Trump beendet Asienreise
Viel versprochen – wenig erfüllt

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Kein kritisches Wort

Abends erscheint Trump zu einem der endlos vielen Galadinner wie alle anderen im traditionellen Obergewand, leuchtend blau. Die Kombination mit dem Trump'schen Blond knallt wie die schwedische Flagge, ein Raunen geht durch die Hallen. Die spitzen Schreie aber, tatsächlich, gehörten wieder einmal Kanadas Premier Justin Trudeau.

Unbeschadet der hübschen Bilder verliert Trump an diesem Abend ein mittelschweres diplomatisches Pokern: Gelassen erscheint Xi Jinping nach dem Amerikaner zum Dinner. Das hätte es früher nicht gegeben.

Hanoi – Verlust des Fokus

Diese Station klemmte eh ein wenig schräg im prallen Zeitplan, viel mehr als noch mehr roter Teppich, Blumenmädchen und das Bild des tapferen Trump vor einer Büste des Kommunisten Ho Chi Mins wird wohl nicht bleiben. Mehr als 13.000 Kilometer von zuhause aber wird mit einem Mal ein Komplex groß, der mit der Reise an sich nicht das Geringste zu tun hat. Russland.

In der Air Force One auf dem Weg nach Hanoi hatte Trump wieder einen dieser Auftritte, bei denen er einfach immer weiter redete. Er glaube Putin, der habe an der US-Wahl nicht herumgefummelt, bestimmt nicht. Seinen eigenen Geheimdiensten aber glaube er nicht. Alles Politik. Die CIA erschrickt sich so, dass sie sicherheitshalber ein Statement herausgebt, sie stehe sehr wohl zu ihren Erkenntnissen.

Mit dem neuen Morgen in Hanoi hat Trump eine frische Meinung, will - neben Vietnams etwas verloren wirkendem Präsidenten stehend - seine Russland-Äußerungen wieder abräumen. 180 Grad schwenkt er zurück, er sei inhaltlich doch wieder auf Linie der Geheimdienste.

Eine so lange Reise ist ein extremer Schlauch, für einen 71-Jährigen allemal, auch wenn Trump partout nicht als alt „beleidigt“ werden möchte. Ablenkungen und Störungen nehmen zu, Trump verliert den roten Faden. Neue Tweets werden auf Nordkoreas Kim Jong Un abgefeuert, „klein und fett“, Petitessen statt Politik in einer brandgefährlichen Krise. Derweil kreuzen drei US-Flugzeugträger im Pazifik.

Manila – der Abschied

Weitere Gipfel auf den Philippinen machen wie unter einem Brennglas klar, wie sehr Trump Außenpolitik nach Gusto betreibt. Mit wem er kann, dessen Land steht fortan in der Gnadensonne. Wichtig: persönliche Beziehungen, bilateraler Austausch, Transaktionen. Nicht so wichtig: Werte, Traditionslinien amerikanischer Außenpolitik, Menschenrechte, trotz einer dünnen Erklärung am letzten Tag. Wenige Straßen vom Gipfel entfernt leben Menschen auf der Straße unter Folien, lausen Kinder Erwachsene, wühlen im Müll um Bäume herum nach Essbarem.

Zu all den Autokratien und Diktaturen und Nicht-Demokratien der Region verliert Trump kein kritisches Wort. Mit wirklich allen Staatenlenkern, denen er hier begegnet sei, verstehe er sich gut.

Von Paraden, Pomp und Glitzereien begeistert, verspielt Trump mit wehender Tolle im feuchten Wind das Tafelsilber der USA in der Welt. „Make America Great Again“, aber nur nach Trumps Doktrin: Zuhause, da ist es am schönsten. Vertrauen, diplomatische Verlässlichkeit, Schutzmacht, das klingt ihm alles vergangen, unwichtig oder lästig.

Von keinerlei Skepsis oder Moral angekränkelt, entwirft der US-Präsident in Asien eine Art goldenen Globus mit „Trump“ im Zentrum. Er mag die USA aus dem Fahrersitz der internationalen Politik verabschieden, seine Reise wertet er als größtmöglichen Erfolg. Noch niemand habe hier „mehr roten Teppich“ bekommen, alles extraordinär, alles riesengroß, alles ganz fantastisch.

Zum Ende der Tour verlängert er seine Botschaften nach Hause und twittert mit 13 Stunden Zeitvorteil, alle seine Wahlversprechen würden rasant erfüllt, es gälten andere Regeln im Umgang mit den USA, die „Horror Shows“ früherer Handelsdeals seien zu Ende. Und jetzt zur Steuerreform.

Könnte sein, dass „Amerika zuerst“ nach dieser Reise noch mehr hinausläuft auf „Amerika allein“. Der Führer der freien Welt will dies nicht mehr sein. Seine eigene Welt ist ihm genug, Europa hat davon schon kosten dürfen. China wird es danken. Die langfristigen Folgen dieser Achsenverschiebung sind noch gar nicht abzusehen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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