Trotz Schulden
Die USA bleiben die unsinkbare Supermacht

In den USA dominiert der Kapitalmarkt - er sorgt dafür, dass Amerika stark bleibt. Warum den USA trotzdem, auch bei einer Bonitätsverschlechterung durch eine der Ratingagenturen, nicht viel passieren kann.
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Die Vereinigten Staaten von Amerika sind das mächtigste Land der Welt. Nicht nur ihre Politik bestimmt maßgeblich das Weltgeschehen, die amerikanischen Konzerne üben auf praktisch jedem Flecken der Erde ihre Macht aus und lassen ihre finanziellen und industriellen Muskeln spielen. Aber das Wichtigste, der Kern der ganzen Macht, ist die Stärke des Kapitalmarkts.

Das war nicht immer so. Aber heute dominiert der Kapitalmarkt mit seinen schier unermesslichen Quellen und Formen sowohl die Politik als auch die Industrie in Übersee, auch wenn das so keiner wirklich offen sagen oder gar zugeben mag. Am Ende bedeutet das: Der Name USA steht für den Kern aller Kapitalmärkte weltweit. Allein deshalb kann den Staaten auch bei einer Bonitätsverschlechterung durch eine der Ratingagenturen nicht viel passieren.

Man mag das mögen oder nicht. Zwar würden kurzzeitig durchaus Verwerfungen auftreten, Anleiheverkäufe einsetzen, wenn beispielsweise Standard & Poor’s tatsächlich wie angedroht im Jahr 2013 den Daumen senken würde. Auch der Dollar würde unter Druck geraten. Das wären aber nur kurzfristige Verwerfungen. Warum?

Schauen wir zunächst einmal auf die Ratingagenturen. Es war ein taktisch kluger und durchaus ernst gemeinter Schritt von Standard & Poor’s, die USA zu warnen und damit zu drohen, dem Land das Gütesiegel der besten Kreditwürdigkeit zu entziehen. Nachdem der Ruf der Ratingagenturen unter der Krise stark gelitten hat, handelt es sich hier aber auch um einen Befreiungsschlag. Wir trauen uns an die großen Tiere heran, soll das heißen. Doch kommt es zum Schwur, dann wird der Druck in den USA vonseiten der Politik, der Lobbyisten und der Wirtschaft riesig sein. Einfach zu stark. Vergessen wir nicht, Standard & Poor’s ist und bleibt am Ende ein amerikanisches Unternehmen, das dem amerikanischen Einfluss unterliegt.

Ähnliches gilt für alle, die am Finanzmarkt agieren, seien es die Manager in den Banken, in den Hedge- und Pensionsfonds, in Spezial- und Publikumsfonds. Es glaubt doch niemand im Ernst, dass sie alle ihre eigene Existenz durch Spekulationen und einen massiven Verkauf von Anleihen aufs Spiel setzen, der am Ende die USA in die Pleite treiben könnte.

Der größte Kapitalmarkt der Welt ist gleichzusetzen mit der größten Bonusmaschine der Welt – auch nach der Krise. Hier werden Jahr für Jahr Milliarden und Abermilliarden an Tausende Finanzmanager ausgeschüttet. Natürlich gibt es Ausnahmen wie den weltgrößten Anleihefonds Pimco, der nichts mit US-Treasuries zu tun haben will. Mehr als eine Ausnahme von der Regel ist das aber nicht.

Im Notfall würde die US-Notenbank Fed erneut eingreifen und US-Staatsanleihen kaufen. Ohnehin sind alle Notenbanken weltweit ein Garant für das Überleben des amerikanischen Staates. Sie haben riesige Währungsreserven in Dollar aufgetürmt. Eine Pleite der USA können sich China & Co. nicht leisten.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

Kommentare zu " Trotz Schulden: Die USA bleiben die unsinkbare Supermacht"

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  • Und wenn sie nicht artig sind, die Rating Agenturen, in Guantanamo ist noch genügend Platz für die Manager, wenn sie zu lästig werden. :))

  • So unsinkbar wie die Titanic. Bei einem Käuferstreik kann selbstverständlich die FED noch einmal QE3, QE4, QExx durchführen und mit gedruckten USD die neu emittierten US Treasuries kaufen. Wenn dann die Gläubiger schnell ihre existierenden Staatsanleihen verkaufen möchten, gibt es einen schönen Crash am Anleihemarkt und die USA sind bankrott. Irak, Libyen, Saudi Arabien und Europa kann man zwar noch mit ein paar Flugzeugträgern beeindrucken, zumal wir ja gerne Vasallen der USA sind. China und Russland lassen sich damit aber nicht einschüchtern bzw. zwingen ihre Waren und Rohstoffe an die USA zu verschenken.

  • Herr Landgraf, zum Beten sollten Sie in die Kirche gehen. Die USA sind dabei zu verrecken. Und das wissen Sie ganz genau! Entweder Staatsbankrott oder Hyperinflation. Das Ergebnis in der Gesellschaft möchte ich mal sehen...
    Die Chinesen haben übrigens Zeit. In 50 Jahren sieht die Welt ganz anders aus. Die Amerikaner können das ihrer FED danken, so schnell geht das. Kein Wunder, dass die wirklich Reichen schon alle Chinesinnen als Kindermädchen haben und wohl auch schon fleißig Mandarin lernen... Aber das lohnt wenigstens!

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