Trump beim Papst
„Ich werde nicht vergessen, was Sie mir gesagt haben“

US-Präsident Donald Trump gibt sich bei der Begegnung mit Papst Franziskus im Vatikan versöhnlich. Der Frieden stand im Mittelpunkt ihres Austauschs. Das offizielle Kommuniqué des Vatikans fällt jedoch dünn aus.
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RomAm Ende hatte es Papst Franziskus mit seiner ruhigen, höflichen, aber nie anbiedernden Art geschafft, einen Dialog mit dem US-Präsidenten herzustellen. Als Donald Trump sich nach exakt einer halben Stunden Vieraugengespräch von ihm verabschiedete, etwas länger als vom Protokoll vorgesehen, sagte er zum Papst: „Ich werde nicht vergessen, was Sie mir gesagt haben.“ Beide wünschten sich „viel Glück“, Trump auf Englisch, der Papst auf Spanisch.

Später hieß es dann im ziemlich dünnen offiziellen Kommuniqué des Vatikans über das Treffen: „Bei den Gesprächen hat es einen Gedankenaustausch gegeben über einige international wichtige Themen.” Außerdem sei es um die Verbreitung des Friedens mit Hilfe von politischen Verhandlungen und Dialog zwischen den Religionen gegangen. Ein besonderer Blick habe der Situation im Nahen Osten und dem Schutz der christlichen Gemeinschaften dort gegolten. Der Anschlag von Manchester wurde offiziell nicht erwähnt. Beide hatten ihn schon am Tag zuvor verurteilt. Der Vatikan war nach Saudi-Arabien und Israel die dritte und letzte Station auf Trumps Reise zu den Zentren der drei großen Weltreligionen.

Der Frieden war also das Thema, das Franziskus, der politische Papst, in den Mittelpunkt des Dialogs mit dem amerikanischen Präsidenten stellte. Weltweit hatten Medien vor dem Treffen an die Differenzen zwischen beiden bei den Themen Nahostpolitik, Syrienkrieg, Migration und Klima erinnert.

Der Papst schenkte dem US-Präsidenten neben seinen Enzykliken eine gebundene Ausgabe seiner Ansprache zum 50. Welttag des Friedens am 1. Januar 2017, mit persönlicher Widmung. „Engagieren wir uns dafür, zu Menschen zu werden, die Gewalt aus ihren Herzen und Worten verbannt haben“, heißt es darin. Der Papst fordert die Machthaber der Welt auf, sich für Abrüstung einzusetzen und vor allem für das Verbot und die Abschaffung von Atomwaffen.

Als Geschenk für den US-Präsidenten gab es außerdem die Darstellung eines Olivenzweigs auf einer Medaille, das Friedenssymbol an sich. Trump überreichte dem Papst als Geschenk eine Ausgabe der Schriften von Martin Luther King und sagte: „Wir brauchen Frieden“.

Erst Ende April hatte das Weiße Haus um die Audienz gebeten, als die anderen Etappen der ersten Auslandsreise des US-Präsidenten schon feststanden. Der Termin wurde in letzter Minute eingebaut, ausgerechnet an einem Mittwochmorgen, an dem die öffentliche Generalaudienz auf dem Petersplatz stattfindet. Deshalb mussten Trump und seine Delegation einen Nebeneingang in den Vatikan nehmen.

Am Morgen fuhr die Wagenkolonne des Präsidenten durch die abgesperrten Straßen der italienischen Hauptstadt zum Vatikan auf die andere Seite des Tibers. Mehr als 40 Fahrzeuge, in der Mitte der gepanzerte SUV mit Trump und seiner Frau Melania, die nach vatikanischem Protokoll in schwarz gekleidet war mit Schleier auf dem Kopf. Auch Präsidententochter Ivanka trug einen Schleier. Zur US-Delegation gehörten Ivankas Mann Jared Kuchner und Außenminister Rex Tillerson.

Bei der Begrüßung in der Privatbibliothek des Papstes im Apostolischen Palast wirkten die Gäste aus den USA noch steif. Das Klima war wenig entspannt. Trump setzte ein breites Lachen für die Kameras auf, der Papst dagegen schaute neutral und teilweise auch zu Seite. Nach dem Gespräch der beiden, bei dem nur ein Dolmetscher dabei war, schien die Atmosphäre deutlich entspannter.

Franziskus segnete einen Rosenkranz, den die katholisch getaufte First Lady in der Hand hielt, und verabschiedete sich dann zur Generalaudienz. Die sollte nicht durch den Sicherheitsapparat des Präsidenten gestört werden, hatte sich das Oberhaupt der Katholischen Kirche zuvor ausbedungen. Trump sprach anschließend mit dem Außenstaatssekretär des Vatikans, Kardinal Pietro Parolin, und besichtigte dann zusammen mit Frau und Tochter den Petersdom und die Sixtinische Kapelle.

Danach war die Republik Italien dran. Trump sprach mit Präsident Sergio Mattarella im Quirinalspalst über Manchester und die internationalen Krisenherde und später über den G7-Gipfel am Freitag und Samstag in Taormina mit Premier Paolo Gentiloni in der Residenz des US-Botschafters, wo er übernachtet hatte. Die First Lady besuchte ein Kinderkrankenhaus, die First Daughter die katholische Hilfsorganisation Sant‘Egidio in Trastevere. Am frühen Nachmittag hebt die „Air Force One“ in Rom-Fiumicino ab. Die nächste Etappe der Europa-Tour: Brüssel, wo der Nato-Gipfel stattfindet.

Regina Krieger
Regina Krieger
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • @Herr Tomas Maidan, 24.05.2017, 16:04 Uhr

    "Übermorgen wird er von den Europäern weitere Aufrüstung fordern, genau so, wie er bei den Saudis Milliarden-Deals für Waffen eingefädelt hat."

    Das ist leider zu befürchten. Aber was genau hat das jetzt mit dem Gespräch zwischen Papst Franziskus und Trump zu tun?

    "Wer bei diesem unwürdigen Schauspiel immer noch Applaus klatscht, hat wirklich rein gar nichts verstanden."

    Das stimmt. Aber w e r klatscht dazu Ihrer Ansicht nach Applaus?

  • Die ganze Trump-Reise ist verrückt. Nethanjahu hat er doch gerade erst vor wenigen Wochen zuhause getroffen. Muss man wirklich alle vier Wochen mit dem gleichen Staatsoberhaupt die gleichen Hände schütteln?
    Und was verbindet ihn mit dem Papst? Wenig. Katholischer Glaube ist in den USA vor allem bei Einwanderern beliebt, nicht gerade Trumps Geschmack. Man hat den Eindruck, diese Termine sollten nur vom eigentlichen Zweck ablenken: der Verkaufs-Veranstaltung bei seinen Freunden den saudischen Waffenschiebern.

  • Na, dann viel Spaß bei den nächsten Tagen "differenzierter" Trump-Show. Übermorgen wird er von den Europäern weitere Aufrüstung fordern, genau so, wie er bei den Saudis Milliarden-Deals für Waffen eingefädelt hat. Waffen übrigens, die garantiert auch in Syrien landen werden, und uns neue Flüchtlingsströme bescheren werden. Und wenn ihr Trump dann nach Hause kommt, wird er von der US-Justiz an den Ohren gezogen werden, und er wird wieder alle Kontakte zu Russland dementieren. Wer bei diesem unwürdigen Schauspiel immer noch Applaus klatscht, hat wirklich rein gar nichts verstanden.

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