: Wuesste Lucke etwas von der Materie, haette er sich das Theater ersparen koennen. Falls Lucke keine Ahnung von der Materie hat, wovon ich ausgehe = einfach Schweigen - oder sich zumindest ueber Google oder andere Suchmaschinen informieren... Ist halt ein Politiker, laurt, aber bildungsfern...



  • CEP - "Circular error probable" sagt mir was.

    Wenn hier all diese EU Granatenschreiber aufschlagen,
    haut`s mit dem CEP und deren engeren Streuung nicht ganz so hin.

    Die rocken mit undichten Steuerkreisel...

    Eddie1 und Deltaone, zwei Best-Pilots in the air..

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