Trotz Skandale
Brasiliens Präsident Lula sichert sich zweite Amtszeit

Trotz Affären und schwacher Wirtschaft – Brasiliens Präsident Lula da Silva ist in der Stichwahl in seinem Amt bestätigt worden. Selbst die politischen Gegner sprechen von einem „Mythos" Lula. Doch auf den „Vater der Armen“ wartet eine Mammutaufgabe.

HB BRASILIA. Nach der Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen kam Luiz Inácio Lula da Silva in einer Stichwahl mit seinem sozialdemokratischen Herausforderer Geraldo Alckmin auf 60,7 Prozent, wie die Wahlbehörde in Brasilia mitteilte. Alckmin erhielt demnach 30,2 Prozent der Stimmen.

„Präsident Lula hat bewiesen, dass er ein Konservativer ist, er ist kein Abenteurer“, sagte nach der Wiederwahl etwa Alfredo Moraes, Präsident des Verbandes der brasilianischen Finanzmärkte „Andima“. Olavo Setubal, Chef der Banco Itau, der zweitgrößten Bank des Landes, hatte schon vor dem Urnengang erklärt, ihm sei egal, ob in der Stichrunde Lula oder dessen sozialdemokratischer Rivale Geraldo Alckmin (PSDB) gewinne. Für die Märkte seien beide gleich gut. Und Alckmins wichtigster Wahlhelfer Aecio Neves bezeichnete den charismatischen politischen Gegner sogar als „Mythos“.

Nur so ist zu erklären, dass der frühere Gewerkschaftsboss bei der Stichrunde vom Sonntag ungeachtet der vielen Korruptionsaffären um die Zentralregierung mit 58 Millionen die meisten Stimmen in der Geschichte der brasilianischen Wahlen erhielt. Dass die meisten Stimmberechtigten unter den offiziell gut 40 Millionen Armen in Brasilien für den Kandidaten der Partei der Arbeiter (PT) wählen würden, war ohnehin klar.

„Lula ist mein Held. Mit ihm weiß ich, dass ich und meine sieben Kinder zumindest immer etwas zu essen haben werden“, jubelte am Sonntagabend nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses die Putzfrau Zeze im Armenviertel Rosinha in Rio de Janeiro. Zumeist dunkelhäutige Kinder und Nachbarn sprangen um sie herum und schrien: „Lulaaaa, Lulaaaa“.

Wichtigster Trumpf Lulas ist das Sozialprogramm „Bolsa Familia“, durch das rund 50 Millionen Familien monatlich zwischen 70 und 95 Real (25 bis 35 Euro) bekommen. Ein Großteil der Medien und Regierungskritiker sehen hier eine Art „Stimmenkauf mit Almosen“. Doch der Soziologe und „kritische“ Lula-Anhänger Emir Sader entgegnet: „Brasilien ist immer noch das ungleichste Land der Welt. Zum ersten Mal wird aber bei uns nun an die Armen gedacht.“

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