Trotz Sex-Affären
Strauss-Kahn wäre für viele Franzosen guter Präsidentschaftskandidat

Wegen eines Prostitutions-Skandals musste Dominique Strauss-Kahn zurücktreten. Dennoch wünschen sich viele Franzosen den ehemaligen IWF-Chef als ihren künftigen Präsidenten – noch vor dem Amtsinhaber François Hollande.
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ParisTrotz diverser Affären um sein Sex-Leben wäre der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn für viele Franzosen ein guter Präsidentschaftskandidat: Bei einer Umfrage zu potenziellen Kandidaten der Linken im Jahr 2017 landete Strauss-Kahn mit 37 Prozent auf dem zweiten Platz – direkt hinter dem amtierenden sozialistischen Premierminister Manuel Valls, wie es in der Zeitung „Libération“ vom Donnerstag hieß. „DSK“, wie Strauss-Kahn in Frankreich kurz genannt wird, hängte damit unter anderem Präsident François Hollande mit 23 Prozent deutlich ab.

Der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) war erst kürzlich in einem aufsehenerregenden Prozess in Frankreich vom Vorwurf der schweren Zuhälterei freigesprochen worden. Fest steht indes, dass er an einer Reihe von Sex-Partys mit Callgirls teilgenommen hatte und dass er dabei teils recht rüde mit dem Prostituierten umging. Zuvor war ihm ein Strafprozess in den USA wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung eines Zimmermädchens erspart geblieben; das angebliche Opfer galt als nicht glaubwürdig genug.

Wegen der Vorwürfe in den USA hatte „DSK“ 2011 als IWF-Chef zurücktreten müssen. Davor galt er als Star der französischen Sozialisten und aussichtsreicher Anwärter auf das Präsidentenamt im Jahr 2012.

In der Umfrage von Viavoice für die Zeitung „Libération“ vom Donnerstag wurden den Franzosen neun Persönlichkeiten vorgeschlagen; sie sollten darauf antworten, wer einen guten Kandidaten oder eine gute Kandidatin für die Präsidentschaftswahl 2017 für die Linke abgeben würde. Valls kam mit 47 Prozent auf den ersten Platz, dann „DSK“. Danach folgten die jetzige Umweltministerin Ségolène Royal (32 Prozent), die frühere sozialistische Parteichefin Martine Aubry (28 Prozent), Ex-Industrieminister Arnaud Montebourg (24 Prozent) und schließlich Staatschef Hollande.

Der Politologe François Miquet-Marty von Viavoice nannte das Ergebnis für Strauss-Kahn „besonders unerwartet“. Dieser habe für viele Franzosen den Vorzug, für ein anderes System zu stehen. Zugleich werde ihm aber immer noch Kompetenz diesmal wegen seiner Erfahrungen innerhalb des Systems zugewiesen. Auch „Entschlossenheit“ und „Stärke“ gälten als seine Qualitäten. Die linksgerichtete „Libération“ hob aber hervor, dass Strauss-Kahn mehrfach deutlich gemacht habe, dass er mit der Politik abgeschlossen habe.

Fände die Präsidentenwahl jetzt statt, dann würden 28 Prozent der Befragten mit einem Sieg des konservativen Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy rechnen. 23 Prozent glaubten an einen Sieg der rechtsextremen Parteichefin Marine Le Pen und nur neun Prozent an eine Wiederwahl Hollandes.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Trotz Sex-Affären: Strauss-Kahn wäre für viele Franzosen guter Präsidentschaftskandidat"

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  • Nicht nur für die Franzosen. Mit Juncker ist er allemal auf Augenhöhe.

  • Keine Einwände - deckt sich mit der generellen Einschätzung der meisten Europäer, die ja oft mitbekamen, woran sie bei den Franzosen sind.

    Leider sind das in Frankreich die wesentlichen Maßstäbe jenseits aller Sachkenntnis: schnell einziehen, was einem kurz zuvor noch das wichtigste war.

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